Memnon Kolosse - Kolossalstatuen

Die Memnon Kolosse sind zwei monolithische Steinstatuen, die den Pharao Amenophis III. darstellen und einst den Eingang des Tempels des Amenophis flankierten.

Ägypten - Memnon Kolosse
Memnon-Kolosse - Kolossalstatuen

Amenophis III. war ein altägyptischer Pharao der 18. Dynastie, der das Reich am Nil etwa zwischen 1388 und 1351 v. Chr. regierte. Die Kolossalstatuen befinden sich westlich von Luxor und liegen rund drei Kilometer vom Ufer des Nils entfernt. Die Bezeichnung Memnon Kolosse erhielten die Statuen in der griechisch-römischen Antike. Sie wurden nach Memnon, einem halbgöttlichen äthiopischen König benannt, der in der griechischen Mythologie eine bedeutende Rolle spielte. Der Legende nach wurde Memnon als Sohn der Göttin Eos und dem Sohn des trojanischen Königs geboren. Im Trojanischen Krieg unterstützte Memnon mit seiner Flotte den trojanischen König und wurde vor den Toren der Stadt getötet. Den Leichnam des getöteten Sohnes entführte seine Mutter Eos nach Äthiopien, wo sie ihn tränenreich betrauerte. Das Klagen berührte den griechischen Göttervater Zeus derart, dass er Memnon Unvergänglichkeit gewährte und damit in den Stand einer Gottheit erhob.

Die Memnon Kolosse in Ägypten bestehen aus Quarzitsandstein und besitzen eine Höhe von 18 Metern. Ursprünglich waren sie drei Meter höher und trugen Kronen auf den Häuptern, die heute verschwunden sind. Die Statuen sind stark beschädigt, was ein Erkennen der Gesichtszüge heute unmöglich macht. Die Statuen Amenophis III. sitzen auf einem Steinsockel und blicken in Richtung Nil. Einst markierten Sie den Eingang des Totentempels des Pharaos, von dem heute bis auf eine einzelne Weihestele nichts mehr erhalten ist. Die Steine dienten als Baumaterial und die Gebäude wurden im Lauf der Jahrhunderte nach und nach abgetragen. Zum Verschwinden der Bauwerke trug auch die jährliche Nilüberschwemmung bei, da die Gebäude vornehmlich aus Lehmziegeln errichtet waren, die von der Flut aufgelöst wurden. Die Bedeutung der Kolossalstatuen geriet in Vergessenheit und wurde erst in der griechischen Antike mit dem Mythos des Memnon in Verbindung gebracht.

Beide Statuen sitzen auf einem Thron, der jeweils mit Gottesdarstellungen und ägyptischen Hieroglyphen verziert ist. Zu erkennen ist noch eine bildliche Darstellung des Gottes Hapi, der in der ägyptischen Antike als Gott der Nilüberschwemmung eine große Bedeutung besaß. An den Beinen der Statuen sind stehende Frauenfiguren angeordnet, die ebenfalls stark beschädigt sind. Sie stellen die Gemahlin des Pharaos und seine Mutter dar. Kaum noch kenntlich sind die Figuren einer Tochter Amenophis III., die zwischen den Beinen der Statuen angeordnet waren. Im 20. Jahrhundert versuchten Forscher aufgrund der Zusammensetzung des Gesteins und der Größe der Statuen das Gewicht der Kolosse zu ermitteln. Die Berechnungen ergaben ein Gewicht von rund 500 Tonnen allein für den Sockel der südlichen Statue. Die Kolossalstatue selbst bringt es auf ein stattliches Gewicht von rund 720 Tonnen. In jüngster Vergangenheit fanden umfassende Restaurierungsarbeiten an den Statuen statt. Dabei wurden Farbreste freigelegt, die belegen, dass die steinernen Monumente einst bemalt gewesen sind.

Im Jahr 27 v. Chr. ereignet sich in der Region ein Erdbeben, das Risse in der Struktur der nördlichen Statue verursachte. Ein größerer Riss führte jeweils zu Tagebeginn und Sonnenaufgang zum Erklingen eines lang anhaltenden klagenden Tones. Dieses Phänomen führte zu einer großen Popularität der Statuen in der griechisch-römischen Antike. Zahlreiche römische Reisende besuchten die Memnon Kolosse, um dem Klagelied zu lauschen. Der römische Statthalter Ägyptens brachte im Jahr 92 n. Chr. eine Inschrift an, die auf dieses Ereignis hinweist. Im Jahr 130 n. Chr. stattete der römische Kaiser Hadrian den Statuen einen Besuch ab, um selbst an diesem Phänomen teilzuhaben. Hunderte griechische und römische Graffiti zeugen von der großen Popularität der Monumente in der Vergangenheit. Erst eine Restaurierung, die der römische Kaiser Septimus Severus im Jahr 199 n. Chr. in Auftrag gab und durchführen ließ, führte zum Verstummen des Klageliedes.

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