Geschichte Vietnams - ein kurzer Überblick

Rund 200 Jahre vor Christi Geburt eroberte der aus dem südchinesischen Raum eingewanderte Volksstamm der Lac Viet das Gebiet des heutigen Vietnams und gab ihm den Namen Nam Viet, was so viel wie "südliches Land der Viet" bedeutet. Knappe hundert Jahre später eroberten die Chinesen das Gebiet und sollten es für die nächsten tausend Jahre beherrschen. Mit sich brachten sie nicht nur ihre Kultur und Sitten, sondern auch Sprache und Schrift. Chinesisch wurde die offizielle Sprache in der Region und die chinesische Schrift wurde bis ins 20. Jahrhundert benutzt – heute verwenden die Vietnamesen das lateinische Alphabet.

Im späten 10. Jahrhundert konnten die Vietnamesen die Chinesen schließlich vertreiben und es entstand das Reich von Annam. Diese Periode der vietnamesischen Geschichte war von zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen lokalen Herrschern geprägt, was es den Chinesen einfach machte, ihren Einfluss trotz Vertreibung zu erhalten und weiter auszubauen. Die erste bedeutende vietnamesische Dynastie war die Ly-Dynastie, die ab Beginn des 11. Jahrhunderts regierte und die Verwaltung im Reich zentralisierte. Diese Periode war gleichzeitig Blütezeit des Buddhismus, der bis heute die dominierende Religion in Vietnam ist. Bis dahin war der aus China mitgebrachte Konfuzianismus, der mehr einer philosophischen Lehre als einer Religion entspricht, vorherrschend.

Ab dem 13. Jahrhundert folgten mehrere Eroberungsversuche, erst seitens der Mongolen, die jedoch erfolgreich abgewehrt werden konnten, dann zum wiederholten Male durch die Chinesen, die es schafften, die regierende Ho-Dynastie zu Fall zu bringen. Sie konnten ihre Herrschaft jedoch nicht lange halten und von 1428 an war die Region wieder unter vietnamesischer Hoheit und sollte dies auch für mehrere hundert Jahre bleiben. In dieser Zeit entwickelte sich eine reiche und eigenständige vietnamesische Kultur.

Im 18. Jahrhundert wurde das von Kambodschanern bewohnte Gebiet des Mekong-Deltas einverleibt und 1804 ging aus einer jahrhundertelangen Geschichte, die an verschiedenen herrschenden Dynastien reich war, der Staat Viet Nam hervor.
Ungefähr ab 1860 begannen die Franzosen damit, Schritt für Schritt Teile Vietnams unter ihre Herrschaft zu bringen und das Land in die drei Teile Cochinchina im Süden, Annam in der Mitte und Tongking im Norden zu spalten. Diese drei Protektorate wurden mit Laos und Kambodscha zu Indochina vereinigt.

Ab den 1920er-Jahren gab es eine erstarkende Unabhängigkeitsbewegung, die von der kommunistischen Partei Indochinas angeführt wurde und schließlich nach Ende der japanischen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs zum Indochina-Krieg führen sollte. Ho Chi Minh und seine Truppen, die den Namen Viet Minh ("Liga für die Unabhängigkeit Vietnams") trugen, kämpften mit heimlicher US-amerikanischer Unterstützung gegen die Franzosen und den von ihnen eingesetzten Kaiser Bao Dai. 1954 konnten die Viet Minh die Franzosen in der Schlacht von Dien Bien Phu verheerend schlagen und das Land wurde zweigeteilt.

Während der Norden eine kommunistische Republik unter Ho Chi Minh wurde, war der Süden westlich orientiert und wurde seitens zahlreicher westlicher Mächte als souveräner Staat anerkannt. Auf einer als Ho-Chi-Minh-Pfad bekannt gewordenen Nord-Süd-Verbindung schmuggelten die Viet Minh Waffen in den Süden, um die dortigen kommunistischen Aufständischen zu unterstützen, die seitens der von den Amerikanern gestützten Regierung bekämpft wurden. In diesen kämpferischen Auseinandersetzungen spielten auch die Amerikaner selbst immer eine aktive Rolle. Der Widerstand im Volk wuchs und brachte den kommunistischen Aufständischen immer mehr Zulauf, was soweit führte, dass die USA 1965 offen in das Geschehen eingriffen und den Konflikt damit internationalisierte.

1969 starb Ho Chi Minh und 1973 wurde in Paris ein Friedensvertrag zwischen den USA und der Demokratischen Republik Vietnam unterzeichnet, der einen jahrelangen, grausamen Krieg mit hunderttausenden Todesopfern auf beiden Seiten beendete.

1975 kapitulierte Südvietnam nach einem militärischen Angriff der Kommunisten aus dem Norden und 1976 wurden der Süden und der Norden unter kommunistischer Führung zur Sozialistischen Republik Vietnam wiedervereinigt. Ab 1979 war das wiedervereinigte Land für die nächsten zehn Jahre aktiv in die kriegerischen Auseinandersetzungen in Kambodscha involviert. Innerstaatlich herrschten nicht zuletzt aufgrund eines US-amerikanischen Handelsembargos katastrophale wirtschaftliche und soziale Zustände, welche die Regierung schließlich im Jahr 1986 zu einem wirtschaftlichen Reformprogramm mit dem Namen "Doi Moi" veranlassten. Darin vorgesehen waren unter anderem der schrittweise Übergang von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft sowie die politische und wirtschaftliche Öffnung des Landes. Somit konnten ab Ende der 1980er-Jahre erstmals wieder ausländische Touristen das Land besuchen und innerhalb der letzten 25 Jahre hat sich der Tourismus zu einer der wichtigsten Devisenbringer in Vietnam entwickelt.

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