Geschichte Marokkos - ein kurzer Überblick

Verschiedene Kulturen haben im Laufe der Jahrtausende ihre Spuren in Marokko hinterlassen und machen das Land zu einem beliebten Reiseziel für Touristen, die sich von der Geschichte und den Einflüssen der verschiedenen Völker verzaubern lassen wollen.

Marokko Geschichte
Marokko Geschichte - Fes in Marokko

Marokkos Geschichte erzählt von kriegerischen Berberstämmen, von Karthagern und römischen Legionären, von Vandalen und arabischen Eroberern, vom deutschen Panthersprung ebenso wie von französischer und spanischer Kolonisierung und seit dem Jahr 1956 von der nicht ganz problemlosen Selbstständigkeit.

Bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. erfolgte die erste Besiedlung der Region. Zu dieser Zeit waren es Berberstämme, die in das Land einwanderten und sich dort niederließen. Das sogenannte Königreich Mauretanien wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. im Landesinneren gegründet, während die Phönizier entlang der Küste wohl schon ab 1200 v. Chr. Handelsniederlassungen errichteten.

Nachdem die Römer 146 v. Chr. die Karthager oder auch Phönizier im Dritten Punischen Krieg besiegt hatten, brachten sie sowohl die Küste als auch das Landesinnere unter ihre Kontrolle und nannten die Provinz Mauretania Tingitana nach der damaligen Hauptstadt Tingis. Bei Tingis handelt es sich um das heutige Tanger. Zum Schutz vor den Berberstämmen, die im Gebirge und in der Sahara ansässig waren, errichteten die neuen Herrscher einen Grenzwall.

Nach dem Untergang des römischen Reichs fielen zunächst die Vandalen und um 700 n. Chr. die Araber ein und trotz heftigen Widerstands der Berber konnte die Bevölkerung in der Folge islamisiert werden. Es gab auch in der Folgezeit permanente Widerstände gegen die Herrschaft der Kalifen. Verschiedene Dynastien ergriffen nacheinander die Macht. 789 kam Mulay Idris auf den Thron und gründete ein islamisches Reich mit der Hauptstadt Fes.

Von 1062 bis 1147 herrschte die Berber-Sekte der Almohaden, deren Reich bis nach Sizilien und Spanien reichte. In den nächsten 150 Jahren machten die Meriniden ihre Hauptstadt Fes zu einem wichtigen Zentrum der Kunst sowie der Wissenschaft, doch ab 1426 gerieten sie immer stärker unter den Druck europäischer Mächte.

Zunächst waren es Spanien und Portugal, später Frankreich, Großbritannien und Deutschland, die ihren Einfluss auch nach Afrika ausweiten wollten und denen Marokko als idealer Startpunkt für ihre Vorhaben erschien. Letztendlich konnten sich Frankreich und Spanien gegen die übrigen europäischen Mächte durchsetzen. Das Deutsche Kaiserreich konnte seine Interessen, trotz eines Besuchs Kaiser Wilhelms II im Jahr 1905 und der Entsendung des Kanonenbootes Panther im Jahr 1911, nicht durchsetzen. Im November 1912 wurde Marokko in die Protektorate Französisch-Marokko und Spanisch-Marokko sowie die Tanger-Zone mit internationalem Status aufgeteilt.

In der Folge wehrten sich die Berber gegen die Fremdherrschaft, bis Spanien und Frankreich 1956 ihre Protektoratsmacht endgültig nicht mehr aufrechterhalten konnten und Marokko in die Unabhängigkeit entließen. Den Kolonialherren gelang es zwar immer wieder, die Berber-Stämme gegeneinander auszuspielen und teilweise auf ihre Seite zu ziehen, die antikolonialen Aufstandsbewegungen konnten aber niemals völlig beseitigt werden. 1914 fügten die Berber unter Moha on Hammon den Franzosen eine schwere Niederlage zu und das Protektorat wäre bereits damals fast gescheitert. 1921 breitete sich ein Aufstand unter Abd al-Karim von der spanischen Zone auch in die französischen Gebiete aus und erst 1926 gelang es den Kolonialmächten mit vereinten Kräften, den Aufstand niederzuschlagen. 1944 konstituierte sich in Marokko die Partei der Unabhängigkeit und in der Folge kam es wieder vermehrt zu Spannungen mit Frankreich. Als die Franzosen 1953 Sultan Mohammed V nach Madagaskar verbannten, löste dies eine Welle der nationalen Empörung in Marokko aus, die schließlich 1956 zum Ende der Kolonialherrschaft führte.

Sultan Mohammed V kehrte aus der madegassischen Verbannung zurück und nahm 1957 den Königstitel an. 1961 folgte ihm sein Sohn Hassan II, der einen prowestlichen Kurs mit starker Anlehnung an Frankreich einschlug und enge Beziehungen zur EWG anstrebte. Nach dessen Tod im Jahr 1999 bestieg sein Sohn Mohammed VI. den Thron. Er bemühte sich, die während der Herrschaft seiner Vorgänger begangenen Menschenrechtsverletzungen aufzuarbeiten und initiierte 2005 ein Programm zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den Slums, nicht zuletzt, um den Einfluss islamistischer Extremisten zurückzudrängen.

Seit 1992 ist Marokko laut Verfassung eine konstitutionelle Monarchie. Der König ernennt den Ministerpräsidenten und die Minister. Die Regierung stützt sich auf die Parlamentsmehrheit, allerdings kann der König das Parlament jederzeit auflösen. Seit 2011 ist Abdelillah Benkirane Ministerpräsident und führt die politischen Geschäfte des Landes.

Marokko ist Mitglied der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga sowie der Welthandelsorganisation WTO. Obwohl das Land ein Gründungsmitglied der Afrikanischen Union ist, hat es sich 1976 wegen der Aufnahme der Arabischen Demokratischen Republik Sahara (Westsahara) aus dieser Organisation zurückgezogen und ist heute somit das einzige afrikanische Land, das nicht Mitglied in der AU ist.

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