Konya - islamistische Kulturmetropole

Konya ist die siebtgrößte Stadt der Türkei und liegt rund 200 Kilometer südlich der Hauptstadt Ankara im Steppenhochland Zentralanatoliens.

Konya
Konya - islamische Kulturmetropole

Mit einer Einwohnerzahl von mehr als einer Million gehört Konya zu den größten Städten in der Türkei. Die Metropole ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in Anatolien und liegt auf einer Höhe von 1.200 Metern über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet wird von hohen Bergen eingerahmt, deren Gipfel Höhen von bis zu 2.300 Metern erreichen. Sie gehören zu den nördlichen Ausläufern des Taurusgebirges. Die Geschichte der Stadt lässt sich bis in das 4. Jahrhundert v. Chr. nachweisen. Ab dem Jahr 25 n. Chr. gehörte Konya zur römischen Provinz Galatien. In der Bibel wird die Stadt im Zusammenhang mit dem Apostel Paulus erwähnt, der der Region einen Besuch abgestattet haben soll. Im Osmanischen Reich war Konya ein kulturelles und religiöses Zentrum. Sie ist die Heimat des türkischen Sufi-Ordens. Die Anhänger des Sufismus gehören einer asketisch lebenden Randgruppe der Muslime an.

In der Gegenwart ist Konya eine islamistische Kulturmetropole, die sich mit ihren kulturellen Traditionen deutlich von anderen türkischen Großstädten unterscheidet. Für Angehörige der sufistischen Glaubensrichtung gilt die Stadt als Wallfahrtsort. Hier befindet sich das Mausoleum des persischen Dichters Mevlana Dschalal ad-Din Muhammad Rum, der als Gründer des Sufi-Ordens verehrt wird. Der Ordensgründer wurde im Jahr 1207 geboren und nach seinem Tod in einer öffentlich zugänglichen Grabstätte beigesetzt. Das Mausoleum ist das Wahrzeichen der türkischen Metropole und dient den Anhängern des Sufismus als Kultstätte. Im Zuge der Säkularisierung und der strikten Trennung von Kirche und Staat unter Atatürk wurden religiöse Handlungen auf dem Gebiet der Türkei weitestgehend verboten. Davon betroffen war auch der Kult um den Begründer des Sufi-Ordens. Dessen ungeachtet verlor das Mausoleum nie seinen Status als Pilgerort. Die Grabstätte befindet sich im historischen Stadtzentrum von Konya, das mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten den Mittelpunkt der touristischen Aktivitäten und Besichtigungstouren bildet.

Konya ist bekannt für die tanzenden Derwische der Mevlevis, die in mehreren organisierten Gruppen auf den Plätzen der historischen Altstadt ihre Tanzkunst unter Beweis stellen. Seit 1954 darf der religiöse Tanz zu Ehren von Dschalal ad-Din Rumis wieder öffentlich aufgeführt werden. Viele Besucher statten allein wegen dieses traditionellen Tanzes der Stadt einen Besuch ab. Sehenswert sind im Stadtzentrum die Serafettin-Moschee und die Haci-Veyiszade-Moschee. Die Moscheen der Seldschuken sind mit aufwendig gestalteten Fliesen in den Innenräumen ausgestattet. Darüber hinaus locken das archäologische Museum, das ethnografische Museum und das Atatürk-Museum mit einem Besuch. In der Stadt übernimmt die elektrische Straßenbahn den Transport der Einwohner und Besucher. Die Wagen des Fortbewegungsmittels stammen größtenteils aus Deutschland und waren früher auf den Schienen der Kölner Innenstadt unterwegs. Konya besitzt als Bildungsstandort eine große Bedeutung in der Türkei. Die Selcuk-Universität bietet Studiengänge zu unterschiedlichen gesellschaftlichen, kulturellen und naturwissenschaftlichen Fachbereichen an und unterhält zahlreiche Forschungseinrichtungen.

In der Nähe des Stadtgebietes von Konya befinden sich archäologische Ausgrabungsstätten von großer kulturhistorischer Bedeutung. Die jungsteinzeitliche Siedlung Çatalhöyük zählt zu den frühsten Zeugnissen menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet der Türkei und gehört seit 2012 zum Weltkulturerbe der UNESCO. In den Lehmhäusern fanden die Archäologen gut erhaltene Wandmalereien, Keramikgefäße und Reste von Textilien. Zahlreiche unversehrte Tonfiguren erzählen von den Riten und Gebräuchen der steinzeitlichen Bewohner. Eine grüne Oase im Stadtgebiet von Konya ist der Aladdin Park mit dem Gefallenendenkmal. Rund um das Mausoleum finden Sie darüber hinaus zahlreiche Souvenirstände, an denen Händler Waren mit religiöser Symbolik anbieten. Zu den meistgekauften Gegenständen gehören Figuren, die die drehenden und tanzenden Derwische darstellen. Im modernen Geschäftsviertel der Stadt erhebt sich mit dem sogenannten Kulesite ein Wolkenkratzer, an dessen Fuß sich zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten befinden. Mevlana Caddesi ist das lebhafte Zentrum der Millionenmetropole mit vielen Restaurants, Cafés, Museen und Kunstausstellungen.

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