Kambodscha und seine Geschichte - ein Überblick

Die Geschichte Kambodschas ist eng mit dem Volk der Khmer verbunden, deren Tempelanlagen in der Stadt Angkor zu den gewaltigsten religiösen Bauwerken der Welt gehören und in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Kambodscha Geschichte
Kambodscha Geschichte

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung werden in Kambodscha auf das Jahr 4200 v. Chr. datiert. Davon zeugen Keramikscherben, die bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden. Weitere Artefakte deuten die Entstehung einer jungsteinzeitlichen Kultur im Jahr 2000 v. Chr. hin. Die Menschen wanderten aus Südchina ein und errichteten Pfahlbauten am Unterlauf des Mekong. Im 1. Jahrhundert n. Chr. verschmolzen die Reiche Funan und Chenla zu einem zentralistischen Großreich, das 250 Jahre lang eine Vormachtstellung in der Region innehatte. Nach Unruhen im Landesinneren zerfiel das Reich in einzelne Fürstentümer bis im Jahr 802 die Volksgruppe der Khmer ein neues Reich mit der Hauptstadt Angkor errichtete.

Das Reich der Khmer erstreckte sich zu seiner Blütezeit im 12. Jahrhundert von der malaiischen Hafenstadt Malakka bis zur Landenge Isthmus von Kra und schloss Teile des heutigen Vietnams und von Laos ein. In der Hauptstadt Angkor wurde die Tempelanlage Angkor Wat errichtet, die heute zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten in Kambodscha zählt. Schätzungen gehen davon aus, dass zur Blütezeit mehr als eine Million Menschen in der Stadt lebten und Angkor zu diesem Zeitpunkt die größte Stadt der Welt war. Im 13. Jahrhundert entstand im Westen das Königreich Sukhothai, das sich zu einem bedeutenden Konkurrenten in dieser Region Südostasiens entwickelte. Truppen des Nachfolgereiches Ayutthaya eroberten die Hauptstadt der Khmer im Jahr 1353 und im Jahr 1431 und leiteten damit eine deutliche Schwächung der Regionalmacht ein.

Die Hauptstadt wurde anschließend nach Phnom Penh verlegt und in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Vietnamesen und Thai. Im 16. Jahrhundert kam es zu einer späten Blütezeit des Reiches der Khmer, bis es im 17. und 18. Jahrhundert zur Eroberung großer Gebiete im Mekong-Delta durch die Vietnamesen kam. Währenddessen besetzte Thailand weite Teile im Norden des Reiches. Zum Schutz der eigenen Territorien erbat Kambodscha zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Unterstützung Frankreichs, das im Jahr 1859 Teile des südlichen Vietnams erobert hatte. Vier Jahre später wurde Kambodscha französisches Protektorat und es ging gemeinsam mit Laos und Vietnam in der Indochinesischen Union auf.

Frankreich trieb den Prozess der Kolonisierung Kambodschas zum Ende des 19. Jahrhunderts voran, indem es ohne Absprache Beamte in führenden Positionen etablierte. Wenig später existierte die Monarchie nur noch auf dem Papier und Kambodscha war praktisch zu einer Kolonie Frankreichs geworden. In der Folge wurde eine Bahnstrecke zwischen Phnom Penh und Bangkok gebaut und ausgedehnte Kautschukplantagen angelegt. Die kambodschanische Hauptstadt wurde zu einer modernen Metropole. Hohe Abgaben und die Verpflichtung der Bevölkerung zu unentgeltlichen Arbeitsdiensten führten zur Entstehung von Widerstandsbewegungen. Eine Gruppierung wurde als Freie Khmer bezeichnet.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kambodscha von japanischen Truppen besetzt. Die französischen Beamten behielten jedoch ihre Ämter und das Land verblieb offiziell unter französischer Kontrolle. Im Jahr 1945 kündigte König Norodom Sihanouk unter dem Schutz der japanischen Besatzer sämtliche Verträge mit der französischen Kolonialmacht. Doch wenig später erlangte das europäische Land nach dem Abzug der Japaner die Kontrolle wieder. Die im Untergrund tätige Widerstandsgruppe der Freien Khmer verbündete sich daraufhin mit den Vietminh und führten einen Guerillakrieg, der erst mit der Unabhängigkeit Kambodschas im Jahr 1954 beendet wurde.

Im Zuge des Vietnamkrieges wurde auch Kambodscha in die Kampfhandlungen einbezogen. Mit Unterstützung der Amerikaner wurde im Jahr 1970 die Regierung gestürzt und im Jahr 1972 rief der neue Präsident Lon Nol die Republik Khmer aus. Der gestürzte Machthaber Sihanouk flüchtete nach China und verbündete sich mit seiner neu gegründeten Bewegung mit den sogenannten Roten Khmer, die aus der kommunistischen Partei Kambodschas hervorgegangen waren. Im Jahr 1975 eroberten die Roten Khmer die Hauptstadt Phnom Penh und errichteten mit der Unterstützung des kommunistisch regierten Nordvietnams eine Diktatur und Terrorherrschaft unter Führung des Machthabers Pol Pot.

1979 eroberten südvietnamesische Truppen Phnom Penh und beendeten die Diktatur der Roten Khmer. Die Truppen des Nachbarlandes verließen erst im Jahr 1989 Kambodscha, nachdem jahrelang ein Bürgerkrieg im Land getobt hatte. 1991 setzte die UNO eine Übergangsverwaltung in Kambodscha ein. Die Roten Khmer hielten weiterhin die nördlichen Gebiete des Landes besetzt und widersetzten sich den Bemühungen um freie Wahlen. Internationale Sanktionen gegen das kommunistisch geführte Regime im Norden führten zum Wiederaufflammen der Kämpfe und im Jahr 1997 kam es zu offenen Kampfhandlungen. Mit den ersten Kommunalwahlen im Jahr 2002 machte Kambodscha einen Schritt in die Richtung einer Demokratisierung. Sie endeten mit einem Erfolg der Volkspartei. Bis heute ist Kambodscha eine parlamentarische Wahlmonarchie.

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