Sidi Bou Said - malerisches Künstlerdorf

Sidi Bou Said ist ein malerisches Künstlerdorf unweit von Tunis, das mit seinen leuchtend weiß getünchten Häusern im maurischen Stil bekannte Maler zu ihren Kunstwerken inspirierte.

Sidi Bou Said
Sidi Bou Said - malerisches Künstlerdorf

Sidi Bou Said liegt rund 20 Kilometer von der tunesischen Hauptstadt entfernt am Golf von Tunis. In der Nähe des rund 5.000 Einwohner zählenden Küstendorfes befinden sich die Ruinen der antiken Stadt Karthago, die von den Römern im Jahr 146 v. Chr. im Rahmen des Dritten Punischen Krieges zerstört wurde. In Sidi Bou Said lebten im Mittelalter Einsiedler und im Jahr 1207 ließ sich der Begründer der islamischen Strömung des Sufismus, Abou Saïd Khalafa ben Yahia, in dem Ort nieder. Seit seiner Heiligsprechung wird der Hügel, an dem sich die Häuser von Sidi Bou Said hinaufziehen, als heiliger Ort verehrt. Die Architektur des Küstendorfes ist maurisch geprägt und die meisten Gebäude stammen aus dem 16. Jahrhundert.

Der anglo-französische Maler Rodolphe d’Erlanger ließ sich im Jahr 1912 in Sidi Bou Said nieder und ließ einen prächtigen Palast in dem damaligen Fischerdorf errichten. Auf seine Bemühungen hin wurde der Küstenort im Jahr 1915 unter Denkmalschutz gestellt und entwickelte sich in der Folge zum Treffpunkt für Maler, Schriftsteller und Künstler aus Europa. Rodolphe d’Erlanger organisierte Künstlertreffen und Musikveranstaltungen. Zu den bekanntesten Malern, die eine Zeit ihres Lebens in Sidi Bou Said verbrachten, gehörten Paul Klee und August Macke. Sie ließen sich vom orientalischen Flair, den kontrastreichen Farben und den blendend weißen Häusern des tunesischen Küstenortes inspirieren und schufen bedeutende Kunstwerke in Sidi Bou Said. Als Rodolphe d’Erlanger im Jahr 1932 starb, vermachte er seinen Palast und sein gesamtes kulturelles Vermächtnis dem tunesischen Staat. Das Küstendorf am Golf von Tunis hat sich mit seinem malerischen Ortsbild zu einer Touristenattraktion entwickelt. In der Hauptsaison herrscht vor allem am Wochenende in den Gassen von Sidi Bou Said Hochbetrieb. Eine deutlich entspanntere Atmosphäre erwartet Sie unterhalb der Woche zwischen Montag und Donnerstag.

Die Häuser von Sidi Bou Said wurden terrassenförmig am gleichnamigen Hügel erbaut und schmale Gassen winden sich zwischen den schneeweiß getünchten Fassaden den Hügel hinauf. Die romantischen Innenhöfe sind mit mediterranen Pflanzen bestückt und bilden mit historischen Brunnen und reizvollen Wasserspielen eine Oase des Friedens hinter den weißen Mauern. Vom Innenhof der meisten Gebäude führen Gänge in das Innere der flachen Häuser, die mit leuchtend blauen Türen und Gittern verschlossen sind. Für faszinierende Farbkontraste sorgen die fuchsiafarbenen Blüten der Bougainvillea. Kleine Cafés drängen sich am zentralen Marktplatz von Sidi Bou Said, der als Souk bezeichnet wird, aneinander. Hier haben Sie die Gelegenheit, den süßlich herben Minztee zu probieren und einen Zug aus der berühmten Wasserpfeife Shisha zu nehmen. Eine fantastische Aussicht auf die glitzernde Wasseroberfläche der Bucht von Tunis haben Sie vom höher gelegenen Sidi Chebaane. Den Ortsteil erreichen Sie zu Fuß über die verwinkelten Gassen.

Das berühmteste Café in Sidi Bou Said ist das "Café des Nattes", das der deutsche Maler August Macke auf einem Aquarell verewigte. In diesem typisch maurischen Kaffeehaus können Sie die traditionelle Wasserpfeife probieren. Der Palast von Rodolphe d’Erlanger wurde nach seinem Tod umgetauft und trägt heute den Namen Ennejma Ezzahra. In dem Gebäude ist ein Museum mit historischen Musikinstrumenten untergebracht und das Haus hat sich zu einem tunesischen Musikzentrum entwickelt. Sehenswert sich die orientalischen Gärten im Außenbereich und die eindrucksvolle Architektur des Gebäudes. In den Abendstunden lockt der Fischer- und Jachthafen von Sidi Bou Said mit einem Besuch. Auf dem türkisfarbenen Wasser schaukeln die weißen Rümpfe moderner Segel- und Motorjachten auf den sanften Wellen und Fischerboote liegen sicher vertäut an der Hafenmauer. Das Dorf ist heute ein Künstlertreffpunkt an der tunesischen Mittelmeerküste und zieht Maler, Autoren und Musiker aus allen Landesteilen an.

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