Kachikally – das heilige Krokodilbecken

Das Krokodil wird in Gambia als heiliges Tier verehrt. Das Krokodilbecken von Kachikally ist für die Einwohner des Landes eine Kultstätte und übt auf Touristen eine magische Anziehungskraft aus.

Kachikally
Kachikally - das heilige Krokodilbecken

Das Krokodilbecken von Kachikally liegt im gambischen Ort Bakau und besitzt einen privaten Betreiber. Der Überlieferung zufolge soll sich das Becken seit Generationen im Besitz der Familie Bojang befinden. Die Sage berichtet von einer Frau namens Kachikally, die dem damaligen Siedler Ncooping Bojang von den Geheimnissen des Beckens berichtete. Die Frau schrieb dem Wasser übernatürliche Kräfte zu, die gegen Unfruchtbarkeit helfen und beim Erlangen von Reichtum und Macht hilfreich sein sollten. Die Familie Bojang erhielt den Auftrag, den Ort allen Menschen zugänglich zu machen und für alle Zeit die Pflege des Areals zu übernehmen. Die Söhne erhielten die Anweisung, zum Fischen zu fahren und den ersten Fang im Becken auszusetzen. Es handelte sich um zwei kleine Krokodile, deren Nachkommen fortan den Teich besiedelten.

Das Krokodil gilt in Gambia und im gesamten westafrikanischen Raum als heiliges Tier und besitzt den Status eines Fruchtbarkeitssymbols. Die mythologische Bedeutung der Krokodile findet sogar in der grafischen Gestaltung einiger Münzen und als Wasserzeichen in den Banknoten ihren Niederschlag. Das Krokodilbecken von Kachikally besitzt für die Einheimischen eine herausragende Bedeutung. Insbesondere die gambischen Frauen schwören auf die heilende Wirkung des Wassers. Ältere Frauen der Familie Bojang nehmen rituelle Waschungen an Besucherinnen vor, die anschließend von einem reichen Kindersegen profitieren sollen. Bei anderen Ritualen werden Münzen auf dem Panzer der Krokodile platziert, die die Tiere beim Schwimmen im Wasser verlieren. Darüber hinaus soll ein Bad im Wasser des Krokodilbeckens eine heilende Wirkung besitzen und Krankheiten bekämpfen oder vorbeugen.

Das Becken der Krokodile wird von einem kleinen Bachlauf gespeist. Der eigentliche Teich ist von einem Meer von Wasserhyazinthen überwuchert und von einer Mauer umgeben. In dem Gewässer tummeln sich die 2,5 bis 3 Meter langen Krokodile oder sie liegen regungslos am Ufer. Die Tiere genießen einen besonderen Schutz und können sich frei bewegen und vermehren. Die Gesamtanzahl der Krokodile in Kachikally liegt zwischen 70 und 100 Tieren. In der Trockenzeit droht der Teich regelmäßig auszutrocknen und erreicht einen sehr niedrigen Wasserstand. Die Angehörigen der Betreiber-Familie graben zu dieser Zeit mit großem Engagement die Quelle weiter aus und vertiefen den Bachlauf. Als krönendes Ritual werden wertvolle Stiere geschlachtet und an die Krokodile verfüttert. Ansonsten ernähren sich die Tiere von Fröschen, Fischen und Kleintieren. Der Bachlauf durchfließt im weiteren Verlauf einen Mangrovenwald und vereinigt sich mit dem größeren Cape Creek, der in den Atlantischen Ozean mündet.

Für den Fremdenverkehr stellt das Krokodilbecken von Kachikally eine Attraktion dar. Die Anlage ist eine viel besuchte Sehenswürdigkeit in dem westafrikanischen Land. An der Kreuzung Atlantic Road/Old Cape Road in Bakau zweigt ein Weg zum Becken von Kachikally ab. Das Fischerdorf an der Atlantikküste ist mit rund 20.000 Einwohnern der Hauptort an der Atlantic Road. Ausländische Besucher müssen einen Eintritt in Höhe von 10 Dalasi entrichten. Für Frauen ist der Zugang in die Anlage kostenlos, wenngleich eine freiwillige Spende gern gesehen wird. Die herumliegenden Krokodile können berührt und gestreichelt werden. Schutzvorrichtungen existieren nicht. Allerdings liegt es in der Natur der Tiere, sich nicht willenlos sämtlichen Annäherungsversuchen auszusetzen. Ganz ungefährlich ist dieses Unterfangen deshalb nicht, obwohl das Berühren der Krokodile Glück bringen soll. Neben dem heiligen Krokodilbecken von Kachikally gibt es in Gambia zwei weitere Kultstätten dieser Art, die jedoch wesentlich weniger stark von Touristen frequentiert werden. Die Krokodilbecken befinden sich in der Nähe der gambischen Orte Barra und Kartong. Am Becken von Kachikally wurde im Jahr 2004 ein Museum eröffnet, das Ihnen ein Einblick in die Geschichte Gambias im Allgemeinen und in die Historie des Krokodilbeckens im Speziellen gibt.

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