Kapverden Geschichte

Die Besiedlungsgeschichte der Kapverden begann mit der Entdeckung des Inselarchipels durch portugiesische Seefahrer in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Frühere Siedlungsspuren ließen sich bislang nicht nachweisen.

Kapverden Geschichte
Kapverden Geschichte

Der portugiesische Seefahrer António Fernandes umrundete im Jahr 1445 erstmalig die Kapverdischen Inseln. Als erster Europäer setzte der in portugiesischen Diensten stehende Venezianer Alvise Cadamoste im Jahr 1456 an der Küste von Boa Vista einen Fuß auf die unbewohnten Inseln. Zwei Jahre später erkundeten die Seefahrer Antonio da Noli und Diogo Gomes den Archipel und entdeckten dabei die restlichen Inseln der östlichen Kapverden. Den Namen erhielt die Inselgruppe nach dem westafrikanischen Cabo Verde, einer Landspitze im heutigen Senegal.

Die Besiedlung der Inseln erfolgte ab 1461 durch portugiesische Einwanderer. Zunächst wurden kleine Militäreinrichtungen auf den Inseln Santiago und Fogo gegründet. Die Gründung eines eigenen Bistums erfolgte im Jahr 1532 und nach der Entsendung eines Gouverneurs wurden die Kapverden offiziell Teil des portugiesischen Kolonialreiches. In Ribiera Grande wurde im Jahr 1495 die erste christliche Kirche errichtet. Der Ortschaft wurde im Jahr 1532 das Stadtrecht verliehen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts begann ein intensiver transatlantischer Sklavenhandel, bei dem die Insel Santiago eine bedeutende Rolle als Sklavenumschlagsplatz spielte. Dadurch wuchs der Wohlstand in der portugiesischen Kolonie, der die Inseln wiederum zum Ziel von Piratenangriffen machte. Die Stadt Ribiera Grande wurde in den Jahren 1582 und 1585 durch den berüchtigten Freibeuter Sir Francis Drake geplündert. Dem prosperierenden Wachstum der Kolonie konnten jedoch weder Dürreperioden noch Piratenüberfälle etwas anhaben. Ab 1620 nahmen die Engländer den Salzhandel auf den Kapverden auf und verschifften Salz von den Inseln Sal und Maio in die Heimat.

In den folgenden Jahrzehnten wurde von den Kapverdischen Inseln aus das westafrikanische Festland missioniert. Im Jahr 1712 wurde bei einem Angriff französischer Truppen die damalige Hauptstadt Ribiera Grande zu großen Teilen zerstört und verlor in der Folge zunehmend an Einfluss und Bedeutung. Im Jahr 1770 wurde Praia auf der Insel Santiago die neue Hauptstadt und Sitz des Generalgouverneurs, da die Stadt wirkungsvoller gegen feindliche Übergriffe zu verteidigen war.

Zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Inseln der Kapverden ein wichtiger Stützpunkt für amerikanische Sklavenhändler und Walfänger. Es setzte eine Emigrationsbewegung auf den amerikanischen Kontinent ein. Noch heute bilden die Nachkommen kapverdischer Auswanderer eine große eigenständige Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Im 18. Jahrhundert wurde der Archipel mehrfach von anhaltenden Dürreperioden heimgesucht, die mit Hungersnöten einhergingen. Tausende Einwohner fielen damals der Nahrungsknappheit zum Opfer.

Neben dem Sklavenhandel entwickelte sich im 18. Jahrhundert die Textilindustrie auf den Kapverden zu einer lukrativen Einkommensquelle. Die von afrikanischen Sklaven eingeführte Webtechnik wurde auf der Inselgruppe verfeinert und die hergestellten Waren wurden begehrte Tauschobjekte. Da der Bevölkerung der offizielle Handel mit Textilien bei Androhung der Todesstrafe untersagt war, entwickelte sich ein schwunghafter Schwarzhandel mit dem afrikanischen Festland. Seinen Höhepunkt erreichte der illegale Handel zwischen den Jahren 1766 und 1776.

Am Beginn des 19. Jahrhunderts begann der wirtschaftliche Niedergang der Kapverdischen Inseln. Intensive Rodungen und Dürreperioden ließen ganze Landstriche veröden und strukturierte Landwirtschaft war aufgrund unvorhersehbarer klimatischer Bedingungen und nährstoffarmer Böden kaum noch möglich. Großgrundbesitzer ließen ihre Sklaven frei und der Anteil von ehemaligen Sklaven an der Gesamtbevölkerung stieg kontinuierlich an. Mit der Aufgabe des Sklavenhandels versanken die Inseln endgültig in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Es folgten große Emigrationswellen, bei denen Tausende Einwohner in die Vereinigten Staaten von Amerika auswanderten. Später wählten zahlreiche Kapverder auch europäische Ziele zur Emigration.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Kolonie unter der Herrschaft der faschistischen Militärdiktatur in Portugal einen kurzen wirtschaftlichen Aufschwung. Im Jahr 1951 erfolgte eine Anbindung der Kapverden an das portugiesische Mutterland, was der Inselgruppe zu einer eingeschränkten Autonomie verhalf. Offiziell war der Archipel damit portugiesische Überseeprovinz und die Einwohner waren den Portugiesen auf dem europäischen Festland formal gleichgestellt.

Ab 1959 formierte sich auf den Kapverden eine Unabhängigkeitsbewegung, die 13 Jahre lang bewaffneten Widerstand gegen die Kolonialmacht leistete. Ziel der Freiheitskämpfer war die Vereinigung mit Guinea-Bissau zu einem gemeinsamen Staat. Mehrfach wurde ab 1973 die Unabhängigkeit von Portugal durch die Partei PAIGC ausgerufen und im Jahr 1975 wurden die Kapverden von zahlreichen Ländern der Erde als eigenständiger Staat anerkannt. Bis zum Jahr 1990 blieb das Land ein Einparteienstaat. Erst durch eine Verfassungsänderung entstand ein Mehrparteiensystem und ein Jahr später fanden die ersten freien Wahlen auf der Inselgruppe statt.

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