Tanasee – der größte See Äthiopiens

Der Tanasee ist der höchstgelegene See Afrikas und mit einer Fläche von mehr als 3.000 Quadratkilometern der größte Binnensee Äthiopiens.

Tanasee
Tanasee - der größte See Äthiopiens

Der Tanasee liegt im äthiopischen Hochland von Abessinien und ist von einer hügeligen Landschaft umgeben. Die riesige Wasserfläche breitet sich in einem kesselförmigen Becken aus. Der See ist mit seiner Lage von 1.830 Metern über dem Meeresspiegel der höchste See des afrikanischen Kontinents. Die längste Ausdehnung beträgt 84 Kilometer und an der breitesten Stelle beträgt der Abstand zwischen den Ufern mehr als 60 Kilometer. Die durchschnittliche Tiefe schwankt in Abhängigkeit von der Regenzeit zwischen 8 und 14 Metern. In den Sommermonaten Juli und August werden die höchsten Niederschlagsmengen gemessen. In dieser Jahreszeit werden große Bereiche der Uferregion großräumig überschwemmt. Den größten Zufluss bildet neben mehr als 30 kleineren Zuflüssen der Blaue Nil, der in dieser Region noch als Kleiner Abbai bezeichnet wird. Der mächtigste Strom Äthiopiens bildet in der Nähe des Ortes Bahir Dar den einzigen Abfluss aus dem Tanasee.

Der Tanasee bildet den Lebensraum für eine ungeheuer vielfältige Tier- und Pflanzenwelt. Das Gewässer ist das wichtigste Überwinterungsgebiet für eine Vielzahl europäischer Vogelarten. Im See und an seinen Ufern leben Krokodile, Flusspferde, Warane und Bergpythons. Insgesamt 15 endemische Fischarten kommen in dem Gewässer vor. Die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Seeufer und die Errichtung von Wasserkraftwerken und Bewässerungsprojekten stellen eine seit längerer Zeit eine Bedrohung für die artenreiche Flora und Fauna in der Region dar. Die Überbelastung der Uferbereiche des Gewässers entstand durch menschliche Eingriffe. Die Armut der Bevölkerung zwingt die Menschen, die natürliche Umgebung über ein ökologisch vertretbares Maß hinaus zu nutzen. Verschiedene internationale Organisationen bemühen sich seit Jahren durch einen engen Austausch mit den Behörden und den Menschen vor Ort, die Rahmenbedingungen für die Einrichtung eines UNESCO-Biosphärenreservates zu schaffen, um den einzigartigen Lebensraum zu erhalten.

Im gesamten Tanasee verteilt liegen insgesamt 37 einzelne Inseln. Auf rund 20 dieser Eilande befinden sich äthiopisch-orthodoxe Kirchen und Klöster, die eine große kulturhistorische Bedeutung besitzen. Die Mehrzahl der Klöster stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die alten Gemäuer werden noch heute von Mönchen bewohnt. Zu den ältesten Klöstern gehört Kibran Gabriel. Das Kloster liegt auf einer Insel in der Nähe der Ortschaft Bahir Dar. Zu den wertvollsten Schätzen der religiösen Einrichtung gehört die Bibliothek, in der zahlreiche handschriftliche Aufzeichnungen aus mehreren Jahrhunderten aufbewahrt werden. Die Älteste stammt aus dem 15. Jahrhundert. Das Betreten der Insel ist nur Männern gestattet. Zu den schönsten Kirchen der Region zählt Ura Kidane Mihret im gleichnamigen Kloster. Die Anlage befindet sich auf einer Insel und ist vom Bootsanleger über einen gewundenen Pfad zu erreichen. Frauen ist zwar das Betreten der Klosteranlage nicht aber die Besichtigung der Kirche erlaubt.

Die größte Insel im Tanasee ist die Klosterinsel Dek in der Mitte des Gewässers. Hier erwartet Sie die größte Ansammlung äthiopisch-orthodoxer Kirchen. Östlich von diesem Eiland befindet sich die Klosterinsel Daga Istafanos, auf der nach alter Überlieferung 18 Kaiser bestattet worden sein sollen. Die Leichname wurden in Glassärgen aufgebahrt. Unter den Toten soll sich auch Kaiser Fasilidas befunden haben, dessen Kronen, Schmuckstücke und Trompeten Sie im Schatzhaus bewundern können. Für Frauen ist diese Insel nicht zugänglich. Das Kloster Azwa Mariam beeindruckt mit seinen uralten Fresken und wertvollen Malereien, die zum größten Teil aus dem 14. Jahrhundert stammen. Auf den Klosterinseln begegnet Ihnen eine artenreiche Pflanzenwelt. Die Kirchenwälder werden zum großen Teil als heilig angesehen und blieben von Rodung weitestgehend verschont. Mehr als 100 Baumarten befinden sich Zählungen zufolge auf den Inseln. Daneben existieren die nördlichsten Wildkaffeevorkommen Äthiopiens auf den Klosterinseln im Tanasee. Die Anzahl der Inseln im Tanasee variiert in Abhängigkeit vom Wasserstand. In der Regenzeit werden mit dem Ansteigen des Wasserstandes einzelnen Inseln überflutet.

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