Nordgruppe der Kapverden

Die Nordgruppe der Kapverden besteht aus fünf bewohnten Inseln und einigen unbewohnten Eilanden. Die nördliche Inselkette wird als Ilhas do Barlovento bezeichnet, was so viel wie Inseln über dem Wind bedeutet.

Nordgruppe der Kapverden
Nordgruppe der Kapverden

Die Kapverdischen Inseln liegen rund 460 Kilometer vor der westafrikanischen Küste im Atlantischen Ozean und teilen sich in eine nördliche und eine südliche Inselgruppe. Zwischen beiden Inselgruppen befindet sich eine Schiffspassage. Aus diesem Grund werden die nördlichen Eilande als "Inseln über dem Wind" und die südliche Inselgruppe als "Inseln unter dem Wind" bezeichnet. Zur Nordgruppe gehören die bewohnten Inseln Boa Vista, Sal, Santo Antão, São Nicolau und São Vicente sowie die unbewohnten Eilande Branco, Santa Luzia und Raso. Die portugiesische Bezeichnung der nördlichen Inselgruppe lautet Ilhas do Barlovento. Die flächenmäßig größte Insel ist Santo Antão, deren Landmasse eine Fläche von 779 km² bedeckt. Das kleinste Eiland ist die unbewohnte Insel Branco mit einer Fläche von gerade einmal drei Quadratkilometern.

Der gesamte kapverdische Archipel ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung ist der Vulkankrater des Pico do Fogo, der sich bis auf eine Höhe von 2.829 Metern erhebt und sich auf der Insel Fogo in der Südgruppe befindet. Das Klima auf den nördlichen Inseln ist mild-ozeanisch und trocken. Der Nordostpassat bestimmt weitestgehend das Wettergeschehen. Die Tagestemperaturen liegen ganzjährig zwischen 24 und 31 °C und die Wassertemperaturen des Atlantischen Ozeans sinken nicht unter die 21-Grad-Marke. Diese Eigenschaften machen die Kapverdischen Inseln zu einem attraktiven Ganzjahresreiseziel. In der Nordgruppe befinden sich mit Sal und Boa Vista die Inseln mit der am besten ausgebauten touristischen Infrastruktur des kapverdischen Archipels. Mit ihren kilometerlangen Sandstränden sind sie ein klassisches Reiseziel für Badeurlauber und Wassersportler. Die konstanten Windverhältnisse an zahlreichen Stränden schaffen exzellente Voraussetzungen zum Windsurfen und Segeln. Beide Inseln besitzen ein flaches Relief und die einzigen Erhebungen bilden einzelne verwitterte Vulkanschlote im Inselinneren.

Die größte Insel der Nordgruppe ist Santo Antão. Auf dem Eiland leben rund 47.000 Menschen und sie ist die nördlichste Insel des gesamten Archipels. Eine 16 Kilometer breite Meerenge trennt Santo Antão von der Insel São Vicente. Im Gegensatz zu Sal und Boa Vista ist die Landschaft auf der größten Insel der Nordgruppe von zerklüfteten Gebirgslandschaften und tiefen Canyons im nördlichen Bereich geprägt. Im Süden der Insel laufen die Hänge der Vulkan flach aus und die Region ist karg und trocken. Der Norden und Osten der Insel empfängt Sie mit einer subtropischen Vegetation, in der Kokospalmen, Pinien, Zitrusfrüchte und Affenbrotbäume gedeihen. Auf Terrassenfeldern im Gebirge werden auf schwarzem Lavasand Mais, Kaffee, Maniok und Ananas angebaut. Die spektakulären Vulkanlandschaften bestehen aus mächtigen, mehrere Hundert Meter hohen Basaltfelsen. Pinien- und Fichtenwälder bedecken weite Teile der Hochebenen. Die quirlige Hauptstadt von Santo Antão ist Ribeira Grande im Norden der Insel. Die bevölkerungsreichste Ansiedlung ist die Hafenstadt Porto Novo. Sie liegt im trockenen Süden der Insel und es weht konstant ein staubiger Wind.

Südlich von Santo Antão liegt die Insel São Vicente mit ihren 83.000 Einwohnern. Die Insel gehört zu den jüngsten Eilanden des kapverdischen Archipels und wird von drei schroffen Felsmassiven geprägt. Die höchste Erhebung auf São Vicente ist der Tafelberg Monte Verde mit einer Höhe von 750 Metern. Mehr als 80 Prozent aller Einwohner leben in der Inselhauptstadt Mindelo, die sich an der Nordküste befindet. Die Hafenstadt gilt als kulturelles Zentrum der Kapverden und der farbenprächtige Karneval in Mindelo gehört zu den bedeutendsten Events auf der westafrikanischen Inselgruppe. An der Nordwestküste von Santo Antão liegt der geschützte Naturhafen Porto Grande. Bei der Bucht handelt es sich um einen unterseeischen Vulkankrater mit gewaltigen Ausmaßen. Lange Zeit gehörte der Hafen der Inselhauptstadt zu den größten Warenumschlagplätzen im östlichen Atlantik und noch heute besitzt der Naturhafen mit seiner enormen Wassertiefe große wirtschaftliche Bedeutung für die Kapverden. Im Küstenort São Pedro an der Südküste von São Vicente finden Windsurfer exzellente Bedingungen.

Zu den ursprünglichsten Inseln der Nordgruppe gehört das Eiland São Nicolau. Die Insel liegt zwischen Sal und São Vicente auf einem Tiefseesockel. Das vergleichsweise flache Meerbecken zwischen den unbewohnten Inseln Branco und Raso und den bewohnten Eilanden São Nicolau und São Vicente ist überaus fischreich. Die Berglandschaften auf der Insel besitzen Mittelgebirgscharakter und sind hervorragend zum Wandern und Mountainbiken geeignet. Die höchste Erhebung ist der Berg Monte Gordo im fruchtbaren Nordwesten von São Nicolau. Er besitzt eine Höhe von 1.312 Metern und ist ein ebenmäßig geformter Vulkankegel. Während im Inselinneren durch den Wolkenstau der Berge in unregelmäßigen Abstände Regenfälle niedergehen, besitzen die Küstenregionen der Insel einen wüstenartigen Charakter und sind staubig und trocken. Die Hauptstadt von São Nicolau ist Ribeira Brava. Das geschäftige Städtchen liegt mit seinen malerischen pastellfarbenen Häusern vor einer eindrucksvollen Gebirgskulisse.

Eine reizvoll gelegene Straße führt von der Inselhauptstadt bis nach Tarrafal. Auf dem Weg in den Küstenort lohnt ein Abstecher zum sogenannten Blauen Loch. Dabei handelt es sich um ein natürlich entstandenes Felsentor, das von den tosenden Wellen des Atlantischen Ozeans umspült wird. In Taffarel liegt der bedeutendste Hafen von São Nicolau. In dem Küstenort befinden sich einige der wenigen Badestrände der Insel. Nördlich der kleinen Stadt erstreckt sich mit der Praia da Luz ein schwarzer Sandstrand, der aus fein zermalmtem Lavagestein besteht. Der Sand enthält einen hohen Amnteil an Jod und soll bei rheumatischen Beschwerden und Gelenkerkrankungen für Linderung sorgen. Auf São Nicolau leben rund 12.700 Einwohner und die Insel ist ein Wanderparadies. Traumhafte Wanderpfade schlängeln sich durch die rötlich-schwarze Vulkanlandschaft, die hin und wieder von kleinen grünen Tälern unterbrochen wird.

Die größte unbewohnte Insel der Nordgruppe ist Santa Luzia. Die Landfläche erstreckt sich über eine Fläche von 34 km² und misst an der Stelle ihrer längsten Ausdehnung 12 Kilometer. Das Eiland ist von zerklüfteten Felsküsten umgeben und besitzt nur einen lang gestreckten Sandstrand in einer Bucht an der Südwestküste. Einheimische Fischer suchen das fischreiche Gewässer der Meeresbucht regelmäßig zum Fischfang auf und übernachten in primitiven Unterständen. Das Klima auf Santa Luzia ist extrem trocken und die Insel besitzt nur eine karge Vegetation. Das ganze Jahr über herrscht Wassermangel und die letzte kleine Gemeinschaft von Hirten verließ in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts die Insel. Im Jahr 1990 wurde Sata Luzia gemeinsam mit den unbewohnten Inseln Branco und Raso zum Naturschutzgebiet erklärt, das den Schutz der einheimischen Fauna, die aus Seevögeln und einigen wenigen Echsenarten besteht, dauerhaft schützen soll.

Zu den Inseln über dem Wind gehören die unbewohnten Eilande Branco und Raso. Die kleinste Insel Branco besitzt eine ähnliche Oberflächenstruktur wie die Nachbarinsel Santa Luzia und ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung der trockenen Felsinsel erreicht eine Höhe von 327 Metern. Zahlreiche Seevogelarten nutzen Branco als Nistplatz. Neben der Fregattensturmschwalbe sind Sturmtaucher, Kap-Verde-Schleiereulen und Wanderfalken auf dem Eiland heimisch. Einst lebten Kaverdische Riesenskinke auf der Insel, die jedoch seit Beginn des 20. Jahrhunderts als ausgestorben gelten. Noch heute ist die Insel Branco die Heimat des endemischen Riesengeckos. Seit Einrichtung des Naturschutzgebietes erholen sich die Bestände kontinuierlich und liegen heute auf einem konstant hohen Niveau.

Die kleine unbewohnte Insel Raso ist ein trockenes und karges Eiland, das zwischen den Inseln Branco und São Nicolau liegt. Die Insel entstand vor mehr als 120 Millionen Jahren durch Vulkanismus. Die Vulkanschlote und Krater sind durch die Erosion weitestgehend eingeebnet und weite Teile von Raso bestehen aus dunklen, staubbedeckten Ebenen mit einzelnen Felsblöcken und Geröllfeldern. Abgesehen von einer savannenartigen Graslandschaft im Norden gibt es auf der Insel kaum Vegetation. Gemeinsam mit den Inseln Branco und Santa Luzia gehört Raso zu einem Naturschutzgebiet, das im Jahr 1990 eingerichtet wurde. Neben zahlreichen Seevogelarten wird das Eiland hauptsächlich von einigen Geckoarten bevölkert. Letzte Exemplare des Kapverdischen Riesenskinks wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts gesichtet. Die Küsten von Raso sind zerklüftet und stürzen steil in das Meer ab. Sie bieten den einheimischen Seevögeln hervorragende Bedingungen zum Nisten und zur Aufzucht des Nachwuchses.

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