Kairouan - eine der vier heiligen Stätten des Islam

Kairouan ist eine tunesische Großstadt im Landesinneren, die zu den vier heiligen Stätten des Islam gehört und deren historische Altstadt im Jahr 1988 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.

Kairouan
Kairouan - eine der vier heiligen Stätten

Kairouan ist eine Stadt mit großer historischer Bedeutung. Die Gründung erfolgte in der Mitte des 7. Jahrhunderts von arabischen Stämmen. Ein Jahrhundert später hatte sich Kairouan zu einem nordafrikanischen Zentrum der arabischen Kultur entwickelt. Im 10. Jahrhundert war die Stadt zu einer der größten menschlichen Ansiedlungen geworden und zählte rund 100.000 Einwohner. Eine Zeit der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte erlebte die Stadt zu Beginn des 11. Jahrhunderts unter der Ziriden-Dynastie. Nach der Zerstörung von Kairouan durch Beduinenstämme im Jahr 1054 zogen sich die islamischen Gelehrten aus der Stadt zurück und Kairouan verlor zunehmend an Einfluss und Bedeutung. Noch heute zeugen bedeutende Bauwerke aus dem Mittelalter von der einstigen Pracht der Großstadt und die UNESCO erklärte im Jahr 1988 die gesamte als Medina bezeichnete Altstadt zum Weltkulturerbe.

Der historische Stadtkern der 117.000 Einwohner zählenden Metropole ist von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben, hinter der sich eindrucksvolle Moscheen und zahlreiche historische Bauwerke verbergen. Wahrzeichen von Kairouan ist die Große Moschee mit dem Namen Djamaa Sidi Oqba , deren Grundmauern aus dem 7. Jahrhundert stammen. Sie ist das älteste islamische Gotteshaus in Nordafrika und ihre Architektur wurde zum Vorbild für den Bau zahlreicher islamischer Sakralbauten. Das Gebäude erinnert mit seinen wuchtigen Mauern eher an ein Verteidigungsbauwerk als an eine Moschee. Charakteristisches Merkmal ist das dreistöckige Minarett, das mit seiner Architektur an einen antiken Wehrturm erinnert. Die erste Stufe des Gebetsturmes wurde zwischen 724 und 743 erbaut. Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde die Große Moschee erweitert und ausgebaut. Besonders eindrucksvoll ist der mit Marmor gepflasterte Innenhof, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde und die elfstufige Gebetskanzel im Innenbereich. An den Seitenwänden befinden sich kunstvolle Schnitzereien aus dem 9. Jahrhundert.

Zu den schönsten Bauwerken des islamischen Kulturkreises zählt die sogenannte Drei-Tore-Moschee mit ihrer prächtigen Frontfassade. Sie besitzt eine Höhe von sieben Metern und ist mit religiösen Inschriften verziert. Die Moschee ließ ein reicher Kaufmann im 9. Jahrhundert erbauen und sie liegt zwischen der südlichen Stadtmauer und dem Markt der Wollhändler. Außerhalb der Stadtmauer befindet sich mit der sogenannten Barbiermoschee ein weiteres religiöses Bauwerk, in dem ein Gefährte Mohammeds verehrt wird. Der Überlieferung zufolge soll hier ein enger Vertrauter des Propheten begraben sein, der bei seinem Tod drei Barthaare Mohammeds bei sich trug. Heute ist in dem Bau eine Koranschule untergebracht. Das Grabmal erreichen Sie über einen reichlich verzierten Korridor, der deutliche Züge osmanischer Architektur trägt. Das Grab wurde zwischen 1681 und 1685 zur Zeit der osmanischen Vorherrschaft in Nordafrika errichtet, wie eine Inschrift dokumentiert.

Kairouan besitzt zahlreiche orientalische Märkte, die zum Teil seit ihrer Gründung im 8. Jahrhundert an den gleichen Orten im Stadtgebiet existieren. Die meisten Basare befanden sich in der Umgebung der Großen Moschee und die angebotenen Waren waren nach Zünften thematisch geordnet. Eine traditionelle orientalische Basarstimmung erwartet Sie heute auf dem zentralen Marktplatz und in den angrenzenden überdachten Gassen. Dort sind die Bereiche der Teppichhändler, der Stofffärber, der Stickereien und der Keramikmacher noch in der Gegenwart räumlich voneinander getrennt. Kairouan ist ein tunesisches Zentrum der Teppichknüpferei. Die Handwerker verfügen über großes Geschick in der Herstellung kunstvoller Teppiche und im Teppichmuseum der Stadt können Sie Knüpfarbeiten aus mehreren Jahrhunderten bewundern. Eine umfangreiche Sammlung handschriftlicher Aufzeichnungen aus dem Mittelalter wird in der Moscheebibliothek von Kairouan aufbewahrt. Einige Pergamentrollen gehören zu den ältesten Schriftstücken der Rechtssprechung im Islam. Im Museum können Sie einige wertvolle Handschriften bewundern. Darunter befinden sich auch Fragmente des Blauen Koran aus dem 11. Jahrhundert.

TOP