Russland und seine Geschichte - ein Überblick

Frühe Siedlungspuren aus der Altsteinzeit weisen auf eine frühzeitige Besiedlung des heutigen Russlands durch Jäger und Sammler hin. Die Geschichte des Landes begann im 9. Jahrhundert mit der Entstehung des mittelalterlichen Großreiches Kiewer Rus.

Russland Geschichte
Russland Geschichte

Die Entwicklungsgeschichte Russlands erfolgte weitestgehend losgelöst von der europäischen Geschichte und ist von mehrfachen Umbrüchen gekennzeichnet. Als Vorläufer des heutigen Russlands gilt das mittelalterliche Großreich Kiewer Rus mit der heute auf ukrainischem Staatsgebiet liegenden Stadt Kiew als politisches und wirtschaftliches Zentrum. Dabei handelte es sich um den ersten ostslawischen Staat, der im 9. Jahrhundert gegründet wurde. In den südlich gelegenen Steppenregionen entstanden zur gleichen Zeit eigenständige Reiche, die von asiatischen Turkvölkern und Wolgabulgaren gegründet wurden. Die Kiewer Rus unterhielt enge Handelsbeziehungen zum Byzantinischen Reich, die im Jahr 988 schließlich in der Christianisierung der Kiewer Rus mündeten.

Ab dem 12. Jahrhundert begann der Zerfall des mittelalterlichen Großreiches in einzelne Fürstentümer, die untereinander zerstritten waren. Ab 1223 fielen Mongolen aus dem asiatischen Raum in die Region ein, die von 1240 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts zur dauerhaften Unterwerfung der Fürstentümer der Kiewer Rus führte. Die Invasion aus dem Osten wird als Mongolensturm bezeichnet und zeitweise drangen die Krieger bis nach Osteuropa vor. Zahlreiche Städte wurden verwüstet und die 200-jährige Fremdherrschaft führte zu einer vollständigen Abkapselung des orthodoxen Russlands von Westeuropa und zum Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen.

Die russischen Fürstentümer im Norden und Westen mussten sich in der Folge gegen Angriffe von Ordensrittern, Schweden und Litauern zur Wehr setzen. Dabei erwies sich das Fürstentum Moskau als besonders wehrhaft und durchsetzungsfähig. Dem Großfürsten Dmitiri Donskoi gelang es, mehrere Fürstentümer zu einen und im Jahr 1380 wurde in der Schlacht auf dem Schnepfenfeld ein richtungsweisender Sieg über die sogenannte Goldene Horde der Mongolen errungen. Unter Iwan dem Großen wurde die Vorherrschaft der Mongolen beendet und der Fürst wurde damit praktisch zum Begründer des ersten russischen Staates mit einer zentralistischen Regierung. Schritt für Schritt gliederte er die russischen Fürstentümer in das Reich ein.

Unter Iwan dem Großen wurden große Teile des Moskauer Kremls errichtet, der heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Sein Enkel Iwan IV. wurde im Jahr 1547 zum ersten russischen Zaren gekrönt. Unter seiner Herrschaft wurden die Tatarenhauptstadt Kasan eingenommen und weite Teile Sibiriens erobert. Im 17. Jahrhundert drangen russische Kosaken erstmalig bis an den Pazifischen Ozean vor und legten damit den Grundstein für die Ausdehnung des russischen Zarenreiches bis in den Fernen Osten.

Der Anspruch auf die westlichen Teile der Rus, die größtenteils vom Großfürstentum Litauen beherrscht wurden, führte im 16. und 17. Jahrhundert zu andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen mit Litauen und Polen. Die Russisch-Litauischen Kriege zogen sich über mehrere Jahrhunderte hin und waren zum Ende des 16. Jahrhunderts zunehmend von russischer Überlegenheit geprägt.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgt unter Peter dem Großen eine Annäherung des russischen Zarenreiches an Westeuropa. Er gründete im Jahr 1703 die Stadt Sankt Petersburg, die im Jahr 1712 Hauptstadt des russischen Zarenreiches wurde. Nach dem Sieg über Schweden erlangt Russland eine Vormachtstellung im Ostseeraum. Zar Peter der Große benannte zum Ende seiner Regierungszeit das Zarenreich in "Russisches Kaiserreich" um. Die Expansionspolitik von Peter dem Großen wurde unter Katharina der Großen weiter fortgeführt.

Im Jahr 1812 drangen die Truppen Napoleons bis nach Moskau vor und wurden anschließend vernichtend geschlagen. Nach dem Wiener Kongress in den Jahren 1814/1815 festigte sich die Position Russlands auf dem europäischen Kontinent. Erst nach dem verlorenen Krimkrieg zur Mitte des 19. Jahrhunderts verlor das Land wieder ein Einfluss. Versorgungsengpässe und Unzufriedenheit in der Bevölkerung führten während des Ersten Weltkrieges im Jahr 1917 zum Sturm auf den Winterpalast in Sankt Petersburg, der als kommunistische Oktoberrevolution in die Geschichtsbücher einging. Unter Lenin wurde die Hauptstadt nach Moskau verlegt und im Jahr 1918 wurde die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik als Vorgänger der Sowjetunion gegründet.

Nach dem Tod des Kommunistenführers Lenin kam es zu Machtkämpfen zwischen Leo Trotzki und Josef Stalin, die mit einer Niederlage Trotzkis endeten. Die Manifestation der Macht setzte Stalin mit gezieltem Terror gegen die eigene Bevölkerung durch. Am 22. Juni 1941 erfolgte nach dem Überfall deutscher Truppen der Eintritt Russlands in den Zweiten Weltkrieg. Nach der Niederlage Hitler-Deutschlands sicherte sich die Sowjetunion großen Einfluss in den Ostblockstaaten. Bis zum Jahr 1989 dominierte der Kalte Krieg zwischen den Westmächten und dem Ostblock das Geschehen in der Welt. Michail Gorbatschow leitete ab 1987 einen Prozess der politischen Erneuerung ein, die im Jahr 1991 in der Auflösung der UdSSR mündete. Seit 1992 ist Russland eine Föderale Republik.

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