Die Olduvai Schlucht - die "Wiege der Menschheit"

Die Olduvai Schlucht im Norden Tansanias gilt gemeinsam mit zwei weiteren Fundplätzen in Afrika als die "Wiege der Menschheit". Der Canyon gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Olduvai Schlucht am Rande der Serengeti
Olduvai Schlucht am Rande der Serengeti - die Wiege der Menschheit

Die Olduvai Schlucht zieht sich am Rand der Serengeti im Norden Tansanias entlang. Der rund 50 Kilometer lange und bis zu 100 Meter tiefe Canyon ist ein Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Bei diesem Grabenbruch handelt es sich um eine Verwerfung in der Erdkruste, die einige der höchsten Berge und tiefsten Seen des afrikanischen Kontinents entstehen ließ. Über die Olduvai Schlucht erfolgt die natürliche Entwässerung der östlichen Serengeti und der umliegenden Höhen des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Der Ngorogoro Krater befindet sich in einer Entfernung von rund einer Autostunde. Die Schlucht wurde weltweit bekannt durch spektakuläre Funde prähistorischer Fossilien, die zu den ältesten der Menschheitsgeschichte gehören. Aus diesem Grund wird die Olduvai Schlucht gemeinsam mit Fundplätzen in Gauteng in Südafrika und dem Afra-Dreieck in Äthiopien als die "Wiege der Menschheit" bezeichnet.

Die Entdeckungen wurden aufgrund einer geologischen Besonderheit im Bereich der Olduvai Schlucht möglich. Das ablaufende Regenwasser formte in Jahrmillionen den Canyon. Bei diesem Vorgang wurde die gesamte Oberfläche im Bereich des Canyons sukzessive abgetragen und die darunter liegenden Erdschichten kamen zum Vorschein. Versteinerte Überreste von Tieren und prähistorische Werkzeuge menschlicher Vorfahren, die seit Millionen von Jahren in der Erde geruht hatten, wurden nach und nach freigelegt. Noch heute liegen versteinerte Tierknochen an zahlreichen Stellen in der Schlucht direkt an der Oberfläche. Die Entdeckung der ersten Fossilien datiert auf das Jahr 1911. Damals betrat der Deutsche Wilhelm Kattwinkel als erster Europäer die Schlucht und stieß auf die Überreste eines dreizehigen Urpferdes, das längst ausgestorben war. Der deutsche Forscher Hans Reck folgte den Spuren Wilhelm Kattwinkels im Jahr 1913 und entdeckte die fossilen Überreste eines menschlichen Skelettes, das später als Homo sapiens klassifiziert und auf ein Alter von rund 20.000 Jahren datiert wurde.

Die sensationellen Entdeckungen sollten jedoch dem britischstämmigen Paläoanthropologen Louis Leaky und seiner Frau Mary vorbehalten bleiben. Ab 1931 hielt sich das Ehepaar gemeinsam mit seinem Sohn Jonathan regelmäßig in der Olduvai Schlucht auf. Bereits beim ersten Besuch gelangen ihnen Funde von primitiven, prähistorischen Steinwerkzeugen. Die Sensation gelang, als die Forscherfamilie im Jahr 1959 Fragmente eines Schädels des später als Australopithecus boisei bezeichneten Vorfahren der Menschen entdeckte. Das Alter der versteinerten Skelettteile wurde auf 1,75 Millionen Jahre datiert. Im Jahr 1976 gelang der Frau des Anthropologen, Mary Leaky, der Fund eines fossilen Skeletts, das ein Alter von 3,5 Millionen Jahre besaß. Darüber hinaus fand sie in den Ablagerungen ehemaliger Vulkanasche Spuren, die die menschlichen Vorfahren hinterlassen hatten. Obwohl die als Australopithecus afarensis bezeichneten Hominiden nur 1,20-1,40 Meter groß waren, liefen sie bereits aufrecht. Neben diesen Funden fanden die Forscher zahlreiche fossile Tierknochen. Unter anderem wurden riesige Verwandte der heute lebenden Schweine und Schafe identifiziert.

Im Rahmen einer Safari im Nationalpark Serengeti und auf Rundreisen durch Tansania haben Sie die Gelegenheit, der Olduvai Schlucht einen Besuch abzustatten. Ein kleines Besucherzentrum wurde unweit der bedeutendsten Fundorte im Canyon eingerichtet. Dort werden Sie über die wichtigsten Entdeckungen und zeitlichen Zusammenhänge informiert. Es werden Wanderungen durch die Schlucht arrangiert, die jedoch von der Gebietsverwaltung genehmigt werden müssen und ausschließlich unter Begleitung eines autorisierten Guides stattfinden. Auf diesen Ausflügen und im Besucherzentrum können Sie zahlreiche versteinerte Fossilien längst ausgestorbener Tiere bewundern. Einige von ihnen sind mehr als zwei Millionen Jahre alt. Selbstverständlich ist es streng verboten, die prähistorischen Knochen zu berühren oder gar mitzunehmen. In der Nähe des Canyons befindet sich das Olduvai Camp, das häufig als Ausgangspunkt für geführte Wanderungen in die Region dient. Es wurde 1990 eröffnet und bietet mit seinen 17 Zelten eine komfortable Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe der Olduvai Schlucht.

TOP