Die Geschichte Namibias

Es wird angenommen, dass die Buschmänner – die auch als San bekannt sind – die ersten Bewohner im Gebiet des heutigen Namibias waren. Ab dem 16. und 17. Jahrhundert wanderten verschiedene Bantu- und Nama-Stämme aus Ost- und Zentralafrika in das Gebiet ein und ließen sich dort dauerhaft nieder.

Im späten 15. Jahrhundert wurde Namibia von den Portugiesen "entdeckt", als diese auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien waren. Sie nahmen das Land im Auftrag des portugiesischen Königs in Besitz und errichteten ein Steinkreuz an der Skelettküste, rund 115 Kilometer nördlich von Swakopmund, an einem Ort, der als "Kreuzkap" bekannt ist. Da sich das trockene Land mit seinen weiten Wüsten jedoch als unwirtlich erwies und die Portugiesen nichts zu holen sahen, kam eine Besiedelung für sie nicht in Frage.

Auch die Niederländer und die Briten, die bereits im heutigen Südafrika siedelten, hatten abgesehen von Walvis Bay kein weiteres Interesse am heutigen Namibia. Walvis Bay war ein strategisch wichtiger Stützpunkt, da es über den einzigen brauchbaren Hafen entlang der Skelettküste und auf dem Weg nach Kapstadt verfügte. Der Ort war dementsprechend umkämpft, aber das restliche Land interessierte weder die Briten noch die Niederländer – sie fanden das Land wie auch die Portugiesen zu unwirtlich und konzentrierten sich auf die Besiedelung des Kaps. So waren die ersten dauerhaften weißen Siedler im heutigen Namibia Missionare, die es als ihren gottgegebenen Auftrag sahen, die "heidnischen" Stämme hier zum wahren Glauben zu bekehren. 1811 errichtete die "London Missionary Society" in Bethanie im Süden des Landes eine erste Kirche – sie ist heute das älteste erhaltene Gebäude in Namibia.

Ende des 19. Jahrhunderts erstand der Bremer Tabakhändler Franz Adolf Lüderitz ein Gebiet an der Küste, nur wenige hundert Kilometer nördlich des heutigen Südafrika, das damals bereits unter britischer Herrschaft stand. Er kaufte es dem hier ansässigen Nama-Stamm ab und benannte die Gegend nach sich selbst; bis heute heißt der dort entstandene Ort Lüderitz. Da Franz Adolf Lüderitz befürchtete, die Briten könnten von Südafrika aus bis hier vordringen und das ganze Gebiet in Besitz nehmen, wandte er sich an Otto von Bismarck mit der Bitte, das Land als deutsches Protektorat zu deklarieren. Bismarck kam diesem Wunsch nach und so "entstand" 1884 "Deutsch-Südwestafrika". Ausgehend von Lüderitz nahmen die Deutschen weitere Teile des Landes ein – gegen den Widerstand der hier ansässigen Völker. Vor allem die Herero und die Nama (welche anfangs aufseiten der Deutschen standen) leisteten erbitterten Widerstand und es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen. Nichtsdestotrotz setzten die Deutschen ihre Besiedelung fort. Als 1908 Diamanten gefunden wurden, lockte dies zahlreiche Europäer an und die deutsche Bevölkerung wuchs drastisch an.

Während des Ersten Weltkriegs annektierte das weiße Südafrika im Auftrag der britischen Krone die deutsche Kolonie und deportierte die deutschen Siedler in Internierungslager in Pretoria und Pietermaritzburg (beide in Südafrika). Mit dem Vertrag von Versailles 1919 wurden Deutschland sämtliche Kolonien abgesprochen, so auch Deutsch-Südwestafrika, und das Gebiet fiel unter die Verwaltung des Völkerbundes. Die deutschen Siedler wurden des Landes verwiesen, aber 1923 räumte man ihnen im Rahmen des Londoner Abkommens ein Bleiberecht ein. Im Zuge der aufkommenden Apartheid in Südafrika wurde auch Namibia in sogenannte "Homelands" eingeteilt – die verschiedenen Territorien wurden den unterschiedlichen schwarzen und farbigen Bevölkerungsgruppen zugewiesen, die dann diese Gegend nicht, beziehungsweise nur mit ausdrücklicher Erlaubnis verlassen durften. Nur die Weißen konnten sich frei im Land bewegen.

Obwohl die Vereinten Nationen bereits in den 1940er-Jahren die Unabhängigkeit Namibias forderten, ignorierten die Südafrikaner diese Forderung. Für sie war Namibia eine Pufferzone gegen die "feindlichen", unter afrikanischer Herrschaft stehenden, Staaten im Norden. Die UNO entzog 1966 den Südafrikanern das völkerrechtliche Mandat über Namibia und die "SWAPO" (Südwestafrikanische Volksorganisation) rief im selben Jahr zum bewaffneten Kampf gegen die weiße Herrschaft auf. Die SWAPO führte bis zur Erlangung der Unabhängigkeit von Angola und Sambia aus einen teilweise blutigen Kampf mit der südafrikanischen Armee. Südafrika war erst 1988 bereit, seine Herrschaft über Namibia aufzugeben und so fanden 1989 die ersten freien Wahlen statt, die von der SWAPO gewonnen wurden. Am 21. März 1990 wurde die Verfassung verabschiedet; dieser Tag kennzeichnet gleichzeitig auch die Erlangung der vollständigen Unabhängigkeit.

Das heutige Namibia gilt als vorbildlich – nicht nur, was seinen unblutigen Übergang zu einer demokratischen Republik anbelangt. Auch die Wirtschaft und das soziale Gleichgewicht sind hier wesentlich stabiler als in vielen anderen Staaten.

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