Die Klagemauer – das jüdische Heiligtum

Die Klagemauer gehört zu den bedeutendsten Heiligtümern des Judentums. Sie befindet sich in der Altstadt von Jerusalem und ist der Überrest des alten Jerusalemer Tempels.

Israel Felsendom und Klagemauer
Die Klagemauer mit Felsendom in Jerusalem

Bei der Klagemauer handelt es sich um die westliche Mauer des sogenannten zweiten Jerusalemer Tempels. Unter König Salomo wurde an dieser Stelle der erste Tempel errichtet, der bereits im Jahr 586 v. Chr. von den Truppen Babylons zerstört wurde. Um das Jahr 510 v. Chr. wurde ein zweiter Tempel erbaut, der jedoch schlichter war, als der Vorgängerbau. Der Überlieferung zufolge soll dieser Tempel von König Herodes ab dem Jahr 20 v. Chr. zu einer prächtigen Anlage ausgebaut worden sein. Archäologische Untersuchungen aus jüngster Zeit ergaben jedoch ein anderes Bild. In den ältesten Schichten des Bauwerks unter der Mauer im südlichen Bereich wurden Münzen zutage gefördert, die erst lange nach dem Tod von Herodes geprägt wurden. Allgemein wird heute davon ausgegangen, dass die Klagemauer erst unter dem Urenkel von Herodes dem Großen fertiggestellt wurde. Im Jahr 70 n. Chr. wurde der Tempel im Zuge des Jüdischen Krieges von römischen Truppen zerstört.

Die Klagemauer ist das wichtigste Heiligtum des Judentums. Grundsätzlich steht jedem Besucher der Weg zur Klagemauer offen. Der Zugang erfolgt über Sicherheitsschleusen. Das Kontrollsystem erinnert an den Sicherheitscheck am Flughafen. Die Wartezeiten sind verhältnismäßig kurz. Der Vorplatz vor der westlichen Mauer ist geweihter Boden. Er ist in drei Bereiche unterteilt, in denen Männer und Frauen getrennt beten können. Linker Hand befindet sich der Bereich für die männlichen Gläubigen, während der Bereich für Frauen auf der rechten Seite liegt. Für Angehörige beider Geschlechter besteht die Pflicht, eine Kopfbedeckung zu tragen. Eine traditionelle jüdische Kippa ist dabei nicht zwingend vorgeschrieben. Kopftücher und Kippas aus Pappe sind am Eingangsbereich erhältlich.

Bei der Klagemauer handelt es sich um eine religiöse Stätte, die mit der gebührenden Achtung und Rücksichtnahme betreten werden muss. Sie gehört zu dem meistbesuchten Orten Israels und ist häufig Schauplatz für religiöse Veranstaltungen und Zeremonien. Schrille Kleidung und lautstarkes Rufen sollten beim Besuch der Klagemauer vermieden werden. Die westliche Mauer besitzt eine Länge von 48 Metern und eine Höhe von acht Metern. Viele Besucher stecken nach dem Gebet kleine Zettel mit Wünschen in die Spalten und Ritzen in der Mauer. Nach alter Tradition werden die Zettel einmal im Monat auf dem Ölberg vergraben. Jeder Besucher besitzt das Recht, einen Zettel in der Klagemauer zu deponieren. Dieses Ritual besitzt für Juden eine religiöse Bedeutung, wird doch auf diese Weise der bestehende Bund zwischen Menschen und Gott erneuert und gefestigt. Besuchern ist es gestattet, innerhalb der Sicherheitszone an der Mauer zu fotografieren. Ausgenommen von dieser Regelung sind der Sabbat und hohe jüdische Feiertage.

Neben der gesamten Klagemauer zieht sich ein Tunnel entlang, der unter der Altstadt von Jerusalem verläuft. Der überwiegende Teil der Mauer ist nicht freigelegt und kann befindet sich unter dem Areal. Auf einer Führung durch den Tunnel haben Sie die Gelegenheit, weitere knapp 500 Meter der überbauten Klagemauer zu besichtigen. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts begannen an der Klagemauer Ausgrabungen, die Mauern, Straßen und Wasserleitungen aus vorchristlicher Zeit zutage förderten. In dem zugänglichen Bereich des Tunnels besichtigen Sie ein antikes Wasserbecken und den sogenannten Klagestein. Dabei handelt es sich um einen Stein mit einem Gewicht von rund 510 Tonnen, der zu den Schwersten von Menschenhand ohne technische Hilfsmittel bewegten Gegenständen gehört. Darüber hinaus wurden die Reste einer römischen Straße freigelegt, die wahrscheinlich zum Tempelberg führte. Ihre Existenz belegt die Nutzung des Tempelberges durch die Römer nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. Am Tunnel liegt ein kleines Museum, das neben einer Multimediashow und modernen Kunstgegenständen einen Einblick in die jüdische Geschichte gibt.

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