Die Felsenkirchen von Lalibela - das "achte Weltwunder"

Die 11 christlichen Felsenkirchen von Lalibela wurden im 12./13. Jahrhundert aus dem rostroten Felsgestein geschlagen und gehören heute zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Felsenkirche
Die Felsenkirche von Lalibela - das "achte Naturwunder"

Der äthiopische Ort Lalibela ist nach dem Kaiser Gebra Maskal Lalibela benannt, der das Reich Lasta im 12./13. Jahrhundert regierte. Der Ort ist eine bedeutende Wallfahrtsstätte für Christen aus der ganzen Welt und besitzt eine lange christliche Tradition. Kaiser Lalibela ließ während seiner Regierungszeit in der schwer zugänglichen Bergregion in der Nähe des Ortes elf Kirchen als Ganzes aus dem rostroten Tuffstein schlagen. Die einzelnen Gebäude sind bis zu 10 Metern hoch und gehören zu den größten von Menschenhand geschaffenen monolithischen Gebäuden der Welt. Die Felsenkirchen befinden sich am Fuß des Mount Abune Yousef auf einer Höhe von rund 2.600 Metern über dem Meeresspiegel. Schätzungen zufolge betrug die Bauzeit für die sakralen Bauwerke mehr als 100 Jahre. Die Kirchen wurden von oben nach unten aus dem Felsgestein herausgearbeitet.

Die einzelnen Kirchen sind über ein Labyrinth von Tunneln, Brücken, Korridoren und Felsdurchbrüchen miteinander verbunden. Die Architektur jeder Kirche erinnert an eine andere Epoche. Es wurden Felsenkirchen in Form eines griechischen Tempel bis zur Architektur eines klassischen axumitischen Palastes aus dem Gestein geschlagen. Noch heute erfüllen die sakralen Bauwerke ihre eigentliche Bestimmung als Kirche und Wallfahrtsstätte äthiopisch-orthodoxer Pilger. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Entstehungsweise und ihres imposanten Erscheinungsbildes werden die Kirchen oft als "achtes Weltwunder" bezeichnet. Ein erstaunliches Merkmal der Felsenkirchen von Lalibela ist der Standort. Von der Straße, die unterhalb der Anlage vorbeiführt, sind sie nahezu unsichtbar in den Bergen verborgen. Selbst aus der Nähe wirken sie durch den ebenerdigen Abschluss des Dachbereiches gänzlich unauffällig. Die genauen Gründe für die Wahl des eigenwilligen Standortes sind bis heute nicht geklärt. Die wahrscheinlichste Erklärung liefert der Umstand, dass die monolithischen Bauwerke vor Plünderern und feindseligen Übergriffen geschützt werden sollten.

Die elf Felsenkirchen von Lalibela lassen sich in drei Gruppen zusammenfassen. In der nördlichen Gruppe befindet sich mit der Bet Medhane Alem die größte monolithische Kirche der Welt. Ihre Architektur diente als Vorlage für die Kirche St. Maria von Zion in der Heiligen Stadt Axum. In ihrem Innenraum befindet sich ein Goldkreuz, dem eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Die Bet Medhane Alem Kirche ist mit der Bet Maryam Kirche verbunden, die als die Älteste des gesamten Komplexes gilt. Ihr Innenbereich ist mit kunstvollen Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert ausgeschmückt. Diese alten Fresken machen das Bauwerk zur meistbesuchten Felsenkirche von Lalibela. Das Grab des Kaisers Lalibela und zahlreiche Kunstgegenstände können Sie in der Kirche Bete Golgotha besichtigen. Zu den Attraktionen der nördlichen Gruppe gehören darüber hinaus das Grabmal von Adam und die Selassie-Kapelle.

Die bemerkenswerteste Kirche der westlichen Gruppe ist das Gotteshaus Bet Giyorgis. Dabei handelt es sich um das besterhaltene Gebäude der gesamten Anlage. Die Felsenkirche wurde in der Form eines Tempelkreuzes angelegt. Der Bau ist eine architektonische Meisterleistung mit einem Grundriss in Gestalt von drei ineinander verschachtelten Kreuzen. In der östlichen Gruppe der Felsenkirchen haben Sie die Gelegenheit, mit der Kirche Bet Amanuel die Hofkapelle und das ehemalige Gefängnis Bet Merkorios zu besichtigen. Forscher nehmen an, dass es sich bei der Kirche Bet Gabriel-Rufael um den ehemaligen Königspalast mit der heiligen Bäckerei handelt.

Der Mythos der Felsenkirchen von Lalibela hat die Jahrhunderte überdauert. Die monumentalen Bauwerke wurden mit großer Präzision aus dem Felsgestein herausgearbeitet. Sie stehen als Sinnbild für ein einstmals sagenumwobenes christliches Reich am Horn von Afrika. Durch die verborgene Lage blieben die Kirchen von feindlichen Angriffen verschont und die kunstvollen Fresken und Wandmalereien überdauerten die Jahrhunderte verhältnismäßig unbeschadet. Mit dem Kloster Ashetan Maryam und der Kirche Ashetan Maryam aus dem 11. Jahrhundert befinden sich weitere Zeugnisse des frühen christlichen Glaubens in der näheren Umgebung der Felsenkirchen von Lalibela.

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