Nationalmuseum Addis Abeba - kulturelles Erbe

Im äthiopischen Nationalmuseum in Addis Abeba wird neben zahlreichen archäologischen Funden eines der ältesten und besterhaltenen Skelette des frühen Menschen präsentiert.

Nationalmuseum Addis Abeba
Nationalmuseum Addis Abeba

Das Nationalmuseum befindet sich in der Nähe des Universitätscampus in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Auf insgesamt vier Stockwerken werden zahlreiche Fundstücke aus der Ur- und Frühgeschichte, der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart des afrikanischen Landes ausgestellt. Die Gründung des Nationalmuseums Äthiopiens geht auf das Jahr 1944 zurück. Damals wurden in Zusammenarbeit mit einem französischen Forscherteam die ersten Maßnahmen zur Sicherung des kulturellen Erbes des ostafrikanischen Landes durchgeführt. Archäologische Grabungen in verschiedenen Landesteilen förderten zahlreiche Relikte aus der Frühzeit und aus den verschiedenen Epochen der Kaiserzeit zutage, die mit der Einrichtung des Nationalmuseums erfasst, katalogisiert und der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Zu Beginn befanden sich in dem Museum lediglich einige kleinere archäologische Sammlungen, ethnografische Objekte, die die einzelnen Volksgruppen des Landes repräsentierten und Trachten, die zu zeremoniellen Anlässen getragen wurden.

Mit dem Anwachsen der einzelnen Sammlungen wurde das Nationalmuseum schrittweise ausgebaut und erweitert. Heute ergänzen moderne Multimediaanwendungen und Videoreportagen auf Monitoren die Ausstellungen und versorgen die Besucher mit zahlreichen Hintergrundinformationen zu einzelnen Exponaten. Das Nationalmuseum ist in vier Ausstellungsbereiche gegliedert. Ein Bereich befasst sich mit der Urgeschichte Äthiopiens und der Paläontologie des Landes. Neben zahlreichen Steinwerkzeugen und Fossilien befindet sich in diesen Ausstellungsräumen das Skelett von "Lucy". Dabei handelt es sich um das Skelett eines Australopithecus afarensis und damit um einen 3,2 Millionen Jahre alten Vorfahren des modernen Menschen. Der zweite Bereich zeigt historische und archäologisch Funde aus mehreren Jahrhunderten. Es werden Gegenstände aus verschiedenen Epochen der kaiserlichen Regentschaft in Äthiopien präsentiert, deren Alter bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Mit den verschiedenen ethnischen Volksgruppen Äthiopiens, deren Bräuche, Kleidung und Alltagsleben beschäftigt sich der dritte Bereich des Natinalmuseums. Dort erfahren Sie Details zur Kultur der einzelnen Stämme, zu Ritualen und zu Traditionen. Die vierte Sektion des Museums widmet sich der Moderne. Im obersten Stockwerk finden regelmäßig wechselnde Ausstellungen äthiopischer Künstler statt.

Im Nationalmuseum in Addis Abeba befindet sich neben den Ausstellungsräumen eine Forschungsabteilung, in der neue archäologische Fundstücke untersucht, begutachtet und archiviert werden. Die größte Attraktion des Nationalmuseums ist das 3,2 Millionen Jahre alte Skelett eines frühen Menschen. Der Fund im Afar-Dreieck im Jahr 1974 löste weltweites Interesse aus, denn das Fossil gehört zu den besterhaltenen Skeletten des Australopithecus afarensis, die jemals entdeckt wurden. Aus den Knochenresten zogen Anthropologen Rückschlüsse auf das Alter und das Geschlecht des Hominiden. Obwohl in einigen Punkten bis heute Uneinigkeit herrscht, geht man davon aus, dass es sich um eine etwa 25 Jahre alte Frau gehandelt haben muss. Von insgesamt 207 Knochen des menschlichen Körpers wurden 47 entdeckt. Aus dem Bau des Beckens und der Oberschenkel schlossen Forscher, dass die Anpassungen an den aufrechten Gang bereits vorhanden waren. Das Skelett ist mit einer Gesamtgröße von nur 105 Zentimetern kleiner als vergleichbare Funde aus der gleichen Epoche. Die Knochen wurden mehrfach von einem Forscherteam in den USA untersucht und analysiert. Nach einem Computertomographie-Scan der Knochen konnte eine dreidimensionale Computersimulation erstellt werden, die den Australopithecus afarensis beim aufrechten Gehen zeigt.

Die Multimediaanwendungen im Nationalmuseum von Addis Abeba dokumentieren die verschiedenen Fundorte von frühen Menschen und zeigen unter anderem eine Dokumentation über Afrika als die "Wiege der Menschheit". Sie haben die Gelegenheit, Originalgewänder verschiedener äthiopischer Kaiser und traditionelle Gebrauchsgegenstände zu besichtigen. Neben dem eigentlichen Museumsbetrieb werden von den Verantwortlichen auf Anfrage spezielle Touren organisiert, die zu den archäologischen Ausgrabungsstätten oder bedeutenden Fundstätten führen. Studierende erhalten auf diese Weise die Gelegenheit, die Originalschauplätze geschichtlich relevanter Ereignisse unter fachmännischer Leitung zu besuchen.

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