Phnom Kulen - Wiege des Angkor-Reichs

Phnom Kulen ist ein Nationalpark in der kambodschanischen Provinz Siem Reap. Er erstreckt sich am gleichnamigen Bergmassiv, das als die Wiege des Angkor-Reiches der Khmer gilt.

Phnom Kulen Nationalpark
Phnom Kulen Nationalpark

Der Phnom Kulen Nationalpark befindet sich 48 Kilometer von der Provinzhauptstadt Siem Reap entfernt an der gleichen Straße, über die auch die Tempelanlage Banteay Srei zu erreichen ist. Der 487 Meter hohe Berg besitzt eine große historische Bedeutung, denn der Überlieferung nach befindet sich hier die Wiege des Angkor-Reiches der Khmer. König Jayavarman II. rief an diesem Ort zu Beginn des 9. Jahrhunderts das unabhängige Königreich der Khmer aus. Doch Phnom Kulen sollte die Funktion als Hauptstadt nur kurz behalten. Bereits kurze Zeit später verlegte der König den Regierungssitz in das nur wenige Kilometer entfernte Roluos. Ein weiteres Jahrhundert später wurde Angkor das Zentrum der Macht und die Stadt Angkor Thom erlebte im 12. und 13. Jahrhundert ihre Blütezeit.

Die Fahrt von der Provinzhauptstadt Siem Reap bis in den Nationalpark Phnom Kulen dauert etwa eine Stunde. Unterwegs passieren Sie Reisfelder und kleine Dörfer, bevor Sie am Eingang des Nationalparks ankommen. Dort befindet sich ein Ticketschalter, an dem die obligatorische Eintrittskarte gelöst werden muss. Die Fahrt führt weiter bergauf über eine staubige Schotterpiste. Später ändert sich die Vegetation und geht in einen tropischen Regenwald über. Nach einer 20-minütigen Fahrt haben Sie das Bergplateau erreicht. Vom Parkplatz führt ein kurzer Fußweg zum Tempel Preah Ang Thom, der mit einer acht Meter langen liegenden Buddha-Statue eine besondere Attraktion zu bieten hat. Die Statue wurde vollständig aus dem Felsgestein gehauen. An dem Tempel nimmt ein reizvoller Rundweg seinen Anfang, auf dem Sie einen fantastischen Ausblick auf die Kulen-Berge genießen. An der Tempelanlage Preah Ang Thom entspringt eine heilige Quelle, die zahlreiche Einheimische zu rituellen Zwecken aufsuchen. Das Benetzen der Haut mit dem Quellwasser verheißt Glück und Gesundheit.

Eine Sehenswürdigkeit im Nationalpark Phnom Kulen ist der Fluss der 1.000 Lingas. Als Linga wird im hinduistischen Glauben ein Phallussymbol bezeichnet, dem eine schöpferische Kraft zugewiesen wird. Der Weg führt direkt am Ufer des Siem-Reap-Flusses entlang. In das Flussbett wurden unzählige Lingas gehauen, die zum Teil abgetragen wurden und zum Teil noch im Originalzustand erhalten sind. Die etwa zehnminütige Wanderung nimmt am Parkplatz ihren Anfang und führt am Flussufer entlang durch den tropischen Regenwald. Ein reizvolles Naturschauspiel bieten die beiden Wasserfälle im Nationalpark Phnom Kulen, die ebenfalls vom Parkplatz aus zu erreichen sind. Der erste Wasserfall stürzt aus einer Höhe von drei Metern aus dem Urwalddickicht über eine Felskante ins Tal. Den zweiten Wasserfall haben Sie nach einem 20-minütigen Spaziergang erreicht, der über steile Treppen nach unten führt. Er bildet am Grund ein weites Wasserbecken, das zu einem Bad im kühlen Nass einlädt. Der Wasserfall besitzt eine Fallhöhe von 12 Metern.

Der Weg zurück führt an Verkaufsständen mit Heilkräutern, Souvenirs, Tee und Früchten vorbei. Sehenswert ist im Phnom Kulen Nationalpark ein kleiner Tempel auf der Terrasse von Sdach Kamlung. Die Ruinen waren Hunderte Jahre von Lava bedeckt, bevor sie von Archäologen freigelegt wurden. Die große historische Bedeutung des Berges Phnom Kulen wurde von französischen Wissenschaftlern im Jahr 1936 nachgewiesen, die den Tempelberg damals besuchten. Umfangreiche archäologische Untersuchungen und eine Bestandsaufnahme der alten Bauwerke erfolgten in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Im Jahr 2008 rief die kambodschanische Regierung ein archäologisches Projekt ins Leben, das die Sicherung der alten Bausubstanz zum Ziel hat. Im Jahr 2013 sorgte die Entdeckung der Ruinen der antiken Khmer-Stadt Mahendraparvata an den Berghängen des Phnom Kulen für Aufsehen. Im Zuge der Erforschung konnten mehr als 30 Tempel im Urwald identifiziert werden, von deren Existenz die Archäologen bis zu diesem Zeitpunkt nichts wussten.

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