Das Nationalmuseum in Nairobi - ein riesiger Fundus

Das kenianische Nationalmuseum in Nairobi wurde im Jahr 1930 eröffnet und ist das bedeutendste Museum des ostafrikanischen Landes.

Nairobi Stadt
Nairobi Stadt - Sitz des Nationalmuseums

Das Nairobi Nationalmuseum beherbergt neben zahlreichen kulturhistorischen, naturwissenschaftlichen und archäologischen Exponaten einen botanischen Garten und eine Dauerausstellung für zeitgenössische Kunst. Die Gründung des Nationalmuseums in Nairobi geht auf eine Gruppe von Naturforschern zurück, die im Jahr 1910 verschiedene paläontologische Fundstücke zu einer Sammlung zusammenfassten und in einer Ausstellung präsentierten. Die Sammlung wurde im Lauf der Jahre immer umfangreicher und machte ständige Erweiterungen der Ausstellungsfläche notwendig. Im Jahr 1929 beschloss die damalige Kolonialregierung, das Nationalmuseum in der Nähe des Museums Hill anzusiedeln. Am 22. September 1930 wurden die neuen Ausstellungsflächen feierlich unter dem Namen Coryndon Museum eröffnet. Damals wurde das Museum nach dem kenianischen Gouverneur Robert Corydon benannt. Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit Kenias im Jahr 1963 wurde es in "Nationalmuseum of Kenya" umbenannt. Im Jahr 2005 schloss die Ausstellung für drei Jahre ihre Tore für den Besucherverkehr, weil umfangreiche Erweiterungsmaßnahmen geplant waren. Im Juni 2008 erfolgte die Neueröffnung unter der Bezeichnung Nairobi Nationalmuseum.

Das Nationalmuseum in Nairobi ist in vier große Bereiche gegliedert. Neben einer naturwissenschaftlichen und geologischen Abteilung finden Sie einen paläoanthropologischen Bereich und eine Abteilung, die sich mit der jüngeren Geschichte Kenias vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart beschäftigt. Dazu lockt der botanische Garten mit zahlreichen einheimischen Pflanzenarten und einem Naturlehrpfad sowie eine Ausstellung mit zeitgenössischer kenianischer Kunst mit einem Besuch. Die naturwissenschaftliche Abteilung birgt einen riesigen Fundus an Tierpräparaten. Neben einer umfangreichen Käfer- und Schmetterlingssammlung erwarten Sie zahlreiche Vertreter der Vogelwelt Kenias. Die Exponate reichen vom imposanten Fischadler bis zum winzigen Kolibri. Darüber hinaus können Sie ein gewaltiges Wal-Skelett und eine Nachbildung des berühmtesten Elefanten Kenias bewundern. Der Dickhäuter lebte in einer hügeligen Region Nordkenias und besaß gewaltige Stoßzähne, die fast den Boden berührten. Der Elefant stand unter besonderem Schutz und entging dem vorzeitigen Tod durch Wilderer. Er starb im Jahr 1974 im Alter von 60 Jahren eines natürlichen Todes.

Zu den größten Attraktionen des Nairobi Nationalmuseums gehört die paläoanthropologische Abteilung. Hier werden zahlreiche Funde gezeigt, die eindrucksvoll die Entwicklungsgeschichte des Menschen dokumentieren. Viele Fundstücke stammen aus den Ausgrabungen der Forscherfamilie Leaky. Louis Leaky und seine Frau Mary entdeckten bei ihren Grabungen in Ostafrika Millionen Jahre alte Skelette, die als die frühen Vorfahren der heutigen Menschen gelten. Auf den Forscher geht die Entdeckung des sogenannten Turkana-Jungen zurück. Das 1,6 Millionen Jahre alte Skelett wurde am Ufer des Lake Turkana ausgegraben und gilt als ein direkter Vorfahre des Homo erectus. Die Hominiden beherrschten aller Wahrscheinlichkeit nach die Nutzung des Feuers und stellten primitive Werkzeuge her. Zu den Ausstellungsstücken gehören darüber hinaus die Fußabdrücke von Laetoli, die in Tansania entdeckt wurden. Nach Erkenntnissen der Wissenschaft stammen die Spuren vom aufrecht gehenden Australopithecus und sind rund 3,75 Millionen Jahre alt.

Die jüngere Geschichte Kenias wird in einem gesonderten Bereich des Nairobi Nationalmuseums präsentiert. Die umfangreiche Sammlung zeigt Gebrauchsgegenstände der einheimischen Völker sowie Schmuck, Waffen und traditionelle Kleidungsstücke. Die Exponate vermitteln einen realistischen Eindruck von der Lebensweise der Einwohner vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ergänzt wird die Ausstellung durch Porträtmalereien der Künstlerin Joy Adamson, die im Auftrag der britischen Kolonialherren in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Trachten und Lebensweise der einheimischen Volksgruppen in ihren Bildern verewigte. Schnell wird beim Betrachten der Bilder klar, wie tief greifend sich die traditionellen Lebensgewohnheiten der kenianischen Volksgruppen besonders zum Ende der Kolonialherrschaft verändert haben. Nach einem Besuch der Ausstellungsflächen des Nationalmuseums lockt der botanische Garten im Außenbereich mit einem Bummel unter tropischen Gewächsen. Auf einem Naturlehrpfad werden einzelne Gattungen erklärt und Besonderheiten erläutert. Zum Abschluss können Sie in den gastronomischen Einrichtungen des Museums eine Stärkung zu sich nehmen und dem eindrucksvollen Schlangenpark auf der gegenüberliegenden Seite einen Besuch abstatten.

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