Sri Lanka und seine Geschichte – ein kurzer Überblick

Über die ursprüngliche Besiedelung der Insel gibt es kaum historische Erkenntnisse. Lediglich Sagen und Legenden berichten darüber.

Sri Lanka Geschichte
Sri Lanka Geschichte - Teepflückerinnen in Sri Lanka

So erzählt das hinduistische Ramayana-Epos von einem wilden Dämonenvolk, dessen Fürst Ravana die edle Sita, Frau der Vishnu-Inkarnation Rama, geraubt hatte. Den singhalesischen Chroniken Mahavamsa zufolge trifft Buddha während seiner drei Besuche auf der Insel auf die wilden Urvölker Yakshas und Nagas, die er mit seiner Lehre bekehren kann.

Und im bekanntesten indischen Epos Mahabharata besiegt der nordindische Fürstensohn Vijaya das feindliche Volk der Yakshas, als er – ausgestoßen von seinem Vater in Nordindien – im 6. Jahrhundert v. Chr. mit 700 Kriegern auf der Insel landet. Obwohl Vijaya anfangs eine einheimische Frau ehelicht und mit ihr zwei Kinder zeugt, verstößt er diese wieder, um für sich und seine edelsten Anhänger eine Schiffsladung Jungfrauen aus Südindien kommen zu lassen. Anhand dieser Handlung wird ersichtlich, dass sich die Ankömmlinge in dieser Überlieferung den Ureinwohnern überlegen fühlten und zur Vermehrung ihres Volkes lieber unter sich blieben. Die mutmaßlichen Nachfahren der Yakshas leben noch heute auf Sri Lanka und werden Veddas genannt. Aus den Nachfahren der Indoarier hingegen soll die spätere singhalesische Bevölkerung auf Sri Lanka hervorgegangen sein.

Mit der Ankunft nordwestindischer Einwanderer im 5. Jahrhundert v. Chr. lüftet sich langsam der Schleier und man kann auf gesicherte historische Fakten zurückgreifen. Die Einwanderer kamen in mehreren Schüben an verschiedenen Hafenplätzen an und besiedelten zunächst kleinere Gebiete in der Trockenzone. Als Schaltstelle dieser kleineren räumlichen Einheiten entstand die Königsstadt Anuradhapura, wo dann über tausend Jahre lang die singhalesischen Könige residierten. Die umliegende Region wurde zu Rajarata – dem Königsland. Den ersten Siedlern folgten kurz nach deren Landung südindische Tamilen. Sie ließen sich ebenfalls dauerhaft auf der Insel nieder und versuchten ihre hinduistische Lehre zu verbreiten.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. traf König Devanampiya Tissa eine Entscheidung, die das Land bis heute prägt: Als amtierender Machtinhaber führte er die buddhistische Lehre als Staatsreligion ein und gründete in der Hauptstadt die erste buddhistische Gemeinschaft von Mönchen mit Mahavihara, dem Großen Kloster, als zentraler Stelle.

Die erste Vereinigung erfuhr das Land im 1. Jahrhundert v. Chr. unter Dutthagamani, dem Sohn des Königs Kavantissa von Ruhuna. Er verdrängte den vormaligen Machthaber Elara, der das Land bis dahin zwar jahrzehntelang vorbildlich regiert haben soll, aber als Emporkömmling galt, da er weder Buddhist noch Singhalese war.

Die kommenden Jahrhunderte waren von kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Singhalesen und Tamilen um die Vormachstellung im Land geprägt. In friedlichen Phasen kam es zwar auch zu Vermischungen unter den Völkern, dennoch blieben die Singhalesen vorwiegend im Süden der Insel beheimatet, während sich die Tamilen im Norden ansiedelten.

Anfang des 16. Jahrhunderts begann für Sri Lanka die Kolonialzeit. Mit dem Eintreffen der Portugiesen 1505 setzte ein reger Handel mit den kostbaren Naturprodukten der Insel ein. Besonders Zimt war bei den Europäern sehr gefragt. Die einheimischen Könige standen den Handelsverträgen zunächst sehr positiv gegenüber, da sie so ebenfalls Waren erwerben konnten, die kein Bewohner der Insel bis dahin gekannt hatte. Parallel zu diesen Geschäften begannen die Portugiesen auch damit, das Christentum unter den Einheimischen zu verbreiten. Ab 1597 verwaltete der erste portugiesische Generalkommandeur die neue Kolonie, die auch die für den Handel bedeutenden westlichen und südlichen Küstengebiete umfasste.

Nur fünf Jahre später begann die Macht der Portugiesen zu schwinden und die Niederlande übten mit ihrer Vereinigten Ostindischen Kompanie immer größeren Einfluss aus. 1796 übernahmen die Briten das Ruder und machten die Insel 1803 zur Kronkolonie. Zwar erreichte Sri Lanka nach vielen Aufständen 1948 seine Unabhängigkeit, der Einfluss der Briten ist jedoch bis heute in vielen Bereichen erkennbar. Sie begründeten beispielsweise den großflächigen Teeanbau, führten ein Schulsystem ein und verbesserten die Infrastruktur des Landes.

Die ersten Jahre der Unabhängigkeit waren von politischen Konflikten zwischen Singhalesen und Tamilen geprägt, die 1983 eskalierten und einen fast 30 Jahre andauernden Bürgerkrieg auslösten. Am 16. Mai 2009 erklärte der sri-lankische Präsident Mahinda Rajapaksa den Krieg offiziell für beendet. Seitdem lebt auch der Tourismus wieder auf und im Land ist ein deutlicher wirtschaftlicher Aufschwung erkennbar. Hinsichtlich Meinungs- und Pressefreiheit gibt es in Sri Lanka jedoch weiterhin erhebliche Defizite. Oppositionelle werden von der Regierung streng überwacht und auch verfolgt.

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