Mercato in Addis Abeba - Afrikas größtes Angebot

Der Mercato in der äthiopischen Hauptstadt Addids Abeba ist der größte Freiluftmarkt des afrikanischen Kontinents.

Markt in Äthiopien
Markt in Äthiopien

Der Freiluftmarkt Mercato liegt im Stadtteil Addis Ketema und bietet nach inoffiziellen Angaben bis zu 13.000 Menschen Arbeit. Die Bezeichnung Mercato stammt noch aus der Zeit der italienischen Besatzung des Landes zwischen 1936 und 1941. Der Markt nimmt mit seinen gewaltigen Ausmaßen nahezu das komplette Stadtviertel ein. Dabei handelt es sich nicht um einen offenen Markt, auf dem die Händler auf einem großen freien Platz ihre Stände aufbauen und Waren verkaufen. Vielmehr sind es Geschäfte und Marktstände, die sich in den Gassen und Straßen des Bezirks entlangziehen. Mehr als 7.000 Läden, Stände und Werkstätten reihen sich in endloser Folge aneinander. Den größten Anteil an den gehandelten Waren haben landwirtschaftliche Erzeugnisse aus regionaler Produktion. Der Mercato ist nach Produktgruppen unterteilt. In jedem Straßenzug werden bestimmte Erzeugnisse einer Warengruppe angeboten.

Auf dem Mercato herrscht vom Öffnen bis zum Schließen der Läden und Stände ein buntes Treiben und häufig ein undurchdringliches Gewusel aus Händlern, Kunden und verschiedenen Haustieren. Vor den Geschäften in den Häuserzeilen breiten fliegende Händler Unterlagen aus, auf denen Obst und Gemüse angepriesen werden. Auf dem Mercato werden Produkte aller Art angeboten. Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehört Kaffee, der im Westen Äthiopiens angebaut wird und zu den bedeutendsten Exportgütern des ostafrikanischen Landes gehört. Typisch für afrikanische Lebensweise und Kultur spielt sich das bunte Treiben vornehmlich auf dem Boden ab. Frauen breiten auf den Tüchern Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch aus und hoffen auf zahlungskräftige Kundschaft. Die Ware wird morgens auf dem Kopf in den Mercato transportiert. Wer sich einen Esel leisten kann, lässt seine Produkte von den Tieren auf den Markt schleppen. Überall laufen die Lasttiere schwer beladen durch das dichte Gedränge.

Abertausende Produkte werden auf dem Mercato angeboten. Die Palette reicht von alltäglichen Gebrauchsgegenständen über Uhren, T-Shirts und CDs bis hin zu regionalem Kunsthandwerk und Antiquitäten. Neben Menschen und Haustieren bahnen sich Autos hupend ihren Weg durch die engen Gassen. Die Straßen sind nicht befestigt. Der Handel findet überwiegend auf dem staubigen Boden statt. Bei Regenwetter verwandelt sich der gesamte Markt in eine Schlammwüste. Einen ruhigen Flecken, von dem aus Sie dem Treiben ungestört zuschauen können, finden Sie auf dem Mercato nicht. Das lebhafte Treiben lässt keinen Platz für eine Verschnaufpause. Hinter jeder Straßenecke verbergen sich neue Läden und Gewerke. Schuhputzer bieten ihre Dienste an und Sattler schneiden große Lederstücke in einzelne Streifen. Ein Bereich des Marktes ist vollgestopft mit alten Ölfässern und Elektroschrott. Faxgeräte, Telefone und Computer werden in ihre Einzelteile zerlegt und verkäufliche Bauteile oder Materialien wie Kupfer werden aussortiert. Andere Menschen verkaufen gebrauchte Nägel, die sie selbst gerade geklopft haben. Ein Tagesverdienst von 50 Birr wird von den Händlern auf dem Mercato als positiv bewertet. Das sind umgerechnet etwa 2 Euro.

Für einen Besuch des Mercato in Addis Abeba ist es ratsam, einen ortskundigen Führer zu engagieren. Die Gefahr, in dem turbulenten Treiben in den Gassen die Orientierung zu verlieren, ist ausgesprochen groß. Ein Markt dieser Größenordnung zieht nicht nur Händler, Kunden und Touristen an, sondern auch Taschendiebe und Bettler. Auf das Tragen von wertvollen Schmuckstücken und das Mitführen von hochwertigen Handys und Fotoapparaten sollten Sie aus Sicherheitsgründen verzichten. Darüber hinaus empfiehlt es sich vor dem Einsatz der Kamera, die Erlaubnis der betroffenen Personen einzuholen. Viele lassen sich gern und bereitwillig fotografieren, doch einige lehnen das kategorisch ab. Zahllose Menschen sitzen auf dem Mercato beschäftigungslos am Straßenrand oder versuchen ihren kargen Lebensunterhalt durch Betteln aufzubessern. Besuchen Sie den Markt an einem regnerischen Tag, ist festes Schuhwerk angebracht. Die staubigen Straßen verwandeln sich dann in einen matschigen Untergrund mit knöcheltiefem Schlamm.

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