Indonesien und seine Geschichte – ein Überblick

Der indonesische Archipel kann auf eine lange und turbulente Geschichte zurückblicken, die vor mehr als 500.000 Jahren mit den ersten Besiedelungen durch den Java-Menschen auf der gleichnamigen Insel Java ihren Anfang nahm.

Indonesien Geschichte
Indonesien Geschichte - Tempelanlage auf Bali

In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung begann die hinduistisch-buddhistische Epoche Indonesiens. Die beiden Religionen beeinflussten Weltbild, Kunst, Architektur und Politik der damaligen Bevölkerung entscheidend. Der aus Indien kommende Buddhismus bewirkte die Begründung fester Machtstrukturen, wurde aber nicht zum Herrschaftsmonopol des Landes, sondern passte sich in einem langen Prozess eher den Bedürfnissen der Bevölkerung an.

Bis etwa 1500 war das Inselreich von vielen verschiedenen Zivilisationen bevölkert. Sie gründeten Groß- und Königreiche und expandierten, bevor sie aus verschiedenen Gründen wieder untergingen. Das letzte indisierte Großreich, das Majapahit-Imperium, entstand Ende des 13. Jahrhunderts unter Raden Wijaya und konnte sich bis Anfang des 15. Jahrhunderts halten, brach dann aber unter dem Ansturm der islamischen Expansion zusammen.

Im Zuge der Islamisierung, die sich von der Malaiischen Halbinsel bis zu den südphilippinischen Inseln erstreckte, entstanden muslimische Staaten, in denen sich indische und muslimische Elemente vermischten. Der Siegeszug des Islam war nicht mehr aufzuhalten; allein Bali und die kaum zugänglichen Binnenräume einiger anderer Inseln blieben weitgehend unberührt. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass die Bekehrung zum neuen Glauben im Volk vielerorts nur formalen Charakter hatte und weiterhin der hindu-javanische Kult in weiten Teilen praktiziert wurde. Zu einer verbreiteten und praktizierten Religion wurde der Islam erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kamen Spanier und Portugiesen in das Land, um einerseits die Vormachtstellung der Muslime zu beenden und die Bevölkerung zum römisch-katholischen Glauben zu bekehren und um andererseits den Gewürzhandel zu übernehmen. Doch sie konnten sich gegenüber den bereits im Land ansässigen Niederländern nicht behaupten, die aus Java eine der ersten holländischen Kolonien machten.

In der Zeit der napoleonischen Kriege wurde Niederländisch-Indien kurzzeitig von den Briten eingenommen, doch 1816 war das britische Intermezzo bereits wieder beendet und die Niederlande erhielten ihre Kolonie zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die Niederländer zwar schließlich die politische Kontrolle über den ganzen Archipel, jedoch entwickelte das indonesische Volk in den kommenden Jahren einen ausgeprägten Nationalismus und den Wunsch nach Unabhängigkeit, den sie in Form von Streiks und Protestaktionen zum Ausdruck brachten.

Die lange Zeit der niederländischen Kolonialherrschaft endete schließlich, als im Frühjahr 1942 die japanische Armee begann, Niederländisch-Indien zu besetzen. Das Interesse der Japaner galt dabei den Rohstoffen des Landes und einer Verbesserung ihrer strategischen Position. Bereits ein Jahr später, im März 1943, erklärte sich Indonesien für unabhängig und Japan musste kapitulieren. Der Wirkungsbereich der Republik Indonesien beschränkte sich zunächst auf Java, Sumatra und Madura, da die übrigen Inseln noch unter niederländischer Kontrolle standen. Im Niederländisch-Indonesischen Krieg von 1947/48 konnten die Holländer sich zwar behaupten, doch der Kolonialkrieg geriet zunehmend in die Kritik der Weltöffentlichkeit, sodass die Niederlande sich nach zähen Verhandlungen am 27. Dezember 1949 gezwungen sahen, die Vereinigten Staaten von Indonesien anzuerkennen. Lediglich Westneuguinea blieb ihnen vorerst erhalten.

1957 verkündete der erste Präsident Indonesiens, Achmed Sukarno, das Konzept der "Gelenkten Demokratie". Er wurde aber am 30. September 1965 entmachtet und unter Arrest gestellt. Sein Nachfolger, General Suharto, übernahm 1966 die Macht in Indonesien und wurde sechsmal wiedergewählt, bevor er am 21. Mai 1998 zurücktrat und der Politiker Bacharuddin Jusuf Habibie als dritter Präsident sein Amt übernahm. Er fand in der indonesischen Bevölkerung jedoch wenig Rückhalt und verzichtete 1999 freiwillig auf eine weitere Kandidatur.

Als sein Nachfolger wurde 2000 der gemäßigte Muslimführer Abdurrahman Wahid gewählt, ein Jahr später allerdings durch die Tochter Sukarnos, Megawati Sukarnoputri, ersetzt. Ihr gelang es jedoch nicht, das Land politisch zu stabilisieren und die wirtschaftlichen Probleme in den Griff zu bekommen. In den ersten direkten Präsidentschaftswahlen Indonesiens am 5. Oktober 2004 behauptete sich der ehemalige General Susilo Bambang Yudhoyono. Er sagte der Korruption entschlossen den Kampf an und schaffte es, das Land relativ unbeschadet durch die Weltwirtschaftskrise zu steuern.

Die heutige Politik der Republik Indonesien basiert auf einer nationalen Ideologie und der Verfassung, die Pancasila genannt wird. Die Grundsätze der Pancasila dienen als wichtiges politisches Instrument zur Bewahrung der gesellschaftlichen Harmonie und der nationalen Einheit in diesem Vielvölkerstaat.

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