Jordanien und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Die Geschichte Jordaniens begann mit der kontinuierlichen Besiedlung in der Mittelsteinzeit vor rund 10.000 Jahren, als sesshafte Ackerbauern und Nomaden nebeneinander existierten.

Jordaniens Geschichte  Artemistempel
Jordaniens Geschichte - Artemistempel

Um das Jahr 1200 v. Chr. besiedelten die Ammoniter, ein semitischer Stamm, Regionen im westlichen Jordanien. Sie lieferten sich gemeinsam mit den Stämmen der Edomiter und Moabiter Kämpfe gegen israelische Stämme, die bereits in der Bibel erwähnt werden. Damals entstanden Städte, die noch heute auf jordanischem Staatsgebiet existieren. Bis zum Beginn der Zeitrechnung wechselten die Herrscher auf dem Gebiet des heutigen Jordaniens. Auf die Assyrer folgten im 6. Jahrhundert v. Chr. die Babylonier und die Perser. Ein Jahrhundert später drangen von Süden die Nabatäer in das Land ein und dehnten ihren Machtbereich zeitweise bis nach Syrien aus.

Unter griechischen Einfluss geriet das Land am Jordan, nachdem die Hellenen im Jahr 332 v. Chr. einen Sieg über die Perser errangen. Zunächst übernahmen die Ptolemäer die Oberherrschaft über Jordanien, bis sie von den Seleukiden abgelöst wurde. Im Jahr 106 n. Chr. wurde das Gebiet des heutigen Jordaniens an das Römische Reich angegliedert. Fortan war Jordanien Bestandteil der römischen Provinz Arabia. In der Spätantike wurde das Ostjordanland zu einer Militärgrenze, die dazu diente, Angriffe der Beduinen abzuwehren.

Unter islamische Herrschaft geriet die Region, als im Jahr 636 n. Chr. in der Schlacht am Jarmuk die Muslime einen Sieg über die Truppen des Oströmischen Reiches errangen. Ab dem 12. Jahrhundert drangen die Kreuzritter mehrfach tief in das Ostjordanland vor. Eindrucksvolle Kreuzfahrerburgen in Aqaba und Kerak zeugen noch heute von der Anwesenheit der Kreuzritter im Mittelalter. Ziel war es, die Handelsrouten von Damaskus in das Innere der arabischen Halbinsel zu kontrollieren. Nach dem Abzug der Kreuzfahrer im 13. Jahrhundert gehörte das Ostjordanland von 1250 bis 1516 zum Herrschaftsgebiet der Mameluken. Danach war das Land mehr als vier Jahrhunderte lang Teil des Osmanischen Reiches. Während dieser Zeit erlebte die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung in Jordanien einen Stillstand. Kaufleute, Karawanen und Pilger nutzten das Land nur als Durchzugsgebiet und die meisten Landstriche waren nur dünn besiedelt.

Im Verlauf des Ersten Weltkrieges schlossen sich die jordanischen Stämme dem Araberaufstand gegen die osmanischen Machthaber an. Im Jahr 1918 erfolgte der Anschluss an das von den Haschemiten gegründete Königreich Syrien. Noch vor dem Ende des Ersten Weltkrieges schmiedeten England und Frankreich Pläne über eine Aufteilung des Osmanischen Reiches nach dessen Fall. Im Jahr 1917 erklärte England Palästina zum britischen Mandatsgebiet. Jordanien wurde mit einem Beschluss, der auf der Konferenz von San Remo im Jahr 1920 gefasst wurde, dem Gebiet angegliedert. Drei Jahre später wurden die Gebiete östlich des Flusses Jordan abgetrennt und das unter britischer Herrschaft stehende Emirat Transjordanien gegründet.

Offizielles Oberhaupt des Emirats war der Sohn des Scherifen von Mekka Abdullah Ibn al-Hussein. Er wurde von der britischen Krone bezahlt. General John Bagot Glubb begann im Jahr 1939 mit dem Aufbau der Arabischen Legion zum Schutz des britischen Königshauses. Die probritische Einstellung des Landes machte Jordanien zu einem wichtigen Stützpfeiler der britischen Kolonialpolitik in Vorderasien. Im Zweiten Weltkrieg kämpften jordanische Truppen gemeinsam mit britischen Verbänden gegen die deutschen Streitkräfte.

Im Jahr 1946 erhielt Jordanien seine Unabhängigkeit, nachdem das britische Mandat erloschen war. Abdallah I. wurde erster König des jungen Landes. Ein Jahr später stimmte Jordanien dem UN-Teilungsplan zu, der den Konflikt zwischen jüdischen und arabischen Bewohnern im britischen Mandatsgebiet beilegen sollte. Trotzdem beteiligte sich das Land am ersten israelisch-arabischen Krieg zwischen 1948 und 1949, an dessen Ende ein Waffenstillstandsabkommen mit Israel stand. Im Jahr 1950 wurde das Land in Haschemitisches Königreich Jordanien umbenannt und ein Jahr später fiel König Abdallah wegen seiner proisraelischen Haltung einem Attentat zum Opfer.

Im Jahr 1967 kam es zwischen Israel und den arabischen Staaten zum Sechstagekrieg. Im Ergebnis dieses Konfliktes verlor das Königreich Jordanien sämtlich Gebiete westlich des Jordans an Israel. Es setzte ein Flüchtlingsstrom von rund 400.000 Menschen aus dem besetzten Westjordanland ein. Im Jahr 1973 folgte mit dem Jom-Kippur-Krieg eine weitere bewaffnete Auseinandersetzung zwischen Israel und den arabischen Nachbarstaaten. Aus diesem Konflikt hielt sich Jordanien weitestgehend heraus. Im Jahr 1994 schloss das Land einen Friedensvertrag mit Israel. Sechs Jahre später gelang König Abdallah II. der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit den USA und im Jahr 2002 folgte ein Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union.

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