Wassu – die prähistorischen Steinkreise

Die Attraktion des kleinen gambischen Ortes Wassu am Gambia River sind die prähistorischen Senegambischen Steinkreise, die im Jahr 2006 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wurden.

Wassu - prähistorische Steinkreise
Wassu - prähistorische Steinkreise

Rund 15 Kilometer von der ältesten gambischen Stadt Janjanbureh entfernt liegt das Dorf Wassu. Der Ort befindet sich in der Central River Region am Gambia-Fluss. Die Einwohnerzahl von Wassu wird auf rund 1.500 geschätzt. Die letzte offizielle Zählung fand in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts statt. Wassu liegt unmittelbar an der North Bank Road, die zu den wichtigsten Fernstraßen des westafrikanischen Landes gehört. Den Ort erreichen Sie bequem mit dem Taxi von Janjanbureh aus. Bis zur Afrikanisierung Gambias nach dem Abzug der Kolonialmacht Großbritannien war die Stadt unter dem Namen Georgetown bekannt. Im Stadtzentrum finden Sie noch heute zahlreiche Gebäude aus der Kolonialzeit. Janjanbureh ist das wirtschaftliche Zentrum Gambias im Landesinneren. Hier werden mit Erdnüssen und Reis die landwirtschaftlichen Produkte der Umgebung gesammelt und für den Export aufbereitet. Der ehemalige Sklavenmarkt war im 19. Jahrhundert ein bedeutender Sammelpunkt für verschleppte Einwohner aus Westafrika.

Die Attraktion des kleinen Ortes Wassu sind die Senegambischen Steinkreise. Sie sind Teil einer ganzen Reihe von prähistorischen Monumenten, die sich wie ein langes Band auf einer Länge von rund 350 Kilometern entlang des Gambia Rivers hinziehen. Mehr als 1.000 Steinkreise dieser Art befinden sich in Gambia, Senegal und Guinea. Die tonnenschweren Steine bei Wassu wurden im 8. Jahrhundert aufgerichtet. Damit sind die Steinkreise in dieser Region die ältesten megalithischen Monumente südlich der Sahara. Forscher rätseln bis heute über die Funktion und den Zweck der Steinkreise. Es wird vermutet, dass es sich um Grabstellen einstiger Herrscher gehandelt haben könnte. Seit dem 19. Jahrhundert wurden immer wieder Ausgrabungen rund um die Monumente durchgeführt. Dabei kamen Pfeil- und Speerspitzen aus Eisen, Messer, Tongefäße und Schmuckstücke aus Kupfer und Bronze ans Tageslicht. Diese Funde scheinen die These zu untermauern, dass an diesen Orten einst bedeutende Personen bestattet wurden.

Beim Betreten des Areals ist ein Eintrittsgeld in Höhe von 50 Dalasi zu entrichten. Die Banknote bildet auf der Rückseite die Steinkreise von Wassu ab. Zunächst besuchen Sie ein kleines Museum, das im Jahr 2000 am Rand der Steinkreise eingerichtet wurde. Darin sind Miniaturformate der rätselhaften Steinmonumente aufgebaut. An den Wänden hängen Schautafeln, die dokumentieren sollen, wie die Felsblöcke in diese Region gelangten. Darüber hinaus wird erklärt, wo sich weitere Standorte von Steinkreisen in Afrika und der ganzen Welt befinden. Anhand von Fotos wurden mehrere archäologischen Grabungen dokumentiert. Die megalithischen Steine bei Wassu bestehen im Allgemeinen aus Laterit. Dieses Gestein ist in tropischen Regionen der Erde häufig als Oberflächenprodukt anzutreffen und entstand durch Verwitterung älterer Gesteinsschichten. In Gambia kommt dieses Material häufig vor. In vielen Gegenden werden ziegelsteingroße Blöcke aus dem Fels geschnitten und nach der Trocknung an der Luft zum Hausbau verwendet.

Die Kreise in Wassu bestehen aus jeweils 10 bis 25 megalithischen Steinen. Es handelt sich um insgesamt elf einzelne und Doppelkreise. Sie variieren in der Höhe und ragen meist zwischen einem und zweieinhalb Metern auf. Sie besitzen ein Gewicht von bis zu 10 Tonnen pro Stein. Ohne technische Hilfsmittel muss es einer enormen Anstrengung bedurft haben, um die schweren Felsblöcke aufzurichten. Die Steine in Wassu besitzen zum überwiegenden Teil eine zylindrische Form. Es wird angenommen, dass die Felsblöcke erst nach dem Aufrichten in diese Form gebracht wurden. Besucher der Steinkreise von Wassu hinterlassen traditionell kleine Steinchen auf den megalithischen Felsen zurück. Auf den meisten Steinen haben sich auf diese Weise ganze Türme aus kleinen Steinchen gebildet, die komplett den oberen Bereich bedecken. Der Zweck dieses Rituals ist nicht näher bekannt. Die Führung durch das Areal übernimmt bei einer individuellen Anreise ein Bewohner aus dem Dorf.

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