Gambia und seine Geschichte – ein kurzer Überblick

Es ist nicht genau überliefert, woher der Name Gambia stammt. Es wird vermutet, dass bei den Expeditionen der europäischen Seefahrer in die Senegambia-Region Ortsnamen in ihren Berichten erwähnt und auf den Karten markiert werden mussten. Viele Berichte beziehen sich darin auf den Fluss und das Land als Gambra oder Cambra. Eine weitere historische Quelle besagt, dass, als die Portugiesen James Island besuchten, der König von Niumi, Seneke Jamme, einen Boten zu den Fremden sandte. Dieser Bote mit dem Namen Kambi Manneh wurde gefragt, wie der Name des Ortes sei, an dem sie sich befinden. Da er die Frage wohl nicht richtig verstanden hatte, war seine Antwort auf die Frage: "Mein Name ist Kambi" (ausgesprochen: Kambi-yaa).

Bereits seit Jahrtausenden sind die fruchtbaren Ufer des Gambia-Flusses besiedelt. Skelettfunde und Überlieferungen bestätigen eine Besiedlung seit ca. 2500 v. Chr. Da es in den meisten afrikanischen Reichen lange Zeit keine Tradition der Geschichtsschreibung gab, sind genauere Angaben bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts eher wage. Es ist überliefert, dass das Gebiet des heutigen Gambia bis dahin Teil verschiedener großer afrikanischer Reiche war. Im großen Ghana-Reich vom 8. bis zum 11. Jahrhundert (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Staat Ghana) wurden Elfenbein, Baumwolle und Leder gegen Salz, Seide, Kupfer und andere Waren aus Nordafrika getauscht. Weiterhin sollen Sklaven und Gold mit dem Norden gehandelt worden sein.

Im 13. Jahrhundert übernahm das Volk der Mandinka die Herrschaft über die Region und es entstand das Reich Mali, welches zu seinen besten Zeiten größer als das Reich Ghana war und fast ganz Westafrika umfasste. Auch dieses frühere Reich Mali hat mit dem heutigen Land Mali keine historische Verbindung. Vom frühen 15. bis zum späten 16. Jahrhundert war das Songhaireich das dritte große westafrikanische Reich. Die Macht des Reiches beruhte auf der strategisch und wirtschaftlich optimalen Lage am Niger mit der Stadt Gao als Zentrum, von wo aus es bis zum Atlantischen Ozean nach Gambia reichte. Das Songhaireich hatte aber kaum einen relevanten Einfluss auf die Geschichte Gambias.

Ab Anfang des 15. Jahrhunderts führten Gerüchte über unermessliche Reichtümer die ersten Europäer zur Westspitze Afrikas. Immer dem Ruf des Goldes folgend, unternahmen portugiesische Händler in dieser Zeit viele Expeditionen nach Westafrika. Diese führten nach anfänglichem Widerstand der Einheimischen dazu, dass der Fluss auf seiner ganzen Länge von den Europäern erforscht und teils erschlossen werden konnte. Zwischen Portugal und dem Reich Mali entstand eine freundschaftliche Handelsbeziehung. Kenntnisse in der modernen Fischerei und der Bootsbaukunst wurden im Tausch gegen Gold und Sklaven weitergegeben.

1588 verloren die Portugiesen und Spanier die Vorherrschaft auf den Weltmeeren und somit auch die Handelsrechte im Gambiatal an die Engländer. Diese erschlossen sich einen lukrativen Handelsplatz und exportierten ab der Mitte des 17. Jahrhunderts Felle, Elfenbein, Wachs, geringe Mengen an Gold und immer mehr Sklaven. Dies war die Geburtsstunde des atlantischen Sklavenhandels, einem sehr lukrativen Wirtschaftszweig der damaligen Zeit, in dem schätzungsweise weit über 15 Millionen Sklaven (mehr als 3 Millionen davon aus dem Gambiagebiet) nach Amerika verschleppt wurden.

Engländer und Franzosen stritten vom späten 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts um die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft über die Flüsse in Senegal und Gambia. Der Pariser Frieden von 1763 übertrug die Herrschaft über Gambia schließlich an Großbritannien. Im Jahr 1807 endete offiziell der Sklavenhandel. Kurz darauf entstand der erste englische Militärstützpunkt, das heutige Banjul. Dennoch dauerte es bis 1888, bis Gambia eine eigenständige Kolonie Großbritanniens wurde.

Gambia wurde als konstitutionelle Monarchie am 18. Februar 1965 Mitglied des Commonwealth mit Königin Elisabeth II. als Staatsoberhaupt. Damit wurde eine eigenständige Flagge, eine eigenes Wappen und eine Nationalhymne eingeführt. Der Staat nennt sich seitdem offiziell "The Gambia". Am 24. April 1970 wurde Gambia als eine Republik innerhalb des Commonwealth proklamiert. Seit 1971 ist die gambische Währung, der Dalasi, offizielles Zahlungsmittel.

1981 erschütterte ein durch schlechte Ernten und hohe Inflation begründeter gewaltsamer Staatsstreich das Land. Im Nachspiel dazu konföderierten Gambia und Senegal. Diese Konföderation hatte die Vereinigung der Streitkräfte, der Währung und des Wirtschaftsraumes zum Ziel und hatte bis 1989 Bestand. Nach einer gewissen wirtschaftlichen und politischen Stabilisierung des Landes sind seit Beginn des neuen Jahrtausends vermehrt Unruhen zu verzeichnen, die auf die Beschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit zurückzuführen sind.

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