Pella - geschützt im Jordantal

Pella ist ein kleines Dorf im Westen Jordaniens mit einer antiken Ruinenstätte, in der Bauwerke aus verschiedenen Epochen der Zeitgeschichte im Rahmen von archäologischen Ausgrabungsarbeiten freigelegt wurden.

Jordanien Pella
Pella - geschützt im Jordantal

Das jordanische Dorf Pella befindet sich in einer geschützten Lage im Jordantal und liegt rund 30 Autominuten von der Stadt Irbid entfernt. Die Hügel in der Umgebung des Dorfes sind seit der Jungsteinzeit ununterbrochen besiedelt, wie archäologische Ausgrabungen ergeben haben. Grund dafür ist eine nie versiegende Quelle in der Bergregion Wadi Jirm, die eine kontinuierliche Wasserversorgung sicherstellte. Erstmals erwähnt wurde Pella vor rund 4.000 Jahren unter der Bezeichnung Pihilium. Als vor rund 2.000 Jahren die Ägypter weite Teile des Ostjordanlandes beherrschten, entwickelte sich der Ort zu einer kleinen Stadt, in der viele Handwerker ansässig waren. Rund 5.000 Einwohner zählte die Ortschaft zu dieser Zeit. Unter hellenistischer Herrschaft wurde erstmals der Ortsname Pella erwähnt. Forscher vermuten, dass die Ortsbezeichnung in Anlehnung an die Stadt Pella in Makedonien entstand, die der Geburtsort von Alexander dem Großen war.

Die Hellenen wurden zu Beginn der Zeitrechnung von den Römern als Machthaber auf dem Gebiet des heutigen Jordaniens abgelöst. Damals war Pella Teil der sogenannten Dekapolis. Damit wurde ein Verbund von zehn palästinensischen Städten bezeichnet, die in der Antike die Zentren der griechisch-römischen Kultur in der römischen Provinz Arabia bildeten. Unter byzantinischer Herrschaft erreichte Pella eine Blütezeit. Die strategisch günstige Lage ermöglichte es, die Fernhandelsrouten zu überwachen, die Europa mit Vorderasien und China verbanden. Pella wurde zum Handelsstützpunkt und zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Karawanen. Die größte Ausdehnung erreichte das Stadtgebiet im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr., als etwa 25.000 Menschen in der Stadt lebten. Der Niedergang setzte nach einem schweren Erdbeben ein, dass sich im Jahr 747 ereignete. Damals wurden weite Teile des Stadtgebietes und die meisten öffentlichen Gebäude zerstört. Zahlreiche Einwohner verließen die in Trümmern liegende Stadt und ein Wiederaufbau erfolgt nicht. Heute befindet sich an den archäologischen Ausgrabungsstätten das kleine Dorf Tabaqat Fahl, das erst im 19. Jahrhundert von arabischen Bauern gegründet wurde.

Die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Pella sind die antiken Ruinen, die im Zuge umfangreicher Grabungsarbeiten nach und nach freigelegt wurden. Im Pella Resthouse erhalten Sie einen Überblick über das Grabungsareal und können sich aus einer erhöhten Position einen Eindruck von der Ausdehnung der antiken Stadt verschaffen. Das erste Gebäude, auf das Sie aus Richtung Tabaqat Fahl kommend stoßen, ist die sogenannte Westbasilika, die im 6. Jahrhundert als frühchristlicher Kirchenbau errichtet wurde. Von dem Gotteshaus sind heute nur noch Ruinen zu erkennen. In unmittelbarer Nähe des Gotteshauses wurden die Grundmauern zahlreicher Wohngebäude freigelegt. Sie stammen nachweislich aus verschiedenen Epochen der Besiedlungsgeschichte. Aus der byzantinischen Zeit sind drei Basiliken erhalten. Als Baumaterial für die christlichen Sakralbauten wurden Steine von verschiedenen antiken Bauwerken verwendet, die auf diese Weise abgetragen wurden.

Bei archäologischen Ausgrabungen wurden bisher die Reste der Stadtmauer und eines Amphitheaters mit rund 400 Sitzplätzen freigelegt. Zu den bemerkenswertesten Entdeckungen gehört ein kanaanitischer Tempel aus der Bronzezeit. Er wurde in drei Bauabschnitten errichtet. Die ältesten Mauern stammen aus der Zeit um 1650 v. Chr. Umfangreiche Umbaumaßnahmen fanden um das Jahr 1350 v. Chr. und 900 v. Chr. statt. Die Archäologen fanden Pylonen, die den zeitgenössischen ägyptischen Tempeln nachempfunden waren, was darauf schließen lässt, dass der Einfluss Ägyptens in dieser Epoche bedeutend gewesen sein muss. Pella ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Wanderungen im Jordantal. Besonders im Frühjahr verwandeln die roten Blüten des Klatschmohns die Region in eine farbenprächtige Naturlandschaft. Geschichtsinteressierte Besucher sollten sich auf einem Ausflug in die nordjordanische Stadt Irbid nicht einen Besuch im archäologischen Museum entgehen lassen. Es wurde im Jahr 2007 eröffnet und zahlreiche Fundstücke und Artefakte stammen aus den antiken Ruinen des Dorfes Pella.

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