Palais el Badiî - steinerne Ruinen eines Palastes

Das Palais el Badiî war einst ein prunkvoller Palast, den Sultan Ahmad al-Mansur im Jahre 1578 in der marokkanischen Stadt Marrakesch errichten ließ und von dem heute nur noch die steinernen Ruinen erhalten sind.

Palais el Badiî
Palais el Badiî - steinerne Ruinen eines Palastes

Zwischen 1578 und 1594 ließ der Saadier-Herrscher Ahmad al-Mansur mit dem Palais el Badiî eine prächtige Palastanlage errichten. Der Palast trug den Namen "Der Unvergleichliche" und diente dem Sultan als Residenz und Regierungssitz. Zur damaligen Zeit war der Bau des mächtigen Schlosses eine architektonische Meisterleistung und die reiche Innenausstattung spiegelte den Machtanspruch und Glanz der herrschenden Dynastie wieder. Finanziert wurde der Palast mit portugiesischem Gold, das dem marokkanischen Herrscher nach der Eroberung von Timbuktu in die Hände fiel. Die Innenräume der prunkvollen Residenz waren mit handbemalten Kacheln ausgestattet und die Böden zierten prächtige Mosaike. Kunstvolle Schnitzereien aus Zedernholz dienten als Schmuck der Decken und Fensterstürze.

Der Prachtbau sollte allerdings nur knapp 100 Jahre existieren. Am Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Palais el Badiî geplündert, als der Almohaden-Herrscher Moulay Ismail seine eigene Residenz in der Königsstadt Meknes errichten ließ. Der Palast in Marrakesch diente fortan als Steinbruch und das Baumaterial wurde zur Errichtung anderer Gebäude in der marokkanischen Metropole verwendet. Heute lassen die Grundmauern aus Lehm nur noch erahnen, welche gewaltigen Ausmaße die ursprüngliche Anlage einmal besessen haben musste. Zu besichtigen sind heute noch der reizvolle Innenhof mit einem Brunnen, alte Mauerreste des einstigen Hauptgebäudes und der ehemalige Kerker, der sich in einem finsteren Gewölbe unter dem Palast befand. Das Gefängnis besteht aus einem tunnelartigen Gang, von dem vier Zellen abgingen. Es wird angenommen, das sich im Palais el Badiî einst etwa 360 Zimmer befunden haben. Der Innenhof misst 110 Meter in der Länge und früher befanden sich an den Außenwänden und im Innenbereich einzelne Pavillons.

Der Hof ist in drei Bereiche entlang der Längsachse unterteilt. Ein großes Wasserbassin mit einer Länge von 90 Metern und einer Breite von 20 Metern liegt im Zentrum des Hofes. Einst war es mit italienischem Marmor ausgeschlagen und mit Goldintarsien verziert. Das Wasserbecken wird von acht Meter breiten Gehwegen flankiert und von Gärten im Norden und im Süden begrenzt. Jeder Garten besitzt eine Grundfläche von 32 × 42 Meter und an den Außenseiten verlaufen weitere Fußwege. Das Bassin befand sich in einer erhöhten Position und diente zur Wasserversorgung der Pflanzen in den Gärten und an den Wegen. Die Architektur des Palastes ist stark von der maurischen Befestigungsanlage Alhambra im spanischen Granada beeinflusst. Die Alhambra wurde zur Mitte des 11. Jahrhunderts während der maurischen Vorherrschaft auf der Iberischen Halbinsel erbaut und gilt bis heute als eindrucksvollstes Beispiel orientalischer Baukunst auf dem europäischen Kontinent.

Reste von emaillierten Terrakotta-Fliesen auf den Wegen im Innenhof des Palais el Badiî vermitteln einen Eindruck vom einstigen Prunk der Anlage. Die Dächer der Pavillons zierten früher grüne Fliesen, die mit floristischen Motiven und geometrischen Figuren bemalt waren. Die roten Lehmwände waren mit Carrara-Marmor verkleidet und zu den verwendeten Materialien im Innenbereich gehörten neben Zedernholz außerdem Elfenbein, Blattgold und weitere Edelhölzer. Alljährlich im Juni findet im Innenhof der Palastanlage ein Folklorefestival statt. Zu diesem Anlass finden sich Musikgruppen, Sänger und Tanzgruppen aus allen Teilen des Landes im Palais el Badiî ein. Besonders stimmungsvoll präsentieren sich die Ruinen in den Abendstunden, wenn die alten Mauern nach Einbruch der Dunkelheit im Glanz der Fackeln erstrahlen. Unweit von der Palastanlage liegt der königliche Palast Dar el-Makhzen, den die Familie des gegenwärtigen marokkanischen Königs als Winterresidenz nutzt. Beide Anlagen sind über eine schmale Gasse miteinander verbunden, in der zahlreiche Händler ihre Waren anbieten. Unter anderem sind an den Ständen Gold- und Silberschmuck, orientalische Wasserpfeifen, glänzende Stoffe und gewebte Teppiche erhältlich.

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