Kaliningrad - russische Exklave

Kaliningrad ist die Hauptstadt der gleichnamigen russischen Exklave und liegt zwischen den EU-Ländern Polen und Litauen an der Ostseeküste.

Russland Kaliningrad
Russland Kaliningrad

Kaliningrad ist eine Großstadt mit rund 431.000 Einwohnern und liegt im westlichen Teil der Oblast Kaliningrad. Dabei handelt es sich um eine russische Exklave, die im Westen von Polen und im Osten von Litauen begrenzt wird. Bis zum Jahr 1946 gehörte die Stadt zu Ostpreußen und war unter dem Namen Königsberg bekannt. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurden Kaliningrad und der gesamte nördliche Teil Ostpreußens Teil der Sowjetunion und gehören seit 1991 zu Russland. Die Metropole liegt am Fluss Pregel, der westlich von Kaliningrad in das Frische Haff mündet. Dabei handelt es sich um eine große Meeresbucht in der Ostsee, die durch eine schmale, 70 Kilometer lange Halbinsel von der Danziger Bucht getrennt ist. Diese sogenannte Frische Nehrung besitzt mit dem Königsberger Seekanal einen schiffbaren Durchlass, der im Jahr 1901 eröffnet wurde und Kaliningrad damit einen Zugang zum offenen Meer ermöglichte.

Die Geschichte von Kaliningrad reicht zurück in das Mittelalter, als Lübecker Kaufleute im 13. Jahrhundert an der Pregel-Mündung einen ersten Handelsstützpunkt errichteten. Die Streitmacht des Deutschen Ordens eroberte bis zum Jahr 1255 weite Teile des nördlichen Ostseeraumes und auf dem heutigen Stadtgebiet von Kaliningrad ließen die Ordensritter eine Burg mit der Bezeichnung Conigsberg errichten. Die Burg stand Pate bei der Namensgebung für die Stadt und zur Mitte des 13. Jahrhunderts begann die Geschichte der Ostseemetropole als Königsberg.

Ab 1525 gehört Königsberg zum Herzogtum Preußen und im Jahr 1701 wurde Friedrich I. in der Stadt zum ersten preußischen König gekrönt. Die Krönungszeremonie fand in der Schlosskirche statt, die sich auf dem Gelände des Königsberger Schlosses befand. Im Jahr 1724 wurde mit dem Philosophen Immanuel Kant der berühmteste Sohn der Stadt in Königsberg geboren. Um das Jahr 1800 zählte die Stadt an der Ostsee rund 60.000 Einwohner und gehörte zu den größten Städten Deutschlands vor Frankfurt/Main und Köln. Jahrhundertelang war Königsberg das geistige Zentrum des Königreiches Preußen und mit dem Bau der Preußischen Ostbahn wurde bereits im Jahr 1860 Königsberg mit Berlin über eine Bahnstrecke verbunden. Ein Jahr später wurde Wilhelm I. aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern in der Schlosskirche von Königsberg zum Preußenkönig gekrönt.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde zielgerichtet in die Verbesserung der Infrastruktur Königsbergs investiert. Besonders gefördert wurde die Stadt zur Zeit der Weimarer Republik ab 1924. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Stadt zum Sitz der Gauleitung Ostpreußen. Im Zweiten Weltkrieg blieb Königsberg durch die Lage im Nordosten des Deutschen Reiches lange Zeit von den Bombenangriffen der Alliierten Luftstreitkräfte verschont. Erst im August 1944 erfolgten massive Angriffe durch britische Bomberverbände, die heftige Zerstörungen im Stadtgebiet zur Folge hatten. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der nördliche Teil Ostpreußens mit der Stadt Königsberg unter sowjetische Kontrolle und blieb es bis zum Zerfall des kommunistischen Staates im Jahr 1991. Nach der Unabhängigkeit der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland wurde Kaliningrad eine russische Exklave ohne direkte Landverbindung zum russischen Mutterland. Kaliningrad ist der letzte gesicherte Standort für das im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen geraubte Bernsteinzimmer aus dem Katharinenpalast bei St. Petersburg. Seither ist das legendäre Bernsteinzimmer verschollen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile des Stadtgebietes von Kaliningrad zerstört und ein Großteil der historischen Bausubstanz fiel britischen Bombenangriffen zum Opfer. Heute besteht das einst dicht besiedelte Stadtzentrum zum großen Teil aus Parks und Grünanlagen. Die meisten zerstörten Gebäude wurden nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen und durch schmucklose Plattenbauten in Einheitsbauweise ersetzt. Am Standort des einstigen Königsberger Stadtschlosses, dessen Ruinen zu Sowjetzeiten abgetragen wurden, erhebt sich eine Bauruine aus den 60er Jahren. In den 16-stöckigen Betonklotz sollte die Stadtverwaltung einziehen, allerdings konnte das Gebäude mit der Bezeichnung Haus der Sowjets aus statischen Gründen nie genutzt werden. Zu den historischen Bauwerken, die nicht der Abrissbirne zum Opfer fielen, gehören das Königstor und das Friedrichsburger Tor. Das Königstor im Stadtteil "Neue Sorge" war Teil der Stadtbefestigung der alten preußischen Garnisonsstadt und stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Das Wahrzeichen von Kaliningrad ist der Königsberger Dom auf der Kneiphof-Insel. Die Grundmauern des gotischen Backsteinbaus stammen aus dem frühen 14. Jahrhundert. Im Jahr 1380 wurde das Gotteshaus eingeweiht, wenngleich der Innenausbau mit den Wandmalereien erst um das Jahr 1400 abgeschlossen wurde. Bei den Luftangriffen auf Königsberg im Jahr 1944 wurde der Dom zunächst leicht beschädigt und brannte anschließend vollständig aus. Unter sowjetischer Herrschaft bestand kein Interesse an der Rettung der historischen Bausubstanz und die Ruine blieb dem Verfall überlassen. Dass die Überreste des Doms nicht abgerissen wurden, liegt am Standort des Grabmal von Immanuel Kant unter den Ruinen. Erst nach der Auflösung der Sowjetunion begannen im Jahr 1993 Konservierungsmaßnahmen. Mit der Außensanierung des Gebäudes wurde im Jahr 1998 begonnen. Bis heute laufen die Renovierungsarbeiten im Königsberger Dom, der neben einer orthodoxen und einer evangelischen Kapelle das Dommuseum, das Kantmuseum und das Stadtmuseum beherbergt.

Neben diesen Museen gehört das Bernsteinmuseum zu den meistbesuchten Ausstellungen in Kaliningrad. Es ist im sogenannten Dohnaturm untergebracht, der einst Teil der Befestigungsanlagen der Stadt war. In den Ausstellungsräumen sind mehr als 14.000 Exponate zu bewundern. Darunter befinden sich Objekte mit Einschlüssen in Bernstein, Bernsteingegenstände aus der Jungsteinzeit und Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Besucher erfahren Details zur Entstehung des Bernsteins und zur Bedeutung als Schmuckgegenstand seit dem Altertum. Das Museum der Weltmeere befindet sich an Bord des Forschungsschiffes Witjas, das in Kaliningrad am Ufer des Flusses Pregel vor Anker liegt. Dort werden neueste Technologien in der Meeresforschung präsentiert und im nebenan liegenden U-Boot ist eine Ausstellung über die russische Unterseebootflotte untergebracht.

Immanuel Kant ist der berühmteste Sohn der Stadt Königsberg und hinter dem Dom befindet sich das Grabmal des deutschen Philosophen. Im Jahr 1995 wurde es im Zuge der Renovierungsmaßnahmen an dem Kirchengebäude restauriert. Das Standbild des Philosophen gehört zu den bedeutendsten Denkmälern in Kaliningrad. Das Original aus dem Jahr 1864 ging im Jahr 1945 verloren. Die heutige Statue ist eine Replik aus dem Jahr 1992. Den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg fiel auch die Statue Herzog Albrecht von Preußen zum Opfer. Eine Nachbildung des Standbildes mit einer zweisprachigen Inschrift kann heute auf der Kneiphof-Insel besichtigt werden.

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