Haik Estephanos Kloster - Stätte christl. Reliquien

Das Haik Estephanos Kloster stammt aus dem 13. Jahrhundert und befindet sich auf einer Halbinsel im westlichen Bereich des Hayk-Sees.

Äthiopien - Omo Valley
Äthiopien - Omo Valley

Im 8. Jahrhundert wurde während der Axumite-Zeit in Äthiopien in der äthiopischen Provinz Amhara die erste christliche Kirche in Hayk gegründet. Sie befand sich auf einer Halbinsel im gleichnamigen See. Im 13. Jahrhundert wurde der einstige Kirchenbau zum Estephanos Kloster erweitert. Die heutige Halbinsel war der Überlieferung nach früher eine Insel, die komplett vom Wasser des Hayk-Sees umspült wurde. Die Legende berichtet, dass der See entstand, um das Unrecht an einer schwangeren Frau zu rächen, das ihr von einer hochgestellten Prinzessin angetan wurde. Aus Zorn über die Ungerechtigkeit verwandelte Gott sämtliche Grundstücke in der Umgebung der Frau in Wasser. Nur das Stück Erde, auf dem sie sich selbst befand, blieb als Insel zurück. Auf diese Weise entstand eine Insel, die heute als Hayk-Halbinsel am westlichen Ufer des Sees liegt.

Die Gründung des Haik Estephanos Klosters wird auf den Mönch Iyasus Mo'a zurückgeführt, der dort ab dem Jahr 1248 gelebt haben soll. Der Mönch spielte eine Rolle beim Sturz des letzten Kaisers der Zagwe-Dynastie und soll bei der Wiederherstellung der Solomonischen Dynastie entscheidend mitgewirkt haben. Damals wurde Yekuno Amlak äthiopischer Kaiser. Das Haik Estephanos Kloster brachte fünf bedeutende religiöse Personen hervor, die als die "fünf Lichter des Christentums" in die Geschichte eingingen. Der Berühmteste war der Student Tekle Haymanot, der das Kloster von Debra Asbos in Shewa gründete und sich große Verdienste beim Aufbau religiöser Einrichtungen im Süden Äthiopiens erwarb. Im Jahr 1531 wurde das Haik Estephanos Kloster vom Imam Ahmad ibn al-Ghazi Ibrihim eingenommen und geplündert. Die Estephanos Kirche wurde damals niedergebrannt und nicht wieder neu errichtet. Heute sind nur noch die Ruinen des sakralen Bauwerks erhalten. Der Imam ließ am gegenüberliegenden Seeufer Boote bauen, die jedoch zunächst nicht seetauglich waren. Das Problem wurde durch luftgefüllte Kuhhäute gelöst, die unter den Booten befestigt wurden. Der Auftrieb hielt die Flotte über Wasser und den Mönchen blieb nichts übrig, als die Flucht anzutreten.

Im Haik Estephanos Kloster werden zahlreiche christliche Reliquien und wertvolle Schriften aufbewahrt. Zu den kostbarsten handschriftlichen Papieren gehört ein Buch der Evangelien, das um das Jahr 1280 geschrieben wurde. Darüber hinaus wird in dem Gemäuer ein riesiger Kochtopf aufbewahrt, in dem die Mönche früher die Mahlzeiten zubereitet haben. Eine wertvolle christliche Reliquie ist eine Ikone aus dem 15. Jahrhundert, bei der die Jungfrau Maria das Christus-Kind auf dem Schoß hält. Die Ikone wurde von einer britischen Wohltätigkeitsorganisation in jüngster Vergangenheit restauriert und instand gesetzt. Auf dem Klosterareal befindet sich neben dem Hauptgebäude ein kleines Museum, das die Geschichte der religiösen Einrichtung dokumentiert. An der Stelle der ehemaligen Kirche wurde ein hölzerner Glockenturm mit einer überdachten Glocke errichtet.

Südwestlich des Sees liegt die Stadt Haik mit ihren rund 14.000 Einwohnern. Sie befindet sich auf einer Höhe von 2.30 Metern über dem Meeresspiegel. Bekannte Sehenswürdigkeiten der Stadt sind die Kirchen Hayq Timhirt und Hayq Yohannis. Außerhalb der Stadt können Sie der Kirche von Hayq Tekle Haymanot einen Besuch abstatten, die im 9. Jahrhundert zur Regierungszeit des äthiopischen Kaisers Dil Na'od errichtet wurde. Der Hayk-See gehört mit einer Länge von 6,7 Kilometern und einer Breite von durchschnittlich sechs Kilometern zu den kleineren Binnenseen Äthiopiens. Seine maximale Tiefe liegt bei 88 Metern. Der erste europäische Besucher am Hayk-See war Francisco Alvares im Jahr 1520. In seinen Aufzeichnungen erwähnt er Nilpferde und einen großen Fischreichtum und berichtet von Orangen- und Zitronenbäumen, die am Seeufer gedeihen. Flusspferde werden heute nicht mehr im Hayk-See gesichtet und Zitrusfruchtplantagen existieren keine mehr.

TOP