Tunesien und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Die ältesten Siedlungsspuren in Tunesien reichen zurück bis in die Altsteinzeit. Archäologen fanden an der Mittelmeerküste menschliche Skelette und Werkzeuge, deren Alter auf 15.000 Jahre datiert wurde.

Tunesien und seine Geschichte
Tunesien und seine Geschichte

Prägend für die Geschichte Tunesiens war das Entstehen der Sahara während der Jungsteinzeit vor rund 12.000 Jahren. Damals wanderten Berber in Nordafrika ein und später wurden Kontakte zu den Phöniziern geknüpft. Das antike Seefahrervolk übte jahrhundertelang eine Vormachtstellung im Mittelmeerraum aus und nach der Besiedlung Tunesiens gründeten sie auf dem Boden Tunesiens das karthagische Reich.

Die ältesten schriftlichen Aufzeichnungen in Tunesien belegen die Gründung einer Handelsniederlassung mit dem Namen Utica durch die Phönizier im Jahr 1101 v. Chr. Rund 300 Jahre später wurde die Stadt Karthago an der Mittelmeerküste gegründet, die innerhalb der folgenden 150 Jahre zur bedeutendsten Macht im Mittelmeerraum aufstieg. In der Antike rückte die wohlhabende Stadt ins Blickfeld des jungen Römischen Reiches. Es kam zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die in den drei Punischen Kriegen ihren Höhepunkt fanden. Zu den legendären Überlieferungen dieser Epoche gehört die Alpenüberquerung des karthagischen Feldherrn Hannibal mit 50.000 Soldaten und 37 Kriegselefanten im Rahmen des Zweiten Punischen Krieges. Er dauerte von 218-201 v. Chr. und endete mit einer Niederlage Hannibals.

Während des Dritten Punischen Krieges wurde Karthago zwischen 149 und 146 v. Chr. drei Jahre von römischen Truppen belagert und schließlich zerstört. Das heutige Staatsgebiet Tunesiens wurde in die römische Provinz Africa eingegliedert und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Getreide- und Nahrungsmittellieferanten der antiken Großmacht. Die Ruinen zahlreicher römischer Siedlungen in Dougga, Bulla Regia und Sbeitla zeugen noch heute von der einstigen wirtschaftlichen Bedeutung dieser Region.

Nach dem Zusammenbruch der Weströmischen Reiches drangen die Vandalen bis nach Nordafrika vor und eroberten im Jahr 439 n. Chr. Karthago. Damals hatte der christliche Glaube die heidnischen Einflüsse weitestgehend zurückgedrängt. Das Königreich der Vandalen bestand rund ein Jahrhundert lang, bevor der oströmische Kaiser Justinian I. mit seinen Truppen einfiel und den Vandalen in der Schlacht bei Tricamarum eine vernichtende Niederlage zufügte. Zur Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr. erfolgten die ersten Vorstöße von Arabern in das Gebiet des heutigen Tunesiens. Im Jahr 698 n. Chr. wurde Karthago endgültig erobert und die Araber begannen, ihren Herrschaftsbereich in das Landesinnere auszudehnen. In der Folge konvertierten die meisten ansässigen Berber zum Islam.

Im 12. Jahrhundert erlebte Tunesien unter der Herrscherdynastie der Almohaden eine wirtschaftliche Blütezeit und es entstanden große Städte mit prachtvollen Moscheen. Anschließend übernahm die Dynastie der Hafsiden die Regentschaft in Tunesien. Tunis hatte sich dank des Seehandels mit verschiedenen Mittelmeer-Anrainerstaaten zu einer Handelsmacht entwickelt und wurde zur Hauptstadt des Hafsiden-Reiches. Bis zum Jahr 1574 stand Tunesien unter der Kontrolle der tunesischen Herrscherdynastie.

In diesem Jahr eroberten die Osmanen nach mehreren vergeblichen Anläufen Tunis und gliederten Tunesien als eigenständige Provinz in das Osmanische Reich ein. Im Jahr 1705 wurde die Dynastie der Husainiden gegründet, unter denen das nordafrikanische Land weitestgehende Unabhängigkeit von der osmanischen Zentralmacht erlangte. Zwischen 1837 und 1855 regierte der türkische Herrscher Ahmad I. al-Husain das Land und setzte bedeutende Reformen durch. Unter ihm wurde die Sklaverei abgeschafft und eine Verfassung verabschiedet.

Im Jahr 1869 musste Tunesien durch die ruinöse Politik der folgenden Herrscher den Staatsbankrott erklären und das nordafrikanische Land rückte aufgrund seiner strategisch bedeutsamen Lage in den Fokus Italiens und Frankreichs. Beide Länder versuchten, ihren Machtbereich auf Tunesien auszudehnen. Im Frühjahr des Jahres 1881 drangen französische Truppen bis nach Tunis vor und eroberten die Stadt innerhalb weniger Wochen. Zwei Jahre später wurde das französische Protektorat errichtet und das Land wurde in das französische Kolonialreich eingegliedert.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts regte sich in der Bevölkerung zunehmend Widerstand gegen die Kolonialherren, der in blutige Auseinandersetzungen mündete. Im Zweiten Weltkrieg kam es im Jahr 1943 im Rahmen des Tunesien-Feldzuges zu einer Schlacht zwischen den deutsch-italienischen Achsenmächten und den Alliierten, die mit einer bedingungslosen Kapitulation der Achsenmächte endete. Seine Unabhängigkeit erlangte Tunesien am 20. März 1956 und ein Jahr später wurde das Land eine Republik.

Im Jahr 1987 gelangte Ministerpräsident Zine el-Abidine Ben Ali durch die Absetzung seines Vorgängers an die Macht. Er bekämpfte den erstarkenden radikalen Islamismus und ließ zu Beginn der 90er Jahre zahlreiche militante Oppositionelle verhaften. In der Folge kam es zu massiven Einschränkungen der Bürgerrechte und im Jahr 2009 waren unter der Herrschaft Ben Alis Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit weitestgehend eingeschränkt. Im Januar 2011 leitete der Sturz des Herrschers die sogenannte Jasminrevolution ein und im Oktober des gleichen Jahres fanden die ersten freien Wahlen in Tunesien statt.

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