Dalada Maligawa - der Zahntempel

Dalada Maligawa ist eine Tempelanlage in der Stadt Kandy, in der einer Überlieferung zufolge mit dem Zahn Buddhas eine wertvolle Reliquie des buddhistischen Glaubens aufbewahrt wird.

Dalada Maligawa
Dalada Maligawa - der Zahntempel

Dalada Maligawa wird mit der Bezeichnung Zahntempel übersetzt. Der Begriff gibt bereits einen Hinweis auf die religiöse Bedeutung der buddhistischen Tempelanlage. Nach der Überlieferung wird hinter den Mauern des Zahntempels der linke Eckzahn Buddhas aufbewahrt. Die Errichtung von Dalada Maligawa zog sich über mehrere Jahrzehnte hin. Die komplette Fertigstellung der Anlage datiert auf das Jahr 1782. Baubeginn war ein knappes Jahrhundert früher im Jahr 1687. Auffälligstes Merkmal des Zahntempels ist der achteckige Turm. Er beherbergt heute eine Bibliothek. Das Zentrum der Tempelanlage besteht aus drei Etagen. In der obersten Etage befindet sich der Goldene Schrein. Hier versammeln sich die Pilger, die Dalada Maligawa besuchen, um die Reliquie zu verehren. Der Mittelpunkt des Schreins bildet den Zugang zu einem dahinter liegenden Raum, in dem der Zahn des religiösen Führers aufbewahrt wird.

Dreimal täglich wird der Schrein am Morgen, zur Mittagszeit und am Abend für die Dauer von jeweils einer Stunde geöffnet. Darüber hinaus wird die Reliquie wöchentlich einer Reinigungsprozedur unterzogen. Die Geschichte des Zahns wird im Dalada Museum erzählt, das sich auf dem Gelände der Tempelanlage befindet. In den Ausstellungsräumen können Sie auch zahlreiche Geschenke von buddhistischen Pilgern bewundern, die diese bei einem Besuch im Zahntempel mit sich führten. Auf dem Areal der Tempelanlage von Dalada Maligawa befinden sich vier weitere Schreine, von denen drei den hinduistischen Gottheiten gewidmet sind. Nur ein Schrein wird dem Buddhismus zugeordnet. Die Spuren der britischen Kolonialzeit finden sich auch in den Anlagen von Dalada Maligawa wieder. Die Kolonialherren errichteten während ihrer Vorherrschaft in Sri Lanka im Tempelbezirk einige Bauten. Der gesamte Komplex ist von einem System aus Wällen und Gräben umgeben. In unmittelbarer Nachbarschaft des Zahntempels befinden sich eine islamische Moschee und eine christliche Kirche.

Alten Überlieferungen zufolge hat der Zahn Buddhas eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Leichnam des Geistlichen wurde nach seinem Tod eingeäschert und eine Nonne erhielt den Zahn zur Aufbewahrung. Nachdem die Reliquie in acht Jahrhunderten mehrfach den Besitzer wechselte, gelangte sie im 4. Jahrhundert n. Chr. nach Sri Lanka und wurde von den dortigen Königen verwahrt. Mit dem Wechsel der Hauptstadt zog die Reliquie jeweils in eine andere Stadt um, bis in Kandy schließlich der letzte Aufenthaltsort gefunden war, wo der Zahn noch heute aufbewahrt wird. Die Kolonialmächte Portugal und England versuchten ab dem 16. Jahrhundert den Mythos der Reliquie zu zerstören, um die Macht des singhalesischen Königs zu brechen. Die Vorhaben scheiterten jedoch an jedes Mal an aufkommenden Unruhen unter der Bevölkerung. Da sich nach unbestätigten Angaben seit Jahrhunderten Kopien des Original-Zahns im Umlauf befinden, ist heute unklar, ob es sich bei dem in Kandy aufbewahrten Exemplar tatsächlich um den Zahn Buddhas handelt.

Alljährlich im August findet mit der Esala Perahera eine festliche Prozession statt, bei der die Reliquie verehrt wird. Die Umzüge teilen sich in vier einzelne Abschnitte, wobei jedem der vier Schreine im Zahntempel entsprechend gehuldigt wird. Den Abschluss bildet die Prozession, die dem heiligen Zahn selbst gewidmet ist. Bei den prächtigen Festumzügen kommen mehr als 100 prachtvoll geschmückte Elefanten zum Einsatz. Auf dem Rücken der Dickhäuter werden Kisten und Schatullen befestigt, die neben dem heiligen Zahn weitere religiöse Reliquien enthalten sollen. Die komplette Altstadt von Kandy mit dem Tempelbezirk gehört seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Jahr 1998 verursachte ein Selbstmordattentäter einige Schäden am Zahntempel. Bei diesem Anschlag kamen acht Menschen ums Leben. Nach diesem politisch motivierten Attentat wurde der Zugang zum Zahntempel mit Sicherheitsschleusen ausgestattet. Gläubige Buddhisten sprechen dem Zahn übernatürliche Fähigkeiten zu. Danach soll die Reliquie die Fähigkeit besitzen, als Regenmacher zu fungieren.

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