Indien und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Indien kann auf eine jahrtausendealte, traditionsreiche Vergangenheit zurückblicken. Funde aus den verschiedenen Stadien der Steinzeit belegen, dass das Land bereits in der Frühzeit gebietsweise besiedelt war und durch Ackerbau und Viehhaltung bewirtschaftet wurde.

Indien
Indien und seine traditionsreiche Geschichte

In die Jungsteinzeit, vor circa 5000 Jahren, fällt auch die Entwicklung der Indus-Kultur, eine der drei ältesten bekannten städtischen Zivilisationen der Welt. Wie bei einigen anderen Hochkulturen kann auch das Verschwinden der Indus-Kultur ab etwa 1900 v. Chr. nicht hinreichend erklärt werden. Forscher gehen allerdings davon aus, dass um 1500 v. Chr. arische Stämme in das Gebiet der Indus-Kultur gelangten, ihre vedische Kultur verbreiteten und sich mit den dortigen Bewohnern vermischten. Diese Vereinigung förderte die Entwicklung der klassischen indischen Kultur und hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Hinduismus.

Zusammen mit dem Buddhismus, der sich ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entfaltete, war der Hinduismus mehr als 1000 Jahre lang die führende Religion des alten Indiens. Daneben entwickelte sich im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. mit dem Jainismus eine dritte Religion.

Der Jainismus hat ebenso wie der Buddhismus seine Wurzeln im Brahmanismus, der Vorgängerreligion des Hinduismus. Er beruht auf den asketischen Lehren seiner geistigen Führer, die als Tirthankara (Furtbereiter) bezeichnet werden, und besagt im Wesentlichen, dass sich zwei unterschiedlich geprägte Zeitalter in einem ewig andauernden Rhythmus abwechseln und die Welt daher entweder von geistigem Verfall oder wachsendenden menschlichen Tugenden und spirituellen Fähigkeiten beeinflusst wird.

Um 321 v. Chr. schuf der indische Herrscher Chandragupta Maurya die Grundlagen für das erste indische Großreich und begründete die Maurya-Dynastie. Im Verlauf der folgenden Jahrhunderte dehnten sich die Grenzen des Landes immer mehr aus, wobei verschiedene Königreiche und Dynastien entstanden, deren Herrscher sich um die Verbreitung ihrer Kulturen und Religionen bemühten. Auch das frühe indische Mittelalter war von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt. Allerdings konnte kein Königreich durchschlagende militärische Erfolge vorweisen, da die jeweiligen Machtbereiche kaum über ihre Zentralverwaltungen hinausreichten und ihr Einfluss dementsprechend schwach war.

Die überwiegend auf dem Land heimische Bevölkerung bestand aus autarken Dorfgemeinschaften und war daher wirtschaftlich nicht an die Hauptstädte gebunden, musste aber Steuern abgeben. Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. nahm die Verbreitung der buddhistischen Religion immer mehr ab, was darauf zurückzuführen ist, dass sie sich vornehmlich auf die oberen Gesellschaftsschichten beschränkte. Im Zuge der schwindenden Macht der Herrscher konnte sich so der im Volk dominierende Brahmanismus etablieren.

Nach der Zeitenwende verbreiteten sich in Indien eine Reihe weiterer Religionsgemeinschaften. Die bedeutendste unter ihnen war der Islam, dessen Vertreter vom materiellen Reichtum Indiens angelockt worden waren. Seit dem 13. Jahrhundert stand ein großer Teil des nördlichen Subkontinents unter islamischer Führung, die erst im 19. Jahrhundert durch die Briten beendet wurde. So erklärt sich der hohe Anteil an Muslimen in der indischen Bevölkerung.

Kurz vor dem Zusammenbruch des letzten islamischen Großreichs auf indischem Boden, auch als Mogul-Reich bekannt, eroberten europäische Mächte nach und nach das Land. Den Briten kommt hier eine besondere Rolle zu, denn sie verstanden es, die indischen Staaten gegeneinander auszuspielen, um so zu den letzten Fremdherrschern Indiens zu werden. Der erste Widerstand der Inder gegen die britische Herrschaft fiel in das Jahr 1857, wurde jedoch blutig niedergeschlagen und bedeutete das endgültige Ende des Mogul-Reichs. So blieb Indien vorerst ein Teil des British Commonwealth unter König George VI. Erst 90 Jahre später erreichte der von Mahatma Gandhi angeführte gewaltfreie Widerstand gegen die britische Herrschaft einen tiefgreifenden politischen Umbruch und am 14. August 1947 erlangte zunächst das bis dahin zu Britisch-Indien gehörende Pakistan seine Unabhängigkeit und einen Tag darauf auch Indien.

Seit dem 26. Januar 1950 ist Indien eine parlamentarische Demokratie und gilt seither als die größte Demokratie der Welt. Aktuell ist das Land mit vielen innen- und außenpolitischen Spannungen belastet, die unter anderem in der Überbevölkerung, der großen Armut in den vielen Slums und den Konflikten zwischen religiösen Minderheiten bestehen. Der Bundesstaat Kashmir leidet außerdem bis heute unter dem seit 1965 bestehenden Grenzkonflikt zwischen Indien und Pakistan.

Gleichzeitig erlebt Indien aber auch einen wirtschaftlichen Aufschwung, der sich vor allem in der IT-Branche zeigt. In den Metropolen wirkt er sich auch auf das kulturelle und gesellschaftliche Leben aus, was in der Entwicklung eines städtischen Nachtlebens, der größten Filmindustrie der Welt, Bollywood, und einer eigenen Jugendkultur ersichtlich wird.

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