Kerak - geschichtsträchtige Vergangenheit

Kerak ist eine jordanische Stadt mit 20.000 Einwohnern, die nur wenige Kilometer südlich des Toten Meeres liegt. Wahrzeichen und Touristenmagnet der Stadt sind die Ruinen einer Kreuzritterburg aus dem 12. Jahrhundert.

Jordanien Kerak
Kerak - geschichtsträchtige Vergangenheit

Inmitten einer grünen Hügellandschaft liegt die Stadt Kerak, die eine geschichtsträchtige Vergangenheit besitzt. Die erste Besiedlung des heutigen Stadtgebietes erfolgte in der Eisenzeit durch den Stamm der Moabiter. Ihnen folgten die Nabatäer, bis die Stadt zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. von den Römern erobert wurde. Zur Zeit der byzantinischen Herrschaft im Nahen Osten war Kerak Bischofssitz. Der christliche Glaube blieb auch unter der anschließenden arabischen Vorherrschaft in weiten Teilen der Bevölkerung die dominierende Religion. Im 12. Jahrhundert eroberten die Kreuzfahrer weite Teile der Region und im Jahr 1140 wurde mit der Errichtung einer Burganlage über dem Stadtgebiet begonnen.

Die strategisch günstige Lage von Kerak erlaubte es den Kreuzfahrern, die Handelswege von Syrien bis nach Ägypten zu kontrollieren. Im Jahr 1183 belagerte der Emir von Damaskus, Saladin, die Burg. Die endgültige Eroberung gelang ihm allerdings erst vier Jahre später, nachdem König Balduin IV. die Belagerung mehrmals aufgehoben hatte. Saladin befestigte die Burg nach der gewonnenen Schlacht erneut und baute sie weiter aus. Ein weiterer Ausbau erfolgte im 13. Jahrhundert, nachdem der Mameluckensultan Baibar die Kreuzfahrerburg erobert hatte. Bis zum Jahr 1841 gehörte Kerak zum Osmanischen Reich und nach dem Abzug der Türken entbrannte ein Kampf unter verschiedenen Beduinestämmen um die Vorherrschaft in der Stadt. Zum Ende des 19. Jahrhunderts verließen aus diesem Grund zahlreiche Anhänger des christlichen Glaubens die Stadt Kerak.

Die Burgruine thront wie ein mächtiger Wächter über dem Stadtgebiet von Kerak. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel der Kreuzfahrerarchitektur und vereint europäische, arabische und byzantinische Einflüsse. Die verwinkelten Räume und Gänge im Inneren der Burganlage gleichen einem Labyrinth. Sie liegen auf unterschiedlichen Ebenen und teilweise verlaufen die Ein- und Ausgänge unterirdisch. Die Kreuzfahrer benutzten generell die unterirdischen Zugänge, um in das Innere der Burg zu gelangen. Besucher betreten die Anlage über ein Tor an der Nordseite. Vom unteren Burghof zweigen zahlreiche Tunnel und Gänge in den unterirdischen Bereich der Burg ab. Über ein Gangsystem mit anliegenden Räumen erreichen Sie den oberen Burghof, auf dem sich eine kleine Kapelle befindet. Hervorragend erhalten ist der mächtige Wohnturm im südlichen Bereich der Anlage. Deutlich erkennbar sind die Schießscharten in der dicken Mauer. Vom obersten Punkt haben Sie einen fantastischen Blick auf die Umgebung und es wird deutlich, wie groß die Bedeutung der Befestigungsanlage zur Kontrolle der alten Handelswege war.

Nachdem die Burg lange Jahrzehnte eine Ruine war, erfolgten im Jahr 2008 umfangreiche Sanierungsmaßnahmen. Die Innenräume und die Burgmauern wurden umfassend restauriert und die Anlage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Zuge der Bauarbeiten wurde in der Burg ein archäologisches Museum eingerichtet, in dem Fundstücke und Artefakte aus der Umgebung ausgestellt werden. Die Funde umfassen einen Zeitraum von der Steinzeit bis zum Mittelalter. Darüber hinaus wird in einer gesonderten Ausstellung die Geschichte von Kerak und der Kreuzfahrerburg anschaulich erzählt. Zu den bedeutendsten Funden in Kerak gehört ein Granitstein-Fragment mit einer Inschrift aus dem 9. Jahrhundert v. Chr., die vermutlich moabitischen Ursprungs ist.

Kerak ist heute eine moderne Stadt im Süden Jordaniens, die eine erstklassige touristische Infrastruktur besitzt. Die Nähe zum Toten Meer macht Badeausflüge an die Ufer des salzhaltigen Binnensees jederzeit möglich und im Zentrum der Stadt lockt ein traditioneller orientalischer Basar mit einem Besuch. Hier finden Sie zahlreiche landestypische Andenken. Das Angebot in den Geschäften und an den Ständen reicht von Wasserpfeifen über handbemalte Keramik und Tonwaren bis hin zu Gegenständen aus Kupfer und Messing. Die klassische jordanische Küche lernen Sie bei einem Restaurantbesuch im Stadtzentrum kennen.

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