Bernsteinzimmer - verschollen und rekonstruiert

Das Bernsteinzimmer war ein Geschenk des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter I. und befand sich bis zum Zweiten Weltkrieg im Katharinenpalast nahe St. Petersburg. Seither ist es verschollen.

Bernstein
Bernstein

Beim Bernsteinzimmer handelt es sich um einen Raum mit einer Wandvertäfelung aus Bernstein, der im Auftrag des preußischen Königs Friedrich I. angefertigt wurde. Ursprünglich war das Bernsteinzimmer für das Charlottenburger Schoss in Berlin bestimmt, wurde jedoch nach der Fertigstellung zu Beginn des 18. Jahrhunderts im Berliner Stadtschloss eingebaut. Während eines Aufenthaltes in Preußen begeisterte sich der russische Zar Peter der Große für den kunstvoll gestalteten Raum. Zwischen dem preußischen Soldatenkönig und dem russischen Zaren kam es zum Austausch von Geschenken, in deren Verlauf das Bernsteinzimmer nach Russland gelangte und zunächst im St. Petersburger Winterpalast eingebaut wurde. Später ließ die russische Zarin Elisabeth das Zimmer deinstallieren und im Katharinenpalast in der Stadt Puschkin wieder einbauen.

Rund 200 Jahre lang befand sich das Bernsteinzimmer im Katharinenpalast bei St. Petersburg, bis die ehemalige Sommerresidenz der russischen Zarin im Jahr 1941 während des Zweiten Weltkrieges von den Truppen der deutschen Wehrmacht eingenommen und als Unterkunft genutzt wurde. Die kostbaren Wandvertäfelungen des Bernsteinzimmers konnten von den sowjetischen Organen nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Ab dem 14. Oktober des Jahres 1941 wurde das Bernsteinzimmer von Angehörigen der deutschen Wehrmacht innerhalb von 36 Stunden abgebaut, in 28 Kisten verpackt und in das ostpreußische Königsberg transportiert. Teile des Bernsteinzimmers wurden dort ab November 1941 im Königsberger Schloss ausgestellt. Britische Luftangriffe lösten im August 1944 einen Brand im Königsberger Schloss aus, der dazu führte, dass die Wandvertäfelungen demontiert und in Kisten im Kellergewölbe eingelagert wurden. Danach verliert sich die Spur des Bernsteinzimmers.

Seit 1945 gibt das mysteriöse Verschwinden des Bernsteinzimmers Anlass zu Mutmaßungen und Spekulationen über den Verbleib. Unzählige Forscher aus allen Teilen der Welt beteiligten sich an der Suche und mehrere Hundert Orte standen seither im Fokus der Ermittler. Nachgewiesen ist bislang lediglich der letzte Sichtungsort des Bernsteinzimmers in der Stadt Königsberg. Vermutungen, dass die kostbaren Wandvertäfelungen während der britischen Luftangriffe 1944 oder bei der Einnahme von Königsberg durch die Rote Armee verbrannt seien, haben sich bislang nicht bestätigt. Die riesigen Kellergewölbe des Königsberger Schlosses existieren noch heute und nicht alle Räume wurden bisher freigelegt. Der Schlosskomplex selbst wurde bei den Kampfhandlungen stark beschädigt und im Jahr 1968 auf Befehl der Sowjetregierung abgerissen. Der Verbleib des Bernsteinzimmers gibt bis in die Gegenwart Anlass zu Spekulationen.

Im Jahr 1976 wurde im Katharinenpalast bei St. Petersburg mit der Rekonstruktion des Bernsteinzimmers begonnen. Die Handwerker konnten sich dabei lediglich auf einige Schwarz-Weiß-Aufnahmen und wenige Farbfotografien stützen. Finanzierungsprobleme führten zwischenzeitlich zu einer Unterbrechung der Arbeiten, bis eine Spende der deutschen Ruhrgas AG in Millionenhöhe den Abschluss der Arbeiten ermöglichte. Anlässlich der 300-Jahr-Feier von St. Petersburg im Jahr 2003 wurde das fertiggestellte Bernsteinzimmer im Katharinenpalast der Öffentlichkeit übergeben. Bei diesem feierlichen Akt waren der damalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und der russische Präsident Putin zugegen. Der Teil eines Mosaiks aus dem Bernsteinzimmer wurde im Jahr 1996 auf dem "Grauen Kunstmarkt" in Deutschland zum Kauf angeboten. Nach der Beschlagnahmung durch die Bremer Polizei wurde festgestellt, dass es sich um ein Originalteil handelte, das während des Zweiten Weltkrieges gestohlen wurde.

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