Shashemene – Zentrum der Rastafani

Die äthiopische Stadt Shashemene befindet sich in der Provinz Shewa und ist das Zentrum der Rastafani-Bewegung, die durch Einwanderer aus Jamaika begründet wurde.

Shashamene
Shashamene - Zentrum der Rastafari

Die mehr als 100.000 Einwohner zählende Stadt Shashemene liegt rund 250 Kilometer südlich von der Hauptstadt Addis Abeba. Zahlreiche Einwohner in der Metropole gehören der Rastafani-Bewegung an. Die Bewegung hat ihre Wurzeln in den jamaikanischen Einwanderern. Die Heilsehre der Rastafani preist Äthiopien als das Gelobte Land. Die Gründung der Stadt geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Shashemene eine Garnisonsstadt, die international kaum Beachtung fand. Das änderte sich im Jahr 1948 als der damalige äthiopische Kaiser Haile Selassie Afrikanern aus dem Westen des Landes 500 Hektar Land schenkte. Ab 1950 setzte eine Einwanderungsbewegung aus Jamaika nach Shashemene ein. Rund 22 Familien aus dem Karibikstaat siedelten in die Stadt über. Sie waren überwiegend Anhänger des Rastafari-Glaubens. Seither kehrten Tausende Jamaikaner ihrer Heimat den Rücken zu und ließen sich in der äthiopischen Stadt nieder.

Im Jahr 1975 wurde im Zuge der Errichtung eines sozialistischen Militärregimes in Äthiopien eine Bodenreform durchgeführt und die Schenkung wurde rückgängig gemacht. Es folgten heftige Proteste der enteigneten Siedler, die zu einer Rückgabe von etwa 50 Hektar Land führten. Inoffiziellen Schätzungen zufolge sollen in Shashemene heute etwa 80 Familien mit amerikanischen, jamaikanischen und europäischen Wurzeln leben, die sich der Heilslehre der Rastafani-Bewegung zugehörig fühlen. Der Glaube hat seinen Ursprung im Jahr 1930 als Ras Tafari Makonnen unter der Bezeichnung Haile Selassie zum äthiopischen Kaiser gekrönt wurde. Die Anhänger einer kleinen, in Jamaika ansässigen Sekte werteten dieses Ereignis als ein göttliches Zeichen. Ihrer Ansicht nach bedeutete die Krönung das Ende der weißen Herrschaft und die Ankunft eines schwarzen Gottes. Lediglich drei Jahre zuvor ist die Wiedergeburt eines schwarzen Gottes vom dunkelhäutigen Menschenrechtsführer Marcus Garvey vorausgesagt worden.

Mit der Interpretation der Krönung als die Ankunft eines schwarzen Gottes war die Rastafani-Bewegung geboren. Fortan trug die Sekte diesen Namen. Äthiopien war in den Augen der Bewegung für die Wiedergeburt einer schwarzen Gottheit prädestiniert, denn das Land stand nie unter westlicher Herrschaft und wurde in seiner Geschichte nicht kolonialisiert. Das Leben der äthiopischen Rastafani-Bewegung in Shashemene wird stark durch Idole wie Bob Marley und durch die Reggae-Musik geprägt. Das Stadion in der Stadt wurde nach dem legendären Musiker benannt und viele Einwohner halten die Erinnerung an den Künstler lebendig. Während die Rasta-Kultur in der Karibik häufig mit dem Konsum von Marihuana in Verbindung gebracht wird, bestimmt in Shashemene vornehmlich der gemeinsame Glaube an die eigene Religion das Leben der Rastafani-Bewegung. Zwar gehört der Joint zum Alltag der Anhänger dieser Bewegung und wird von den Behörden stillschweigend geduldet, doch ist der Drogenkonsum nicht das zentrale Element der Ideologie.

Seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts zieht es zahlreiche weitere Auswanderer aus der ganzen Welt nach Shashemene. Die meisten fühlen sich den Idealen der Rastafani-Bewegung verbunden und sehen die äthiopische Stadt als eigentliche "Heimat" an. Internationales Medieninteresse wurde geweckt, als die Witwe des bekannten Reggae-Sängers Bob Marley im Jahr 2005 die Exhumierung des Leichnams ihres Mannes und ein Begräbnis in Shashemene in Erwägung zog. Nach dem empörten Aufschrei der Anhänger des Musikers in seiner Heimat Jamaika relativierte Rita Marley ihre Aussagen und verwies auf das Kulturevent, das anlässlich des 60. Geburtstags der Reggae-Ikone in der äthiopischen Stadt stattfinden sollte. Die Anhänger der Rastafani-Bewegung sind im Straßenbild leicht an ihren für afrikanische Verhältnisse untypischen Rastalocken zu erkennen. Die Holzzäune vor den Häusern sind in den Rasta-Farben gestrichen und aus den offenen Fenstern dringen die Klänge ihres Idols Bob Marley.

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