Nepal und seine Geschichte - ein kurzer Überblick

Die älteste Geschichte des Landes ist, wie so vieles in Nepal, eng mit Mythen und Legenden verbunden. Bevor die ersten historischen Dokumente entstanden, die den Beginn der nepalesischen Geschichtsschreibung markieren, war das Kathmandu-Tal, in dem die heutige gleichnamige Hauptstadt liegt, ein mit Wasser angefüllter, riesiger Gebirgssee.

Einer berühmten Legende nach soll sich der Ur-Buddha als Swayambhu – "der durch sich selbst Seiende" – in der Mitte dieses Sees dem chinesischen Bodhisattva Manjushri offenbart haben. Dass der Bergsee tatsächlich existierte und durch ein Erdbeben versiegte, gilt als eindeutig bewiesen.

Nach dem Verschwinden des Wassers wanderten viele Menschen aus umliegenden Gebieten ein und vereinigten sich zum Mischvolk der sogenannten Newar, die aufgrund der guten landwirtschaftlichen Bedingungen aber auch dank ihrer herausragenden handwerklichen Fähigkeiten bis heute das Bild Kathmandus prägen. So entstand bereits im 7. Jahrhundert im Kaiserreich China der von den Nepalesen aus dem Kathmandu-Tal entwickelte Pagoden-Baustil, der sich auch in Japan ausbreitete.

Die Vorgänger des Newar-Volkes waren ursprünglich indo-arischer und auch tibeto-burmesischer Herkunft mit einer eigenständigen Kultur und Sprache. Sie betrieben etwa in der Zeit zwischen 350 bis 750 n. Chr. in der Licchavi-Epoche intensiven Handel mit den benachbarten Großmächten im Süden und Norden und fungierten parallel auch als Vermittler zwischen diesen Ländern. Daher genießen die zeitgenössischen Newars noch immer hohes Ansehen in der nepalesischen Gesellschaft.

Nach der Frühgeschichte und den damit verbundenen Legenden begann in Nepal eine dokumentierte Geschichtsschreibung im 4. Jahrhundert n. Chr. Damals wurde das Land von aus Indien stammenden hinduistischen Dynastien beherrscht, die ihren Wirkungskreis über die Grenzen Kathmandus hinaus bis zu den Siedlungen im südlichen Flachland, dem heutigen Terai, ausweiteten. So ist auch zu erklären, dass der buddhistische Glaube sich nie gegen den Hinduismus behaupten konnte, auch wenn diese Religionen viele Jahre friedlich nebeneinander existierten. Als Konsequenz wurden die buddhistischen Newar in das hinduistische Gesellschaftssystem integriert, wobei buddhistische Mönche den gleichen Status wie hinduistische Brahmanen erhielten.

Im 15. Jahrhundert zerfiel das Reich in drei verschiedene Königtümer – Kathmandu, Patan und Bhaktapur – deren Rivalität bis 1768 die Geschichte des Landes politisch, religiös und künstlerisch prägte. Doch unabhängig von diesen Spannungen erlebte das Kathmandu-Tal wirtschaftliche Blütezeiten und großen Wohlstand. Im monarchisch regierten Nepal herrschte während der kommenden Jahrhunderte ein permanenter Wechsel verschiedener hinduistischer Dynastien, von denen die Sha-Dynastie bis heute fortbesteht. 1845 übernahm die Sippe Jang Bahadurs aus der Rana-Dynastie die Macht, die von 1846 bis 1951 diktatorisch regierte und deren neues Regierungssystem vorsah, dass das Amt des Ministerpräsidenten erblich sei und der König nur noch nominell seine Macht behalten sollte.

Während der gesamten Rana-Ära war Nepal von umliegenden Staaten nahezu abgeriegelt, sodass nur wenige Besucher unter scharfen Sicherheitsbestimmungen das Land bereisen konnten. Erst 1950 wurde das Regime durch König Tribhuvan mit der Unterstützung Indiens zu Fall gebracht und die Grenzen geöffnet. Nach dem Tod des Königs 1955 wurde im Dezember 1960 eine neue Verfassung in Form einer geschichtlich bisher einzigartigen Hindu-Monarchie in Kraft gesetzt: das parteilose System der Panchayat-Demokratie, das alle politischen Parteien streng untersagte.

Nach blutigen Unruhen kehrte das nepalesische Volk mit der Verfassung von 1990 schließlich zur konstitutionellen Monarchie zurück, die 1996 durch die maoistische Guerillaorganisation Jana Yudha ("Volkskrieg") bekämpft wurde. Diese Gruppierung hatte es sich zum Ziel gesetzt, soziale Gerechtigkeit zu schaffen und der Korruption und Polizeiwillkür in Nepal ein Ende zu setzen. Parallel zu diesen Auseinandersetzungen machten auch andauernde Regierungswechsel dem Land wirtschaftlich schwer zu schaffen.

2002 löste König Gyaendra auf Antrag der Regierung das Parlament auf, 2005 setzte er das Kabinett ab und verhängte den Ausnahmezustand. Unter dem Druck der Bevölkerung musste der König jedoch der Wiedereinsetzung des Parlaments zustimmen und den ehemaligen Premierminister in sein Amt zurückberufen. Im gleichen Jahr wurde durch Vermittlung der UNO ein Friedensabkommen zwischen dem Premierminister und dem Rebellenchef geschlossen und die Maoisten unter Kontrolle der Vereinten Nationen entwaffnet. Die endgültige Entmachtung des Königs, der 2002 kurzzeitig die Staatsmacht an sich gerissen hatte, führte 2007 dazu, dass die Funktion des Staatsoberhauptes auf den amtierenden Regierungschef Koirala überging und die Zahl der Touristen im Land nach dem Waffenstillstand wieder stetig anstieg.

Nachdem Nepal 2008 unter dem neuen Präsidenten Ram Baran Yadav endgültig zur Republik erklärt worden war, erhielt der frühere Rebellenführer Prachanda im gleichen Jahr das Amt des neuen Regierungschefs. Die Mitwirkung der Maoisten in der Landesregierung setzt sich bis heute fort.

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