Phnom Penh - Hauptstadt und kulturelles Zentrum

Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodschas und liegt im Südwesten des asiatischen Landes am Fluss Tonle Sap.

Phnom Penh
Phnom Penh - Hauptstadt und kulturelles Zentrum

Mit rund 1,5 Millionen Einwohnern ist Phnom Penh die größte Metropole Kambodschas und das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Namensgeber für die Stadt war der Hügeltempel Wat Phnom Daun Penh, der im 14. Jahrhundert auf einer künstlich aufgeschütteten Erhebung errichtet wurde. Regierungssitz wurde Phnom Penh im Jahr 1866 zur Zeit der Kolonialherrschaft Frankreichs. Nachdem zunächst König Norodom I. auf Druck der Franzosen mit seinem Hofstab in die Stadt umzog, wurde ein Jahr später auch die französische Kolonialverwaltung nach Phnom Penh verlegt. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche Kolonialbauten, die heute restauriert sind und in altem Glanz erstrahlen. In der kambodschanischen Hauptstadt leben vietnamesisch stämmige Einwohner mit Chinesen und den Khmer zusammen. Die Khmer stellen heute die bevölkerungsreichste Gruppe in Phnom Penh.

Nach der Machtergreifung der Roten Khmer im Jahr 1975 wurden große Teile der Stadtbevölkerung auf das Land deportiert. Grund dafür war die schwierige Versorgungslage in der Stadt und die ideologische Überzeugung der Roten Khmer, die eine kommunistische Herrschaft errichten wollten, in der das Stadtleben weitestgehend abgeschafft werden sollte. Nach der Befreiung von Phnom Penh durch vietnamesische Truppen im Jahr 1979 setzte eine langsame Erholung der Stadt ein. Einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm die Metropole, nachdem die UNO in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Stadt und das Land unter internationale Kontrolle stellte. Mit dem Zufluss von Devisen erlebte Phnom Penh einen Boom und hat sich heute zur bedeutendsten Sehenswürdigkeit nach den Tempelanlagen Angkor Wat im Landesinneren entwickelt. Die französischen Kolonialherren legten die Stadt im Schachbrettmuster an und sämtliche Straßen verlaufen in Nordsüd- oder Westostrichtung. In der lebhaften kambodschanischen Hauptstadt bevölkern vor allem Mopeds, Fahrradrikschas und Tuk Tuks die Straßen.

Phnom Penh liegt im Landesinneren Kambodschas im tropischen Klima. Die Tagestemperaturen liegen ganzjährig konstant über der 30-Grad-Marke und es ist zu jeder Jahreszeit heiß und feucht. In der Regenzeit zwischen Mai und November steigt die Luftfeuchtigkeit auf unerträgliche 95 Prozent und eine drückende Schwüle liegt über dem Stadtgebiet. In Kambodscha verbinden sich auf eindrucksvolle Weise südostasiatische Traditionen, westlicher Lebensstil und die Architektur aus der Kolonialzeit zu einer Einheit. Für die Besucher ist es nahezu unmöglich, sich dem kulturellen Erbe der Stadt zu entziehen. So vielfältig wie das Stadtbild präsentiert sich auch die Küche in Phnom Penh. Traditionelle Fisch- und Hummersuppen, abwechslungsreiche Nudel- und Reisgerichte sowie exotische Imbisse aus gerösteten Insekten werden in den Garküchen auf den Märkten angeboten. Während Brot in anderen südostasiatischen Ländern kaum eine Rolle in den Ernährungsgewohnheiten spielt, ist französisches Baguette allgegenwärtig. Dabei handelt es sich um ein Erbe der französischen Kolonialzeit und das Weißbrot wird mit Huhn oder Fisch belegt serviert.

Phnom Penh hat eine Fülle an Sehenswürdigkeiten zu bieten, die Sie auf einem Stadtrundgang entdecken. Alternativ können Sie auch ein traditionelles Taxi mieten und sich zu den Attraktionen der Stadt befördern lassen. Unter König Norodom Sihanouk setzte ein Bauboom ein und die Stadt wurde um zahlreiche Gebäude mit moderner Architektur erweitert, die heute als Khmer-Architektur bezeichnet wird. Die Bauwerke vereinen Elemente des Bauhaus-Stils mit traditioneller asiatischen Elementen. Zwischen 1950 und 1970 wurden nach der Unabhängigkeit von Frankreich das Nationaltheater, das Institut für Fremdsprachen und die Gebäude der königlichen kambodschanischen Universität errichtet. Darüber hinaus entstanden zahlreiche herrschaftliche Villen für die aufstrebende Oberschicht. Unter der Herrschaft der Roten Khmer waren viele Bauwerke dem Verfall preisgegeben und mussten abgerissen werden. Einige Wenige wurden saniert und beherbergen heute elegante Boutique-Hotels.

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Phnom Penh gehören die königlichen Palastanlagen, die im 19. Jahrhundert im französischen Architekturstil erbaut wurden. Nach umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen erstrahlt der Königspalast heute wieder in altem Glanz. Teile des Komplexes sind für die Öffentlichkeit geöffnet und können besichtigt werden. Besucher erhalten einen Einblick in die königlichen Gemächer und können die prunkvolle Thronhalle bewundern. Neben den Palastgebäuden sind die Silberpagode und der Tempel des Smaragd-Buddhas frei zugänglich. Der Fußboden der Silberpagode besteht aus mehr als 5.000 Silberfliesen und im Inneren thront ein lebensgroßer vergoldeter Buddha, der mit zahllosen Edelsteinen verziert ist. Das religiöse Gebäude wird von einem Wandelgang umschlossen, an dessen Wänden das hinduistische Ramayana Epos abgebildet ist. Weiterhin befindet sich auf dem Gelände eine Reiterstatue, die König Norodom zeigt, und mehrere buddhistische Schreine und Stupas. Für einen Besuch des Königspalastes eignen sich die frühen Morgenstunden, bevor am späten Vormittag der Besucheransturm einsetzt.

Unmittelbar neben dem Königspalast befindet sich das Nationalmuseum Kambodschas. Die Eröffnung erfolgte bereits im Jahr 1917 und in den Ausstellungsräumen erhalten Sie einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Landes. Mehr als 5.000 archäologische Artefakte, Relikte und Kunstwerke werden im Nationalmuseum präsentiert. Es werden Objekte aus Stein, Keramik, Bronze und Holz aus verschiedenen Epochen der Zeitgeschichte ausgestellt. Einige Kunstwerke weisen auf den indischen Einfluss in der kambodschanischen Entwicklung hin. Das Museum ist täglich geöffnet und bei Bedarf können Sie sich einer Führung durch die Hallen anschließen. Jeweils freitags und samstags findet in den Abendstunden die überaus beliebte Dance-Show Plae Pakaa im Nationalmuseum statt.

Wenige 100 Meter vom Nationalmuseum entfernt befindet sich die Tempelanlage Wat Ounalom, die im Jahr 1443 gegründet wurde und heute zu den bedeutendsten religiösen Orten in Phnom Penh gehört. Sie ist ein kambodschanisches Zentrum des Buddhismus. Während der Herrschaft der Roten Khmer wurde die Anlage schwer beschädigt und anschließend originalgetreu restauriert. Wat Ounalom ist der Wohnsitz des höchsten buddhistischen Mönches des Landes und besitzt mit einer Augenbraue, die angeblich von Buddha stammen soll, eine bedeutende religiöse Reliquie. Im Inneren des Wat herrscht eine besinnliche Stille, die einen eindrucksvollen Kontrast zum pulsierenden Leben auf den Straßen der kambodschanischen Hauptstadt bildet.

Eine unvergleichliche Atmosphäre empfängt Sie auf der Uferpromenade am Fluss Tonle Sap, der weiter südlich in den Mekong mündet. Auf der Promenade mit dem Namen Sisowath Quay reihen sich Straßencafés, Bars und Restaurants aneinander und es herrscht ein buntes Treiben. Zahlreiche Galerien und Souvenirshops laden zu einem Besuch ein und in traditionellen Garküchen können Sie exotische Snacks probieren. Die Sicherheitslage ist in dem Gedränge, unter anderem wegen der unzureichenden Polizeipräsenz, brisant. Taschendiebstählen beugen Sie vor, indem Sie Wertsachen wie Uhren und Schmuck im Hotel lassen und nur eine begrenzte Menge an Bargeld mitführen.

Im Zentrum von Phnom Penh liegt mit dem Zentralmarkt eine bedeutende Sehenswürdigkeit der kambodschanischen Hauptstadt, deren Besuch Sie sich nicht entgehen lassen dürfen. Das Gebäude des Central Market liegt rund 15 Gehminuten vom Königspalast entfernt und überzeugt mit seiner außergewöhnlichen Architektur im Art déco Stil. Es wurde zwischen 1935 und 1937 von einem französischen Architekten errichtet und empfängt Sie mit einer Welt fremdartiger Gerüche und einer permanenten Geräuschkulisse. In den Hallen drängen sich die bunten Stände der Händler aneinander, die auf den Auslagen die unterschiedlichsten Waren präsentieren. Vom Kunsthandwerk, über Schmuck und Lederwaren bis hin zu DVDs und Bekleidung ist im Zentralmarkt alles zu bekommen. Zwischen 2009 und 2011 wurde das Gebäude aufwendig renoviert und um einige überdachte Marktbereiche erweitert. Allein wegen der reizvollen Architektur gehört ein Besuch im Zentralmarkt zum Pflichtprogramm während eines Aufenthaltes in Phnom Penh.

Knapp einen Kilometer vom Zentralmarkt entfernt liegt mit Wat Phnom der berühmteste buddhistische Tempel in Phnom Penh, der gleichzeitig als Namensgeber für die Stadt fungierte. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1372 und wurde auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel erbaut. Der Tempel ist von einem grünen Park umgeben und für den Eintritt wird von Touristen ein kleiner Obolus verlangt. Neben dem Zentralmarkt gehört der Russische Markt im Süden von Phnom Penh zu den meistbesuchten Märkten in der kambodschanischen Hauptstadt. Den Namen verdankt der Markt seiner Popularität unter russischen Einwanderern. Das Angebot ist noch vielfältiger und bunter als im Zentralmarkt. Sehenswert ist der ausgedehnte kulinarische Bereich, wo Sie sämtliche Spezialitäten der kambodschanischen Küche probieren können.

Ein entspannter Ausflug mit dem Boot führt Sie auf die Flussinsel Koh Dach, die nur wenige Kilometer flussaufwärts von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt liegt. Binnen weniger Minuten haben Sie das hektische Treiben in den Straßen der kambodschanischen Hauptstadt hinter sich zurückgelassen und tauchen in eine Welt der Ruhe ein. Nach einer kurzen Überfahrt genießen Sie die idyllischen Flusslandschaften und erfahren Wissenswertes über die Seidenweberei. Die Mehrzahl aller Inselbewohner lebt direkt oder indirekt von diesem Industriezweig. Vor Ort können Sie den Seidenwebern bei der Arbeit über die Schulter schauen und fertige Endprodukte direkt vom Hersteller erwerben. Darüber hinaus können Sie auch Holzschnitzern, Töpfern und Tuchfärbern bei der Arbeit zusehen. Lohnende Ausflugsziele sind die drei Pagoden auf der Insel Koh Dach.

Ein beklemmendes Gefühl beschleicht die Urlauber bei einem Besuch im Tuol Sleng Genozid Museum. Zwischen 1975 und 1979 war das Gebäude ein Gefängnis der Roten Khmer, die unter dem Diktator Pol Pot eine Schreckensherrschaft in Kambodscha errichteten. Folter und willkürliche Hinrichtungen waren an der Tagesordnung und die Gefangenen vegetierten in diesem Gefängnis unter unmenschlichen Bedingungen dahin. Gespräche der Gefangenen untereinander waren bei Strafe verboten und es durfte weder geweint noch gelacht werden. Bei Zuwiderhandlungen drohten Schläge, Elektroschocks und das minutenlange Untertauchen in Wasserbottichen. Unzählige Schriftstücke mit Biografien der Gefängnisinsassen und unter Folter erpressten Geständnissen dokumentieren die menschenunwürdigen Zustände in dem Gefängnis. Die schonungslose Präsentation der Gräueltaten der Roten Khmer hinterlässt bei vielen Museumsbesuchern einen nachhaltigen Eindruck.

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