Thailand und seine Geschichte - ein Überblick

Übersetzt bedeutet Thailand so viel wie "Land der Freien", was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass das Land, das früher Siam hieß, zwar im Laufe seiner Geschichte in kriegerischen Auseinandersetzungen mehrmals besiegt, niemals aber unterworfen wurde. So ist Thailand das einzige Land in Südostasien, das nie kolonialisiert wurde.

Die erste Besiedelung des heutigen Thailands liegt laut archäologischen Funden mehr als 40.000 Jahre zurück. Die ersten hier ansässigen Siedler waren die Vorfahren der Khmer sowie der Mon, die beide noch heute als Minderheiten in Thailand leben. Die Herkunft der Thais ist umstritten. Es wird jedoch angenommen, dass sie zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert aus Südchina einwanderten und im 13. Jahrhundert die Khmer und Mon teilweise aus ihren Gebieten vertrieben, um dort eigene Dynastien, darunter 1351 Ayutthaya, zu gründen, das bald zum wichtigsten Reich in Südostasien werden sollte und bis Mitte des 18. Jahrhunderts existierte.

Das Königreich expandierte immer mehr und wurde schließlich zum Reich von Siam, dessen diplomatische Beziehungen bis nach Europa reichten. Ayutthaya wurde schlussendlich 1767 von den Burmesen in kämpferischen Auseinandersetzungen besiegt und die Hauptstadt zerstört – nicht aber der Widerstandswille des Volkes. Und so erblühte das Reich alsbald mit der neuen Hauptstadt Thonburi. Aus diesem Reich ging das immer noch regierende Königsgeschlecht hervor, das die Hauptstadt bald in das heutige Bangkok verlegte. Im 19. Jahrhundert wurden den europäischen Kolonialmächten, die in den Nachbarländern regierten, einige Handelsniederlassungen zugestanden und es wurden Reformen, unter anderem im Bildungs- und im Militärwesen, eingeführt, um mit der Zeit zu gehen und nicht selbst kolonialisiert zu werden. Thailand war ständig bemüht, mit der Zeit Schritt zu halten und Ende des 19. Jahrhunderts wurde schließlich mit dem Bau der ersten Eisenbahnlinie begonnen.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, stellte sich das damalige Siam auf die Seite der Alliierten und war nach Kriegsende Mitbegründer des Völkerbundes, dem indirekten Vorgänger der Vereinten Nationen.

1932 kam es zu einer Palastrevolte, in deren Folge die Monarchie außer Kraft gesetzt und die Regierung in Siam von prowestlichen Herrschern übernommen wurde, die den Nationalismus förderten und das Land bald in Thailand umbenannten. Während des Zweiten Weltkriegs lieferte sich Thailand einen bewaffneten Kampf mit Frankreich und konnte einige Gebiete der französischen Kolonien Laos und Kambodscha gewinnen. Gleichzeitig gewährte es den Japanern den Durchzug durch das eigene Land, um nach Burma, dem heutige Myanmar, einzumarschieren. Während die Regierung in Bangkok den Alliierten offiziell den Krieg erklärte, wuchs in der Bevölkerung der Widerstand gegen die Japaner. Der amtierende Premierminister musste daher 1944 zurücktreten und die im Zuge der Kämpfe gewonnenen Provinzen wurden zurückgegeben.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs bescherte Thailand eine Demokratie, die jedoch nicht lange Bestand hatte. Bereits 1947 wurde die Regierung durch das Militär gestürzt, das bis 1973 an der Macht bleiben sollte. In dieser Phase wurden westliche Normen stark gefördert und das Königshaus gestärkt, während gleichzeitig sowohl Militär als auch Polizei alle Ebenen der Gesellschaft durchdrangen. Außenpolitisch orientierte sich das Land an den USA, denen es auch ein Verbündeter während des Vietnamkriegs sein sollte. In den Jahren 1973 und 1976 kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen beziehungsweise zu Militärputschen. Auch wenn die Zeit während der folgenden Militärregierung von wirtschaftlichen wie sozialen Problemen und Korruption geprägt war, wurden auch einige wichtige Wirtschaftsreformen eingeführt, die das Land nachhaltig stabilisierten. Außerdem war die Regierung bestrebt, die Beziehungen zu den kommunistischen Nachbarländern, wie etwa Kambodscha oder Vietnam, zu verbessern.

Erst 1992 ging die Macht wieder an eine Zivilregierung über. Diese setzte mit dem Ziel einer stabilen Demokratie verschiedene Verfassungsänderungen durch. Die Lage in dem Land ist allerdings bis heute nicht stabil. Nachdem 2005 erstmals in der Geschichte Thailands eine Alleinregierung an die Macht kam, gab es bald Korruptionsvorwürfe gegen den amtierenden Premier und 2006 kam es zu einem erneuten Militärputsch. Dieser Konflikt dauert bis heute an und es kommt, vor allem in Bangkok, immer wieder zu Aufständen und gewaltsamen Ausschreitungen. Daneben hat Thailand mit separatistischen Gruppen im Süden des Landes zu kämpfen und befindet sich mit Kambodscha im Streit um die Grenzziehung. Darüber hinaus wurde das Land in den vergangenen Jahren von mehreren Naturkatastrophen heimgesucht. Neben dem Tsunami, der im Dezember 2004 tausende Todesopfer in Thailand forderte, erlebte das Land 2011 die größte Flut seit 50 Jahren, die weite Teile des Landes überschwemmte.

Thailand ist ein seit Jahrzehnten boomendes Touristenland und mit dem Tourismus kam ein gewisser Wohlstand – Thailand ist heute auf dem Weg zu einer wirtschaftlichen Großmacht in Südostasien.

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