Badi Mayo - Schimpansen-Rehabilitations-Projekt

Das Schimpansen-Rehabilitations-Projekt ist ein Auswilderungsprogramm für die Menschenaffen, das im Jahr 1979 im River Gambia National Park gestartet wurde.

Badi Mayo
Badi Mayo - ein Schimpansen-Rehabilitations-Projekt

Frei lebende Schimpansen kommen seit dem frühen 20. Jahrhundert in Gambia nicht mehr vor. Ein Grund dafür war der illegale Tierhandel, der seine Blütezeit im letzten Jahrhundert erreichte. Die Primaten wurden von Wilderern eingefangen und an Zoos und Zirkusse in der ganzen Welt verkauft. Im Jahr 1979 wurde unter Leitung von Stella Marsden in Gambia ein groß angelegtes Auswilderungsprogramm gestartet, das Schimpansen aus mehreren Ländern im River Gambia National Park eine neue Heimat gibt. Die Leiterin kümmert sich seit ihrer Jugend um verwaiste Schimpansen. Meist wurden die Tiere aus den Händen skrupelloser Jäger und Tierhändler befreit. Die verwaisten Affenbabys müssen vor der Auswilderung aufgepäppelt und auf das Leben in der freien Wildbahn vorbereitet werden. Bis 1979 wurden die Primaten im Abuko Nature Reserve aufgezogen. Danach siedelten die Schimpansen auf drei Flussinseln im Gambia River über.

Die Inseln sind mit einer üppig wuchernden tropischen Vegetation bedeckt. Der Regenwald schillert in allen erdenklichen Grüntönen. Die Hänge der Uferregion tragen den Ockerton der Savanne. Das Schimpansen-Rehabilitations-Projekt verfolgt keine kommerzielle Strategie. Anders als an für den Tourismus relevanten Orten wie Juffureh und Kachikally geht es bei dem Auswilderungsprogramm ausschließlich um das Wohl der Affen. Aus diesem Grund ist das Befahren dieses Flussabschnittes nur mit einer behördlichen Sondergenehmigung gestattet. Das Betreten der drei Inseln ist verboten. Zum einen sollen die Schimpansen in ihrem natürlichen Lebensraum nicht durch Besucher beeinträchtigt werden und zum anderen können die wild lebenden Primaten sehr aggressiv gegenüber Menschen werden. Das Schimpansen-Rehabilitations-Projekt ist das älteste Auswilderungsprogramm dieser Art in Afrika. Stella Marsden taufte das Camp mit der Aufzuchtstation Badi Mayo. Bis vor Kurzem war dieser Ort in keinem Reiseführer verzeichnet. Demnächst könnte sich das ändern, denn die Station ist neuerdings auch für Besucher zugänglich.

Der Zutritt zum Camp bleibt allerdings nur unter hohen Auflagen möglich und lediglich acht Personen pro Tag wird der Zugang gewährt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass das Gelände zu einem großen Freilichtzoo für Touristen wird. Stattdessen werden nur Besucher empfangen, die an dem Projekt interessiert sind und sich für die Natur und die Kultur Gambias begeistern. Die Einnahmen aus diesem sanften Tourismus kommen der Aufzuchtstation und dem Ausbau des Schimpansen-Rehabilitations-Projektes zugute. Eine Unterstützung von staatlicher gambischer Seite erhält die Leiterin des Programms nicht. Die jährlichen Investitionen für das Projekt belaufen sich auf ca. 60.000 Euro. Davon werden unter anderem die 20 Mitarbeiter bezahlt und der Camp-Betrieb aufrechterhalten. Badi Mayo liegt rund 270 Kilometer von der Küste des Atlantischen Ozeans entfernt. Touristische Attraktionen fehlen in dieser Region Gambias komplett. Der tropische Regenwald präsentiert sich hier ursprünglich und naturbelassen. Das Leben der Einheimischen ist noch authentisch und statt aufdringlicher Worte erwarten Sie hier freundliche Blicke und interessierte Fragen.

Auf den drei Inseln im River Gambia National Park leben heute mehr als 80 Schimpansen, die sich in vier Gruppen zusammengefunden haben. Es handelt sich größtenteils um Nachkommen der ersten Tiere, die im Jahr 1979 aus dem Abuko Nature Reserve nach Badi Mayo umgezogen sind. Neben den Menschenaffen leben auf den Inseln zahlreiche weitere Primaten. Neben Grünen Meerkatzen und Westafrikanischen Stummelaffen bevölkern außerdem Guinea-Paviane die Baumwipfel des tropischen Regenwaldes. Am Boden leben Warzenschweine und im Wasser können Sie die in Gambia recht seltenen Flusspferde beobachten. In den Uferregionen liegen Nilkrokodile träge im Schatten der Bäume. Die Krokodile kommen neben anderen Echsen und zahlreichen Schlangenarten im gesamten River Gambia National Park verhältnismäßig häufig vor. Unzählige bunte Vögel flattern im Dickicht des Waldes von Baum zu Baum. Scharlachrote Bienenfresser leben hier gemeinsam mit schneeweißen Reihern und dunkelblauen Königsfischern. Letzte Zählungen ergaben einen Artenreichtum von mehr als 560 Vogelarten in Gambia.

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