Göreme - Höhlenwohnungen und Felskirchen

Die Ortschaft Göreme liegt im Herzen der türkischen Region Kappadokien und ist bekannt für die unzähligen Höhlenwohnungen und Felskirchen, die ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. in den weichen Tuffstein gehauen wurden.

Göreme
Göreme - Höhlenwohnungen und Felskirchen

Göreme empfängt Sie mit einer bizarren Felslandschaft aus kegelförmigen Erhebungen und burgähnlichen Steinformationen, in die bereits in frühchristlicher Zeit unzählige Wohnungen und Höhlenkirchen geschlagen wurden. Die Region besteht aus hellem Tuffstein und einer kargen Vegetation. Vor Jahrmillionen war die Region von starker vulkanischer Aktivität geprägt. Lavaströme ergossen sich aus den Kratern und Ascheregen ging über dem Gebiet nieder. Nach dem Erkalten entstand eine dicke Schicht aus Tuffstein, die in der Folge durch Erosion von Wind und Wasser abgetragen und zersetzt wurde. In das weiche Gestein schlugen die Menschen ab dem 4. Jahrhundert Wohnungen, Stallungen und christliche Kirchen, die heute als touristische Attraktion zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt anziehen. Die markanten Schlote und pyramidenartigen Erhebungen werden als Feenkamine bezeichnet.

Die Felskirchen und Höhlenwohnungen im Nationalpark Göreme gehören seit 1985 zum Weltkultur- und Weltnaturerbe der UNESCO. Während die Region bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts vor allem von Rucksacktouristen besucht wurde, erfolgte in den frühen 70er Jahren der Ausbau einer touristischen Infrastruktur. Heute befinden sich in den einstigen Behausungen Hotels und Pensionen, die sich als außergewöhnliche Übernachtungsgelegenheit anbieten. In der Hauptsaison sind die Unterkünfte gut gebucht und es empfiehlt sich eine rechtzeitige Reservierung. In der Nebensaison im Frühling und Herbst finden Sie problemlos ein in den Fels gehauenes Gästezimmer als Schlafgelegenheit. Der größte Tuffsteinkegel in Göreme wird als Roma Kalesi bezeichnet und erinnert an eine burgähnliche Befestigungsanlage. In seinem Inneren befindet sich ein antikes römisches Grab, das von zwei dorischen Säulen flankiert wird. Nach Einbruch der Dunkelheit wird die bizarre Felsformation beleuchtet und auf diese Weise aufmerksamkeitsstark in Szene gesetzt.

Göreme lag an der wichtigen Handelsroute der Seidenstraße und war in frühchristlicher Zeit oft das Ziel von Überfällen durch die Truppen verschiedener Herrschaftsbereiche. Perser, Araber und Mongolen drangen immer wieder in das Gebiet in Kappadokien ein. Zum Schutz vor Übergriffen legten die Menschen ganze unterirdische Städte an, die ihnen als Versteck dienten und deren Eingänge bei Bedarf mit schweren Steinen verschlossen werden konnten. Kirchen und Kapellen wurden in den weichen Tuffstein geschlagen und Taufbecken, Sitzbänke und Altäre in mühevoller Arbeit aus dem Fels herausgearbeitet. Dabei kamen den frühen Bewohnern die Eigenschaften des Materials zugute. Im Sommer war es in den Höhlenwohnungen angenehm kühl und im Winter konnten die Behausungen beheizt werden. Die Unterkünfte waren mit gewebten Teppichen ausgelegt und mit offenen Kaminen über der Feuerstelle ausgestattet. Die rußgeschwärzten Wände können Sie noch heute in vielen ehemaligen Behausungen erkennen. Ganze Städte mit bis zu 12 Stockwerken wurden aus dem weichen Felsgestein gehauen. Kaymakli und Derinkuyu sind die größten unterirdischen Ansiedlungen. Neben Wohnungen befanden sich Vorratsräume, Versammlungsorte und Gemeinschaftsküchen unter der Erdoberfläche und lange Gänge verbanden die einzelnen Bereiche miteinander.

Einen eindrucksvollen Einblick in die frühe Zeit des Christentums gewähren Ihnen die zahlreichen Höhlenkirchen in Göreme. Die ersten Kapellen entstanden im 4. Jahrhundert n. Chr. In späteren Jahrhunderten entstanden weitere Kirchen in dem Komplex. Im 12. Jahrhundert wurden die Barbara-Kirche und die Yilanli-Kirche und um das Jahr 1200 wurde die Carikli-Kirche in das Tuffgestein geschlagen. Kunstvolle Fresken zieren die Innenräume der Kirchen und Kapellen. Gut erhaltene Wandmalereien können Sie in der sogenannten Dunklen Kirche bewundern. Die Dunkelheit in der Höhle sorgte für eine hervorragende Konservierung der frühchristlichen Fresken. Der Zutritt ist jeweils nur auf wenige Besucher beschränkt und die wertvollen Kunstwerke werden durch eine Absperrung vor Berührung geschützt. Die Behausungen und Kirchen in Göreme wurden von griechisch-orthodoxen Christen angelegt. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erfolgte eine Zwangsumsiedlung der letzten Bewohner nach Griechenland und die Ortschaft in Kappadokien wurde verlassen.

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