Die Malediven und ihre Geschichte – ein Überblick

Kein Thema ist in der Geschichte der Malediven so widersprüchlich wie die Erstbesiedlung der Inseln. Wahrscheinlich waren die Malediven bereits früh auch in der westlichen Welt bekannt. Der Geograf Claudius Ptolemäus, der sehr wahrscheinlich in den Jahren 100 bis 180 lebte, erwähnte in seinen Aufzeichnungen Inseln, die nach heutiger Erkenntnis die Malediven sind.

Malediven Geschichte
Malediven Geschichte

Es wird davon ausgegangen, dass die ersten Siedler der Inseln Singhalesen aus dem indischen Gujarat waren. Zu den späteren Bewohnern zählten unter anderem auch arabische Händler, die mit ihren Booten häufig an den Riffen der Inseln strandeten und sich letztendlich hier niederließen.

Die Araber brachten den Islam mit sich und so ist dies bereits seit dem 12. Jahrhundert die dominierende Religion im Inselstaat. Ab diesem Zeitpunkt gibt es auch schriftliche Chroniken und so lässt sich die Geschichte der Malediven von da an nachvollziehen. Als Sultanat wurden die Malediven im Lauf der Zeit von einer Vielzahl an Herrschern regiert. Im 14. Jahrhundert wurde die erste Frau, Khadeeja Rehendi Kabaidhi, Sultanin auf den Malediven und regierte 35 Jahre lang.

Zwar war die Bevölkerung auf den Inseln dem islamischen Glauben zugetan, arabische Moslems reagierten dennoch mit Entsetzen auf die Malediver, weil diese einige Bräuche einführten, die man so in Arabien nicht lebte. Beispielsweise trugen die Frauen hier nie ein Gesichtstuch und bekleideten sich teilweise auch nur mit einem Hüfttuch. Auch bei den Heiratssitten gab es auf den Malediven deutliche Unterschiede und dies hat sich bis heute kaum geändert.

Die Portugiesen kamen Anfang des 16. Jahrhunderts auf die Malediven. Sie besetzten erst Ceylon (das heutige Sri Lanka) und Südindien und wurden dann im Jahr 1558 von Hassan IX gebeten, gegen aufständische Malediver vorzugehen. Diese Gelegenheit nutzten die Portugiesen, um unter der Führung von Andreas Andre den Inselstaat zu besetzen. Sie zerstörten sämtliche Moscheen und bauten Kirchen, um die einheimische Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren. Sie stießen dabei jedoch auf eisernen Widerstand. Unter Führung von Mohammed Thakrufaan starteten die Malediver einen Guerillakrieg und wurden dabei durch die Malabaren unterstützt. Thakrufaan konnte die Portugiesen im Jahr 1573 besiegen und wurde zum neuen Sultan gewählt. In der Geschichte der Malediven wird er als großer Volksheld besonders verehrt.

Auch viele Sultane nach ihm mussten sich gegen Angriffe der Portugiesen schützen. Am erfolgreichsten dabei war der Sultan Ibrahim Iskandhar, der von 1648 bis 1687 herrschte. Er gründete unter anderem die erste Schule auf den Malediven sowie die älteste noch bestehende Moschee des Inselreichs, die Hukuru Miskiiy in Malé.

Ab dem 17. Jahrhundert waren nicht mehr die Portugiesen auf Ceylon als herrschende Macht vertreten, sondern die Holländer. Diese waren mehr am Handel als an der Eroberung interessiert und so unterhielten sie mit den Malediven ein loses Tributverhältnis. Diese Ruhe währte allerdings nur bis ins Jahr 1802, als die Engländer Ceylon übernahmen und sich unter der Leitung von Kapitän Moresby daranmachten, die Malediven kartografisch zu erfassen. Für viele englische Seekarten dienen seine Aufzeichnungen noch heute als Grundlage.

Im Jahr 1887 wurden die Malediven zum britischen Protektorat. Der entsprechende Vertrag verpflichtete den Inselstaat dazu, kein Abkommen mit anderen Ländern einzugehen. Als Gegenleistung erhielten die Inseln Schutz durch England und mussten dafür einen Tribut an die Engländer zahlen. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Engländer auf der Insel Gan einen Luftwaffenstützpunkt, dieser wurde aber im Jahr 1976 aufgelöst. Die Insel ist heute eine Touristeninsel.

Ab etwa 1932 begann auf den Malediven ein Demokratisierungsprozess. Der damalige Sultan Shamsuddin III wandelte das absolute Sultanat in ein konstitutionelles Reich um. Die erste Republik wurde 1953 von Amin Didi ausgerufen, der allerdings nicht Sultan werden wollte. Als erster Präsident der Malediven führte er viele Reformen durch und verbesserte das Schulsystem. Unter anderem kam es unter seiner Herrschaft zum Ausbau des ersten Stromnetzes in der Hauptstadt Malé. Er war allerdings im Volk nicht sehr populär und wurde nach nur neun Monaten im Amt in Malé erschossen.

Ihm folgte wieder ein Sultan von 1954 bis 1968. Unter der Herrschaft von Mohammed Fareed kam es zu einem Putsch, der von Afif Didi geführt wurde. Der Grund für diesen Putsch war die erneute Zusammenarbeit mit den Engländern. Erst 1965 wurden die Malediven offiziell von Großbritannien unabhängig. Die Republik wurde am 11.11.1968 von Ibrahim Nasir erneut ausgerufen und besteht seitdem. Von 2008 bis Anfang 2012 war Mohamed Nasheed Präsident der Malediven. Ihm folgte 2012 Mohammed Waheed Hassan als Präsident nach, nachdem Nasheed aufgrund wochenlanger Proteste durch die Opposition zurücktreten musste. In dieser Phase kam es auch zu Unruhen im sonst friedlichen Inselstaat.

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