Der Felsendom - drittheiligste Stätte des Islam

Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem ist nach Mekka und Medina die drittheiligste Stätte des Islams. Das Bauwerk besitzt einen achteckigen Grundriss und seine goldene Kuppel gilt als ein Wahrzeichen der israelischen Hauptstadt.

Israel Felsendom
Der Felsendom in Jerusalem - drittheiligste Stätte des Islam

Der Felsendom liegt auf dem Tempelberg im Südosten der Altstadt von Jerusalem. Es ist das älteste islamische Bauwerk und gehört zu den heiligsten Orten dieser Glaubensrichtung. Der Felsendom besitzt einen achteckigen Grundriss und wird im religiösen Sinn nicht als Moschee bezeichnet. Vielmehr handelt es sich um einen Kuppelbau, der einen als heilig empfundenen Ort überspannt. Der Überlieferung zufolge soll der Prophet Mohammed von hier die Himmelfahrt zur Begegnung mit den Göttlichen angetreten haben. In der Bibel ist davon die Rede, dass Abraham an dieser Stelle seinen Sohn Isaak opfern wollte. Gemäß einer Bauinschrift wurde der Felsendom im Jahr 691 fertiggestellt. Dieser Inschrift konnte auch der ursprüngliche Name des Bauwerks, das anfänglich nur als "Kuppel" bezeichnet wurde, entnommen werden.

Das achteckige Bauwerk ruht auf einem Fundament aus unregelmäßigen Steinquadern und besitzt vier Eingänge, die sich in die jeweiligen Himmelsrichtungen öffnen. Als Haupteingang gilt das südliche Portal. Der Felsendom ist mit einem Flachdach ausgestattet, über den sich der kuppelförmige Aufbau wölbt. Das Dach bestand einst aus Blei und wurde im Zuge der Renovierungsarbeiten zur Mitte des 20. Jahrhunderts durch Aluminiumbronzeplatten mit einer Beschichtung aus Blattgold ersetzt. Im Jahr 1993 wurde das Dach durch gold-galvanisierte Platten ersetzt. Die Kuppel wird von insgesamt 40 Pfeilern und Säulen gestützt. An jeder Seite des Achtecks befinden sich sieben ausgemauerte Rundbögen. Die Mauern sind mit blauen Ornamenten orientalischer Prägung verziert. Die blauen Fliesen ließ der osmanische Sultan Süleyman im 16. Jahrhundert anbringen. Bei den heute sichtbaren Verkleidungen handelt es sich zum überwiegenden Teil um Reproduktionen. Die Originale wurden in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts abmontiert und befinden sich heute im Islamischen Museum.

An der Ostseite des Felsendomes befindet sich mit dem sogenannten Kettendom eine weitere religiöse Stätte des Islam. Über das Baudatum dieses kleineren Gebäudes existieren keine Aufzeichnungen. Auch die eigentliche Funktion dieses nach allen Seiten offenen Bauwerks liegt bis heute im Dunkeln. Einige Quellen interpretieren den Kettendom als Ort, an dem zur Zeit der Regentschaft von König David Recht gesprochen wurde. Angeblich hingen an dieser Stelle Ketten, die nur von recht schaffenden Menschen berührt werden konnten. Andere Quellen berichten davon, dass sich hier die Schatzkammer befunden haben soll, in der das Geld für die Errichtung des Felsendomes aufbewahrt wurde. Die Baukosten sollen sich im 7. Jahrhundert insgesamt auf das Siebenfache der jährlichen ägyptischen Steuereinnahmen belaufen haben. Forschungen ergaben, dass die Grundmauern und der Sockel mit denen des Felsendomes identisch sind. Es wird gemutmaßt, dass der Kettendom als Vorlage für den bedeutend größeren Felsendom gedient haben könnte.

Wenn Sie dem Felsendom einen Besuch abstatten möchten, müssen Sie zunächst einige Hindernisse überwinden. Die Anlage steht unter muslimischer Verwaltung und der Zugang ist ein langwieriger Prozess. Nichtmuslime können die Bauwerke auf dem Tempelberg ausschließlich über den Bereich der Klagemauer bzw. durch das Mogravi-Tor betreten. Nach dem Passieren der israelischen Sicherheitskontrollen mit Leibesvisitationen und Metallscanner betreten Sie das muslimisch kontrollierte Gebiet. Das Areal ist täglich außer freitags geöffnet, wobei die Zugangszeiten variieren. Wenn Sie sich bereits am frühen Morgen gegen 7.00 Uhr einfinden, haben Sie gute Aussichten zu den ersten Besuchern zu gehören und die Schönheit der Anlage ungestört auf sich wirken zu lassen. Im muslimisch kontrollierten Teil des Tempelberges befinden sich mehr als 100 religiöse Bauwerke. Zu den Bekanntesten unter ihnen zählt neben dem Felsendom die Al-Aqsa-Moschee. Der Zutritt in das schlicht wirkende Gebäude ist allein gläubigen Muslimen vorbehalten. Die Al-Aqsa-Moschee befindet sich im gleichen Bereich wie der Felsendom und liegt dem Bauwerk gegenüber.

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