Äthiopien und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Kein anderes afrikanisches Land verfügt über eine so reiche Geschichte und auch in der Kulturgeschichte nimmt Äthiopien mit seinen alten christlichen Traditionen einen einzigartigen Platz ein. Im Norden des Landes befinden sich historische Stätten von kultureller Einmaligkeit, während im Südwesten die alten Traditionen zu bewundern sind, die bis heute von den dort ansässigen Naturvölkern bewahrt und gelebt werden.

Äthiopien Geschichte
Äthiopien Geschichte - Simien Nationalpark

Die Menschen in Äthiopien hielten trotz vieler Eroberungs- und Kolonialisierungsversuche durch fremde Mächte über zwei Jahrtausende ihre Unabhängigkeit aufrecht. So ließ der Sieg Äthiopiens gegen die moderne und gut ausgerüstete italienische Armee im Jahr 1896 die ganze Welt aufhorchen.

Der griechische Historiker Herodot erwähnte bereits im 5. Jahrhundert in seinen Schriften das antike Aksum. Und das Alte Testament erzählt unter anderem, wie die Königin von Saba die Stadt Jerusalem bereiste. Der Legende nach wurde das Äthiopische Reich durch den ersten Sohn von König Salomon und der Königin von Saba, Menelik, gegründet. Bereits im 4. Jahrhundert wurde durch Missionare aus Ägypten und Syrien das Christentum in das Land gebracht und unter der Herrschaft von König Ezana schließlich zur Staatsreligion erhoben. Im 7. Jahrhundert wurde mit der Ausdehnung des Islam die äthiopische Christenheit vom Einfluss der europäischen Kirche abgekapselt.

Im Jahr 1493 traten zum ersten Mal die Portugiesen mit Äthiopien in Kontakt mit dem Ziel, ihre Herrschaft im Indischen Ozean zu festigen. Sie versuchten auch, den katholischen Glauben zu verbreiten, der jedoch im Gegensatz zur äthiopischen Orthodoxie die Einzigartigkeit der Natur Christi annimmt. In späteren Jahren wurden die Missionierungsversuche der Portugiesen durch den Jesuitenorden fortgesetzt. Sie scheiterten jedoch, da sich die äthiopischen Kleriker ebenso wie die Adligen gegen den bereits bekehrten Kaiser auflehnten. Sie entrissen ihm die Herrschaft und verwiesen die Jesuiten für mehrere Jahrhunderte des Landes.

Nicht lange darauf gab es erste große Konfrontationen mit den europäischen Kolonialmächten, allen voran Italien. Neben den Italienern versuchten auch die Engländer, ihren Einfluss auszudehnen, wurden aber unter Kaiser Teodros erfolgreich daran gehindert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts eskalierten die Auseinandersetzungen mit den Italienern, da diese ihren Einfluss vor allem im Gebiet des heutigen Eritrea ausweiten wollten. Es wurde ein bilaterales Abkommen zwischen den beiden Staaten geschlossen, welches zunächst die Beziehungen auf friedliche Weise regeln sollte. Die italienische Umsetzung kam jedoch einer außenpolitischen Entmündigung und somit einem Protektorat gleich. So wurde auf der Konferenz von Berlin, bei der das italienische Einflussgebiet deklariert werden sollte, der Grundstein für einen Krieg gelegt. Am 1. März 1896 konnte eine italienische Invasion in der Schlacht von Adua abgewehrt werden und Äthiopien konnte seine Unabhängigkeit vorerst aufrechterhalten.

Unter der Herrschaft von Kaiser Menelik II folgte eine unbändige und mit kriegerischen Auseinandersetzungen erreichte Expansion an der südlichen Grenze von Äthiopien, wodurch sich die Staatsfläche um circa 200 Prozent vergrößerte und neue religiöse sowie ethnische Volksgruppen mit eingeschlossen wurden. Ab 1930 regierte Kaiser Haile Selassie I das Land. Im Jahr 1936 versuchten italienische Truppen unter Benito Mussolini erneut, das Land zu besetzen und waren diesmal auch erfolgreich. 1941 konnten die Italiener vom äthiopischen Widerstand mit der Unterstützung durch die britischen Truppen besiegt werden.

Kaiser Haile Selassie I blieb bis 1974 an der Macht, bis er durch das Militär entmachtet wurde. In der Folge entwickelte sich Äthiopien zu einem sozialistischen Staat und 1977 und 1978 konnte mit Unterstützung der Sowjetunion sowie Kubas eine Invasion durch Somalia verhindert werden. Somalia wurde von den USA unterstützt und die beiden afrikanischen Länder befanden sich in einem klassischen Stellvertreter-Konflikt.

Äthiopien wurde in den folgenden Jahren durch eine der schlimmsten Dürre- und Hungerkatastrophen der jüngeren Geschichte heimgesucht und zahlreiche Menschen verloren ihr Leben. Jeden Monat starben fast 20.000 Kinder an Unterernährung. Die Situation wurde durch den anhaltenden Bürgerkrieg nur noch verschlimmert. Durch eine Reportage des BBC-Fernsehens erweckte diese humanitäre Katastrophe schließlich 1984 das weltweite öffentliche Interesse und es kam zu einer nie da gewesenen Spendenwelle.

Im Jahr 1991 kollabierte das Regime von Oberst Mengistu Haile Mariam und der Staatschef floh nach Zimbabwe. Das Land erreichte unter der neuen Interimsregierung mit Meles Zenawi an der Spitze eine gewisse Stabilität und im April 1993 spaltete sich Eritrea nach einem fast 30 Jahre andauernden Krieg von Äthiopien ab. Der Frieden zwischen den beiden Staaten währte nicht lange und bereits 1999 führten Grenzstreitigkeiten und auch ökonomische Zwiste erneut zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Lage zwischen Eritrea und Äthiopien ist bis heute angespannt, weshalb von Reisen in die Grenzregionen abgeraten wird.

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