Christ Church in Malacca - Kolonialzeit-Baustil

Die Christ Church in Malacca ist eine anglikanische Kirche aus der Kolonialzeit, die unter der Herrschaft niederländischer Kolonialherren im 18. Jahrhundert errichtet wurde.

St.Paul's Church
St.Paul's Church (Vorgänger der Christ Church)

Im 17. Jahrhundert tobte unter den europäischen Staaten ein Verteilungskampf um die Kolonien in Südostasien. Im Zuge dieser Aufteilungskämpfe wurde die Stadt Malacca in Malaysia im Jahr 1641 von den Niederländern erobert. Die portugiesischen Kolonialherren zogen sich aus der Stadt zurück und überließen den neuen Besitzern die Region. Mit der Eroberung ging die Ächtung des römischen Katholizismus einher und die bestehenden katholischen Gotteshäuser wurden in evangelische Kirchen umgewandelt. Hauptkirche der niederländischen Gemeinde war bis zur Errichtung der Christ Church die alte St. Pauls Kirche auf dem Gipfel des Bergs St. Paul Hill. Sie wurde im Zuge der Reformationsbewegungen in High Church umbenannt. Einhundert Jahre nach der niederländischen Eroberung der Stadt beschlossen die Einwohner im Jahr 1741 den Bau einer neuen Gemeindekirche, die das alternde Bauwerk auf dem St. Paul Hill ersetzen sollte.

Den Grundstein für die neue Kirche legte der damalige Bürgermeister von Malacca Abraham de Wind im Namen seines Vaters. Claas de Wind war ein prominenter Bürger der Gemeinde Malacca und schaffte es bis zum stellvertretenden Gouverneur. 12 Jahre später war die neue Kirche fertiggestellt und wurde 1753 als Bovenkerk feierlich eröffnet. Mit der Unterzeichnung des anglo-holländischen Vertrages im Jahr 1824 fiel Malacca an das Königreich Großbritannien. Im Jahr 1838 wurde die Bovenkerk an die Kirche von England angeschlossen und in Christ Church umbenannt. Das Gebäude war ursprünglich weiß getüncht und erhielt im Jahr 1911 den charakteristischen roten Farbanstrich. Neben der Kirche steht das ehemalige Rathaus, in dem der niederländische Gouverneur seinen Sitz hatte. Es wurde im Jahr 1650 erbaut und trägt noch heute die Aufschrift "Stadthuys". Gemeinsam mit dem benachbarten Stadthuys steht die Christ Church heute als Wahrzeichen für die Periode der holländischen Kolonialherrschaft in Malacca.

Die Architektur der Christ Church ist ein typisches Beispiel für den Kolonialstil des 18. Jahrhunderts. Die Grundfläche besteht aus einem Rechteck mit einer Kantenlänge von 25 × 13 Metern. Die Deckenhöhe beträgt 12 Meter und wird von einer Holzkonstruktion überspannt. Die Balken bestehen aus einem einzigen Baumstamm. Das Dach wurde im traditionellen Stil mit Ziegeln aus Holland gedeckt. Die Wände bestehen aus tropischem Laterit-Gestein, die mit chinesischem Putz beschichtet wurde. Der Fußboden der Christ Church ist mit Granit gepflastert. Das harte Gestein diente einst als Ballast für die Handelsschiffe. Nach der Übernahme von Malacca durch die britische Krone wurden einige Fenster der Kirche zugemauert. Die übrig gebliebenen Öffnungen wurden aufwendig verziert. Die Sakristei und die Vorhalle im Innenraum der Christ Church erhielten zur Mitte des 19. Jahrhunderts ihr heutiges Aussehen.

Bemerkenswert sind Grabsteine, die in den Fußboden der Kirche eingelassen wurden. Sie tragen sowohl portugiesische als auch armenische Inschriften. Darüber hinaus schmücken Gedenktafeln mit Sprüchen in deutscher, englischer und armenischer Sprache den Innenraum. Eine Besonderheit weist die Kirchenglocke der Christ Church auf. Sie trägt das Datum 1698. Da die Kirche erst zur Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde, weist diese Jahreszahl auf eine andere Verwendung der Glocke vor der Errichtung des Gotteshauses hin. Zahlreiche schriftliche Aufzeichnungen aus der Christ Church, wie das Kirchenbuch und das Taufregister, haben die Zeit seit der niederländischen Kolonialherrschaft überdauert. Die wertvollen Dokumente, deren Entstehungszeit bis in das 18. Jahrhundert zurückreicht, werden im Nationalarchiv Malaysias aufbewahrt. Die silbernen Altargefäße aus der Gründungszeit des Gotteshauses wurden durch Kopien ersetzt und werden nur zu bedeutenden Anlässen präsentiert. Die Altarbibel besitzt eine aufwendig gearbeitete Abdeckung aus Messing und trägt niederländische Schriftzeichen. Das Gebäudeensemble am Roten Platz in Malacca ist ein eindrucksvolles Beispiel für den Baustil der Kolonialzeit. Seit 2008 gehören große Teile des historischen Stadtzentrums zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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