Der Borobudur Tempel - ein buddhistisches Heiligtum

Der Borobudur Tempel auf der indonesischen Insel Java gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO und zählt zu den bedeutendsten buddhistischen Heiligtümern der Erde.

Borobudur Tempel
Der Borobudur Tempel - ein buddhistisches Heiligtum

Der Borobudur Tempel erhebt sich rund 40 Kilometer nordwestlich der indonesischen Metropole Yogyakarta auf einem Hügel. Ein Besuch der gewaltigen Anlage ist fester Bestandteil jeder Indonesien-Rundreise. Wann genau mit den Bauarbeiten für dieses monumentale Bauwerk begonnen wurde, lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Forscher datieren die Errichtung der Tempelanlage von Borobudur auf das 8. und 9. Jahrhundert. Lange Zeit war der Tempel das religiöse Zentrum des Buddhismus auf der Insel Java. Nach dem Auseinanderfallen des hinduistischen Königreiches Mataram zu Beginn des 10. Jahrhunderts wurde die Tempelanlage verlassen und geriet in Vergessenheit. Mehrere Vulkanausbrüche in der Nähe führten in den folgenden Jahrhunderten dazu, dass der Borobudur Tempel unter einer dicken Schicht vulkanischer Asche versank. Erst im frühen 19. Jahrhundert wurde die Anlage wiederentdeckt und ausgegraben. Zwischen 1973 und 1984 wurde der Tempel im Rahmen eines umfangreichen Restaurierungsprogrammes wiederhergestellt und seit 1991 gehört die religiöse Anlage zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Aus der Nähe werden die gewaltigen Ausmaße des Borobudur Tempel sichtbar. Die Anlage ruht auf einem nahezu quadratischen Sockel mit einer Kantenlänge von rund 120 Metern. Der Aufbau des Bauwerkes erinnert an eine Stufenpyramide. Der Tempel besteht aus insgesamt neun Stockwerken, die sich in der Höhe verjüngen und eine Höhe von mehr als 30 Metern besitzen. Die unteren sechs Terrassen sind quadratisch, während die drei oberen Terrassen in Kreisform angelegt wurden. Die Wände sind mit Reliefs verziert, die Szenen aus dem Leben Buddhas darstellen. Einem alten buddhistischen Ritual folgend, müssen Gläubige alle neun Terrassen des Tempels im Uhrzeigersinn umrunden. Dabei wird eine Strecke von fünf Kilometern zurückgelegt. Die einzelnen Terrassen sind von zahlreichen Nischen unterbrochen und unzählige Buddha-Statuen säumen den Weg.

Der Aufbau des Monumentalbauwerks spiegelt die Grundlehren des buddhistischen Glaubens wider. Danach erfolgt eine Einteilung des Universums in drei unterschiedliche Welten. Die unterste Ebene wird mit der menschlichen Existenz gleichgesetzt und als Kamadhatu bezeichnet. Diese Welt wird mit dem quadratischen Sockelbau symbolisiert. Die zweite Welt ist der buddhistischen Lehre nach die sogenannte Übergangswelt. Auf dieser Ebene werden die Menschen von ihrem sterblichen Körper und allen weltlichen Verpflichtungen befreit. Diese Phase wird Rupadhatu genannt und nimmt in der Tempelanlage mit der ersten Terrasse ihren Anfang. Die Reliefs bis zur Ebene der sechsten Terrasse drücken diesen Zustand in verschiedenen Zyklen aus. Mit dem Arupadhatu wird die letzte und höchste Welt im buddhistischen Glauben erreicht. Auf dieser Ebene erreichen die Menschen die Welt der Götter und Vollkommenheit. Im Borobudur Tempel wird diese Stufe mit dem Betreten der kreisförmigen Terrassen erreicht. Die beengten Korridore der quadratischen Ebenen bleiben zurück und ein Gefühl von Offenheit und Freiheit stellt sich ein. In geometrischer Anordnung befinden sich auf den kreisförmigen Terrassen 72 Stupas mit kleinen Buddha-Statuen, die hinter einem Gittergeflecht eingeschlossen sind.

Weitere Hinweise auf die große Bedeutung des Borobudur Tempels finden Sie am ehemaligen Pilgerweg. Dort erheben sich zwei kleiner buddhistische Tempelanlagen, die zwar nicht so gewaltige Ausmaße besitzen, aber dennoch sehenswert sind. Der Candi Mendut Tempel stammt aus dem 8. Jahrhundert und ist von filigranen Außenreliefs bedeckt. Im Innenraum können Sie eine drei Meter hohe sitzende Buddha-Statue bewundern. Der zweite Tempel trägt die Bezeichnung Candi Pawon und ist ebenfalls mit aufwendigen Reliefarbeiten verziert. Für die Forscher war die Wiederentdeckung des Borobudur Tempels in zweifacher Hinsicht ein Glücksfall. Zum einen erlaubt das Bauwerk einen tiefen Einblick in die religiösen Ursprünge des Buddhismus und zum anderen dienen die zeitgenössischen Reliefs als bedeutende Quelle für die Geschichtsforschung. Die Abbildungen der Menschen, Schiffe, Gerätschaften und Kleidung lassen Rückschlüsse auf das Leben vielen Bevölkerungsschichten im 9. Jahrhundert zu.

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