Sphinx von Gizeh - rätselhafte Skulptur

Die Sphinx von Gizeh ist eine ägyptische Skulptur, die sich östlich von der Chepren Pyramide befindet und vor mehr als vier Jahrtausenden aus einem Kalksteinhügel geschlagen wurde.

Ägypten - Sphinx Gizeh
Sphinx von Gizeh - eine rätselhafte Statue

Die Steinskulptur auf der Ebene von Gizeh stellt einen liegenden Löwenkörper mit einem Menschenkopf dar. Der Kopf ist mit einem sogenannten Nemes-Kopftuch bedeckt. Die Nase ist abgebrochen. Der liegende Löwenkörper setzt sich aus dem Rumpf, den Gliedmaßen und dem Schwanz zusammen. Die Vorderbeine sind ausgestreckt, während sich die Hinterbeine in einer angewinkelten Position befinden. Der Schwanz windet sich um den Oberschenkel des rechten Hinterlaufes. Zumindest der Menschenkopf war früher mit rötlicher Farbe bemalt, wie Farbreste an einem Ohr vermuten lassen. Früher besaß der Kopf einen Bart, der bereits in antiker Zeit abfiel. Teilstücke davon werden im Britischen Museum in London aufbewahrt. Die Sphinx besitzt eine Länge von 73,50 Metern und ist 20 Meter hoch. Die Proportionen des Kopfes im Vergleich zum restlichen Körper weisen ein Ungleichgewicht auf. Aus welchem Grund der Kopf zu klein geraten ist, konnte bis heute nicht geklärt werden.

Die Entstehungszeit der Sphinx wird auf die Zeit zwischen 2.700 und 2.600 v. Chr. datiert. Endgültige Belege für diese Datierung fehlen allerdings. Die Steinskulptur wurde exakt in einer Ost-West-Richtung ausgerichtet, wobei der Menschenkopf nach Osten in Richtung Sonnenaufgang blickt. Der Rumpf befindet sich in einer Mulde, sodass bei näherer Betrachtung nur der Kopf aus dem umliegenden Gelände herausragt. Durch diese Bauweise wurde die Sphinx in den zurückliegenden Jahrhunderten und Jahrtausenden immer wieder von Flugsand bedeckt, der sich in der Mulde sammelte und die Steinfigur nach und nach unter sich begrub. Mehrfach wurde die Sphinx seit der Herrschaft der ägyptischen Pharaonen ausgegraben. Thutmosis IV. regierte im 14. Jahrhundert v. Chr. und war der erste Pharao, der die Sphinx vom Sand befreien ließ. Der Überlieferung zufolge schlief der junge Prinz, erschöpft von der Jagd im Schatten des Kopfes ein. Im Traum erschien ihm die Sphinx und beklagte sich über die Sandmassen, die seinen Körper bedeckten. Als Dank für die Freilegung versprach die Sphinx dem Prinzen einen Königsthron. Das Versprechen ging in Erfüllung und aus Dankbarkeit ließ Thutmosis IV. die "Traumstele des Thutmosis" zwischen den Vorderpranken des Löwenkörpers aufstellen. Weitere Reinigungen erfolgten unter römischer Vorherrschaft im 2. Jahrhundert n. Chr.

Die tatsächliche Funktion der Sphinx von Gizeh konnte bis heute nicht entschlüsselt werden, obwohl ganze Generationen von Forschern die rätselhafte Skulptur untersucht haben. Die wahrscheinlichste Theorie deutet auf eine Funktion zur Bewachung des Plateaus von Gizeh hin. Andere Forscher vermuten hinter dem Menschenkopf das Abbild eines ehemaligen Pharaos. Doch trotz hochtechnologischer Untersuchungen, bei denen der Kopf der Sphinx mit den Abbildungen ägyptischer Herrscher verglichen wurde, konnte keine eindeutige Zuordnung erfolgen. In der Vergangenheit fanden im direkten Umfeld der Steinskulptur immer wieder Grabungen statt, weil unter der Sphinx Gänge und Hohlräume vermutet wurden. Diese Vermutung bestätigte sich allerdings nicht. Der italienische Ägyptologe Giovanni Battista Caviglia gehörte zu den ersten Forschern, die die Figur weitestgehend freilegten. Dies geschah in den Jahren zwischen 1816 und 1818. Dabei fand er die abgefallenen Teile des einstigen Bartes. Spätere Bohrungen führten zu einer Beschädigung der Steinfigur und wurden von der Altertumsbehörde Ägyptens untersagt.

Anlass zu Spekulationen gab in der Vergangenheit immer wieder die abgeschlagene Nase der Sphinx. Alten Aufzeichnungen des arabischen Historikers Abd al-Latif al-Baghdadi zufolge, der von 1161-1231 lebte, war die Nase im 13. Jahrhundert noch an Ort und Stelle. Ein anderer arabischer Geschichtsschreiber berichtet in seinen Aufzeichnungen, dass im Jahr 1378 ein religiös-fanatischer Scheich einer islamistischen Strömung der Steinfigur die Nase abschlug. Aufzeichnungen und Abbilder aus dem 18. Jahrhundert zeigen und beschreiben die Sphinx von Gizeh immer ohne Nase. Behauptungen, die Truppen Napoleons hätten das Monument zu Beginn des 19. Jahrhunderts beschädigt, konnten damit widerlegt werden.

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