Ägypten und seine Geschichte - ein Überblick

Einer alten ägyptischen Legende zufolge vereinte der Pharao Menes etwa 3200 v. Chr. zwei große Regionen am Nil zum Ägyptischen Reich. Aus jener Zeit stammen so monumentale Bauwerke wie die Felsentempel von Abu Simbel in Oberägypten und die steinerne Sphinx bei Kairo. Die Sphinx von Gizeh gilt als weltweit größte ihrer Art und zeigt einen Löwen mit einem menschlichen Kopf, der Schätzungen zufolge um 2700–2600 v. Chr. während der vierten Dynastie der Pharaonen errichtet wurde. Die genaue Funktion der Sphinx ist bis heute unklar. Forscher gehen davon aus, dass sie errichtet wurde, um das Plateau von Gizeh zu bewachen.

Die Pharaonenzeit in Ägypten ist in insgesamt 30 Dynastien unterteilt. Das alte Reich Ägyptens entstand in der dritten Dynastie. In diese Zeit fallen wahrscheinlich auch die Gründung der damaligen Hautstadt Theben sowie der Bau bedeutender Tempelstätten in Karnak und Luxor.

In den Jahren um 1650 v. Chr. versuchten unter anderem die Hyksos aus Asien, die Herrschaft über Ägypten zu erlangen. Aus jener Zeit stammen die Streitwagen mit Pferd, die später sehr populär wurden.

525 v. Chr. wurde das Land am Nil von Persern erobert. Zum ersten Mal wurde die Region von einem fremden Weltreich übernommen und regiert. Die Selbstverwaltung und Religionsfreiheit blieb den Ägyptern jedoch weitestgehend erhalten.

332 v. Chr. fiel das Land in die Hände von Alexander dem Großen. Er gründete von der Siedlung Rachotis (Raqote) aus die Hafenstadt Alexandria an der Mittelmehrküste Ägyptens. Nach seinem Tod übernahm Ptolemaios I. Soter die Herrschaft und machte die durch Alexander den Großen gegründete Stadt Alexandria zur Hauptstadt. Außenpolitisch war Alexandria besonders wichtig, denn sie ermöglichte Ägyptens Handel mit anderen Ländern über den Seeweg.

Nach dem Tod der sagenumwobenen Herrscherin Kleopatra wurde Ägypten 30 v. Chr. zu einer römischen Provinz. Das Land verlor alle wichtigen Verbindungen ins Ausland und die Bevölkerung wurde von der römischen Herrschaft unterdrückt.

Um 640 n. Chr. begann in der Region Ägyptens die frühislamistische Zeit. Zahlreiche islamische Araber aus dem Niltal eroberten Ägypten und errichteten verschiedene Machtzentren und zwischen 661 und 750 siedelten sich weitere arabische Stämme im Land an. Nach Jahrhunderten der islamischen Expansion begannen die christlichen Kreuzzüge. Dabei wurde Kairo unter der Herrschaft Saladins zum Zentrum des Widerstands. Um 1250 ergriff die Palastgarde der Mamluken die Macht und zerstörte bis ins 13. Jahrhundert die letzen Kreuzfahrerstaaten. Selbst nach der Eroberung durch das Osmanische Reich verblieb Ägyptens Verwaltung in den Händen der Mamluken.

1498 wurde der Seeweg nach Indien entdeckt. Diese Entdeckung bedeutete den wirtschaftlichen Untergang der Region Ägyptens und ließ das Land verarmen.

Erst 300 Jahre später beendete die Landung der napoleonischen Korps die Vorherrschaft der Osmanen. Als die Franzosen noch im gleichen Jahr, 1798, eine Niederlage gegen Admiral Nelson hinnehmen mussten, ergriff der aus Albanien stammende Offizier Muhammad Ali Pascha die Macht und unter seiner Herrschaft erreichte das Land eine gewisse Selbstständigkeit. Der zehn Jahre dauernde Bau des Sueskanals von 1859 bis 1869 trieb Ägypten durch fremde Anleihen wieder in die Hände von Großbritannien und Frankreich. Großbritannien besetzte das Land und wandelte es 1914 in ein Protektorat um.

Erst 1936 erhielt Ägypten seine Souveränität zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Land zum Schauplatz von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschen, Italienern und Briten.

Im Jahr 1948 beteiligte sich Ägypten am Angriff auf den neu gegründeten Staat Israel. Die Ägypter und andere arabische Nationen wurden allerdings von der israelischen Armee zurückgeschlagen. Am 23.07.1952, am heutigen Nationalfeiertag Ägyptens, stießen die freien Offiziere den amtierenden König Faruk vom Thron. Anschließend regierte Gamal Abdel Nasser Ägypten. Im Sommer 1967 wurde ein Sechstagekrieg mit Israel ausgefochten, bei dem Ägypten unterlag. Nach dem Tod vom Nasser 1970 wurde die Regierung von Anwar as-Sadat übernommen, der 1977 überraschend Friedensverhandlungen mit Israel einleitete. Nach der Rückgabe Sinais schloss Ägypten Frieden mit Israel und Sadat erhielt gemeinsam mit dem israelischen Premier Menachem Beginn den Friedensnobelpreis. 1981 wurde Präsident Sadat Opfer eines Attentats auf offener Straße. Sein Nachfolger wurde der damalige Vizepräsident Muhammed Husni Mubarak, der 1982 ein Notstandsgesetz verhängte, das während der nächsten 30 Jahre Gültigkeit haben sollte. Mubarak wurde schließlich 2011 im Zuge des "Arabischen Frühlings" gestürzt und durch den in der ersten demokratischen Wahl Ägyptens vom Volk gewählten Präsidenten Muhammed Mursi abgelöst. Die Welt erwartete danach gespannt, wie sich das Land unter der neuen Führung entwickeln wird.

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