Kenia und seine Geschichte – ein kurzer Überblick

Wissenschaftler vermuten, dass der Beginn der menschlichen Besiedelung im kenianischen Hochland bereits vor zwei Millionen Jahren stattfand, da sie hier frühe Formen von Landwirtschaft und Viehhaltung nachweisen konnten. Ab ungefähr 100 n. Chr. gibt es Belege für den Handel mit Arabien. Die Araber besiedelten vermutlich kenianisches Gebiet, woraus sich in der Folge Stadtstaaten bildeten, wie beispielsweise Mombasa.

Kenia Taita Hills Nationalpark
Kenia Taita Hills Naturschutzgebiet

Auch Niloten und Bantus kamen aus dem Sudan nach Kenia. Um 1500 landeten erstmals Portugiesen an der kenianischen Küste. Rund zweihundert Jahre später wurden sie von hier vertrieben, da zwei arabische Dynastien das Gebiet unter sich aufteilten. Die einen sind fortan in Mombasa beheimatet, die anderen auf Sansibar.

Seit 1887 hielt die Kolonialherrschaft Einzug, wobei der größte Teil Kenias an die Briten fiel und ein weiterer Teil an Deutschland. Unter dieser Herrschaft wurde um 1900 die erste Eisenbahn gebaut. Etwa zur gleichen Zeit ließen sich die ersten Siedler aus Europa im Hochland nieder und auch Inder zogen ins Land. 1920 erfolgte eine Neuordnung, nach der das Inland zur Kolonie Kenia wurde und der etwa 16 Kilometer breite Küstenstreifen zum Protektorat von Kenia. Bis in die 1940er-Jahre waren die europäischen Kolonialherren die Herrscher über Politik und Ackerland, während die Inder sich um den Kleinhandel kümmerten. Die Afrikaner bauten Baumwolle und Kaffee an oder arbeiteten in den Städten.

Um ihrem Status als einfache bäuerliche Arbeiter zu entkommen, begannen die einheimischen Kikuyu in den 1920er-Jahren, sich gegen die britische Kolonialmacht aufzulehnen. Der Höhepunkt dieser Protestbewegung – auch als "Mau-Mau-Aufstand" bezeichnet – war in den 50er-Jahren erreicht. Viele der Führer dieses Aufstandes wurden von den Briten verhaftet. Zwar wurde nach den Kämpfen der Ausnahmezustand ausgerufen und die Zahl der afrikanischen Vertreter in der Regierung erhöht, aber bis zur Unabhängigkeit sollte es noch dauern.

Erst 1964 wurde Kenia zur Republik. Kenyatta, ehemaliger Führer des Aufstands und über einen längeren Zeitraum inhaftiert, wurde erster Präsident des Landes. Die Streitereien der ethnischen Gruppen belasteten jedoch zunächst den jungen Staat. Ebenfalls prägend war das Ende der europäischen Dominanz. Zu Beginn der 60er-Jahre lebten rund 50.000 Europäer in Kenia, doch viele von ihnen verließen das Land freiwillig.

Die 70er-Jahre waren vor allem durch eine große Dürre gekennzeichnet, die es dem jungen Staat erschwerte, ein Wirtschaftswachstum zu erzielen. Die Beziehungen zu den Nachbarländern verschlechterten sich und die politische Opposition wurde immer stärker bekämpft. Nach einem Sturz der Regierung im Nachbarland Uganda flüchteten viele der Betroffenen nach Kenia, was die Beziehungen zwischen den Staaten noch weiter verschlechterte und zu einer Grenzschließung zwischen Uganda und Kenia führte.

1978 starb der erste Präsident Kenias und der Vizepräsident Daniel arap Moi übernahm das Amt. Unter seiner Führung wurde ausländisches Eigentum beschränkt und die Afrikanisierung der Industrie gefördert. Viele Oppositionelle wurden bekämpft und es gab mehrere sogenannte Säuberungsaktionen der Regierung.

Ende der 80er-Jahre kam es schließlich zu Unruhen, die in einer Verfassungsänderung, der Zulassung von Mehrparteien, gipfelten. Präsident Moi ging aus der ersten freien Wahl in Kenia als Sieger hervor, was die Gegner dazu veranlasste, von Wahlfälschung zu sprechen. Es gab Gerüchte über Verletzungen der Menschenrechte, wobei diesbezüglich keine Aufklärung erfolgte. Viele Flüchtlinge kamen in den 90er-Jahren ins Land, als in Somalia Kämpfe ausbrachen. Moi wurde auch 1997 in Kenia als Präsident wiedergewählt.

Die neue Verfassung forderte 2002 eine Wahl, zu der der alte Präsident Moi nicht mehr antreten durfte. Seine Partei, die "Kenya African National", ernannte den Sohn des ersten Präsidenten, Uhuru Kenyatta, zum Kandidaten. Dagegen trat für die Opposition, die "National Rainbow Coalition", Mwai Kibaki an. Dieser ging im Jahr 2002 als Sieger aus der Wahl hervor. In den folgenden Jahren kam es zu Streitigkeiten in der Führungspartei, die schließlich eine Spaltung verursachten. Währenddessen kam es immer wieder zu Unruhen im Land, teils wegen der ungerechten Mietverträge, die die Briten den Massai aufgezwungen hatten, teils wegen Wasser, welches knapp ist.

2005 kam es erneut zu einer Dürre, die zahlreiche Opfer in der Bevölkerung forderte. Die Schuld an den Folgen dieser Dürreperiode wurde der Regierung zugeschrieben, die gegen Lebensmittelknappheit und Wassermangel nichts auszurichten vermocht hatte. In der Folge gab es mehrere Kabinettsumbildungen, Korruptionsskandale und weitere Flüchtlinge aus Somalia. Die letzte Wahl im Jahr 2007 brachte Emilio Mwai Kibaki den Posten des Präsidenten ein und damit der "Partei der nationalen Einheit" einen Wahlerfolg.

TOP