Roluos Gruppe - drei Tempelbauten

Als Roluos Gruppe wird eine Ansammlung von drei Tempelbauten aus dem 9. Jahrhundert bezeichnet, die sich rund 12 Kilometer östlich der Stadt Siem Reap befinden.

Kambodscha Roluos Gruppe
Kambodscha Roluos Gruppe

In der Nähe des kambodschanischen Dorfes Roluos erheben sich drei Tempel, die im 9. Jahrhundert eingeweiht wurden und sich einst im Herzen der Khmer-Hauptstadt Hariharalaya befunden haben. Die Roluos Gruppe befindet sich knapp 15 Kilometer nördlich des Binnensees Tonle Sap in der Provinz Siem Reap. Unter König Jayavarman II., der von 790 bis 835 das Khmer-Reich regierte, entstand in der Nähe von Roluos die einstige Hauptstadt. Sein Nachfolger ließ zur Mitte des 9. Jahrhunderts die Tempelanlagen Prei Monti und Trapéang Phong errichten, deren Ruinen sich etwa einen Kilometer von der Roluos Gruppe entfernt befinden. Zur Zeit der Regentschaft von König Indravarman I. entstanden die Tempel Preah Ko und Bakong und der Inseltempel Lolei, die heute als Roluos Gruppe bezeichnet werden. Der Sohn des Königs verlegte den Regierungssitz schließlich nach Angkor und beendete damit die Ära von Hariharalaya als Hauptstadt des Khmer-Reiches.

Preah Ko ist der älteste Tempel der Roluos Gruppe. Eine Inschrift besagt, dass er im Jahr 880 eingeweiht wurde. Das Bauwerk war dem hinduistischen Gott Shiva gewidmet. Die Tempelanlage besteht aus einer Plattform, auf der sich sechs turmartige Bauten erheben. Das zentrale Heiligtum wird von einem breiten Wassergraben umgeben und von zwei Maueranlagen aus Laterit-Ziegeln umschlossen. Den Zugang zum Gelände markieren Tortürme, die als Gopuram bezeichnet werden. Charakteristisch für den Baustil der damaligen Zeit ist der quadratische Wassergraben, der die Tempelanlage umschließt. Gemeinsam mit den als Bibliotheken bezeichneten Nebengebäuden bildete Preah Ko die Vorlage für zahlreiche weitere Tempelbauten, die in ähnlicher Weise errichtet wurden. Drei Steinskulpturen stehen vor dem Heiligtum. Sie zeigen den hinduistischen Gott Shiva auf seinem Reittier, dem Ochsen Nandi. Bemerkenswert sind die gut erhaltenen filigranen Reliefs über den Türstürzen, die Szenen aus dem Leben Shivas zeigen.

Der Tempel Bakong erhebt sich auf einem fünfstufigen Tempelberg und ist die größte Anlage der Roluos Gruppe. Er wurde im Jahr 881 eingeweiht und erinnert in seinem Aufbau an eine Pyramide. Bakong erfüllte eine Funktion als Staatstempel für König Indravarman I. Dieser Tempel war ebenfalls dem Gott Shiva geweiht und Inschriften deuten auf eine Vergöttlichung des Khmer-Herrschers hin. Die gesamte Anlage ist von mit Wasser gefüllten Umfassungsgräben umgeben, die bis zu eine Million Kubikmeter Wasser aufnehmen können. Straßen führen von der Tempelanlage in alle vier Himmelsrichtungen. Die fünfstufige Tempelpyramide besteht aus großen Sandsteinblöcken und besitzt eine Höhe von 14 Metern. Auf der Spitze soll sich einst ein Shiva-Schrein befunden haben, von dem heute nichts mehr übrig ist. An der Basis der Pyramide gruppieren sich acht kleinere Kulträume mit Nischen, die mit Steinfiguren ausgestattet sind. Anstelle des Schreins erhebt sich auf der Spitze der Pyramide ein Turm, der erst in späteren Jahrhunderten hinzugefügt wurde und in seiner Architektur an die Tempelanlage Angkor Wat erinnert.

Die Tempelanlage Lolei ist das dritte Bauwerk der Roluos Gruppe und gleichzeitig das jüngste. Die Einweihung erfolgte einer Inschrift in einem Stein zufolge im Jahr 893. Der Tempel war den Vorfahren des Königs Yasovarmans I, gewidmet. Einst war die Anlage von einem quadratischen Wassergraben mit einer Gesamtlänge von 3.800 Metern umgeben, der heute ausgetrocknet ist. Vier Turmbauten bilden das zentrale Heiligtum des Komplexes. Sie besitzen eine quadratische Grundfläche mit einer Kantenlänge von sechs Metern. Während die Türme aus Lehmziegeln errichtet wurden, bestehen die Rahmen, Giebel und Türstürze aus Sandstein. Sie sind mit kunstvollen Reliefs und Steinmetzarbeiten versehen und zeigen Figuren aus der hinduistischen Mythologie. Von den vier Türmen sind heute noch zwei erhalten. Die beiden anderen Bauwerke sind weitestgehend verfallen. Auf dem Areal des Tempels Lolei befindet sich in der Gegenwart eine buddhistische Klosteranlage.

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