Blauer Nil - spektakuläres Naturschauspiel

Der Blaue Nil entspringt in den äthiopischen Gish-Bergen, durchfließt den Tanasee und bildet mit den spektakulären Wasserfällen beim Dorf Tis Issat eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten des afrikanischen Landes.

Blauer Nil
Blauer Nil - spektakuläres Naturschauspiel

Der Blaue Nil ist eine der beiden Wasseradern, die sich im Nachbarland Sudan zum Nil vereinigen. Die zweite Wasserader ist der Weiße Nil. Der Blaue Nil entspringt in den Gish-Bergen auf einer Höhe von etwa 2.750 Metern. Der Fluss mündet zunächst in den Tanasee und stellt gleichzeitig den einzigen Abfluss des größten Binnensees Äthiopiens dar. Mit dem Verlassen des Sees ändert der Blaue Nil seine Fließrichtung von Norden nach Süden. Die Bezeichnung Blauer Nil erhielt der Fluss wegen seiner dunklen Färbung. Er führt große Mengen feinkörniges Bodenmaterial mit sich, das aus dem Abessinischen Hochland stammt. Dabei handelt es sich überwiegend um kleine Schwebteilchen, die aufgrund ihres geringen Gewichtes nicht am Flussgrund abgelagert, sondern von der Strömung fortgetragen werden.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Äthiopiens gehören die Blauer Nil Wasserfälle in der Nähe des kleinen Dorfes Tis Issat. Der Ort liegt rund 30 Kilometer südlich von Bahir Dar und ein Besuch dieses spektakulären Naturschauspiels gehört zum festen Programm einer Rundreise durch das ostafrikanische Land. An den sogenannten Tisissat-Wasserfällen stürzt das Wasser des Flusses während der Regenzeit auf einer Breite von rund 400 Metern 42 Meter tief in die Schlucht. Damit ist der Wasserfall der Zweitgrößte in Afrika. Nebeneinander liegen vier Hauptströme des Blauen Nils. Insbesondere in der niederschlagsreichen Zeit bietet sich Ihnen beim Besuch der Wasserfälle ein spektakuläres Naturschauspiel. Allerdings haben regulatorische Eingriffe der Regierung in den Wasserhaushalt des Tanasees Einfluss auf die Wassermengen. Werden die Fluten des Nils am Oberlauf zum Zweck der Stromerzeugung vom Staudamm zurückgehalten, kann es passieren, dass statt der gewaltigen Wassermengen nur ein schmales Rinnsal über die Abbruchkante sickert. Die Maßnahmen haben in der Vergangenheit immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten geführt, die auf das Wasser des Nils als Lebensgrundlage angewiesen sind.

Einen besonders eindrucksvollen Anblick bieten Ihnen die Tisissat-Wasserfälle in den frühen Morgenstunden, wenn die Sonne über dem Horizont aufsteigt. Das Licht der Sonnenstrahlen bricht sich in den winzigen Wassertröpfchen der aufsteigenden Gischt und kreiert faszinierende Farbspiele und Regenbögen. In der Regenzeit erzeugen die herabstürzenden Wassermassen eine gewaltige Gischt, die wie ein undurchdringlicher Nebel in die Höhe steigt. Noch in der Entfernung von einem Kilometer zu den Wasserfällen können Sie die Feuchtigkeit in der Luft wahrnehmen. Rund einen Kilometer flussabwärts schlängelt sich ein Bergweg über eine alte Steinbrücke, die den Blauen Nil an dieser Stelle überquert. Die Brücke stammt aus dem Jahr 1626 und bildet einen der reizvollsten Aussichtspunkte an dem tosenden Fluss. Diesen Ort suchten bereits bedeutende Forscher und bekannte Persönlichkeiten auf, um den Blick auf die Nil-Wasserfälle zu genießen. Unter anderem gehörte die englische Königin Elisabeth II. zu den Besuchern.

Die Wassermassen des Blauen Nils ergießen sich über die Wasserfälle in einen Canyon, der aufgrund der Feuchtigkeit von einem dichten Regenwald bewachsen ist. Die Schlucht besitzt eine Länge von etwa 600 Kilometern und ist bis zu 20 Kilometer breit. Der Fluss hat sich im Lauf der Jahrmillionen immer tiefer in das äthiopische Hochland gegraben. Für Geologen ist die Schlucht eine wahre Fundgrube, denn das Wasser legt Gesteinsschichten frei, die vor mehr als 100 Millionen Jahren dort abgelagert wurden. Der Canyon, den der Blaue Nil in das Gestein gegraben hat, stellt ein enormes natürliches Hindernis für Kommunikations- und Reisewege zwischen dem Norden und dem Süden Äthiopiens dar. Der Regenwald an den Ufern des Flusses ist die Heimat für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Zahlreiche Affenarten bevölkern den grünen Dschungel und seltene Vögel flattern in den Baumkronen umher.

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